DFB-Team gegen England in der Einzelkritik Schlotterbeck überraschend unsicher

Manuel Neuer zeigte starke Paraden, David Raum schlug gute Flanken: Beim Remis gegen England hat das DFB-Team für viele Lichtmomente gesorgt. Auch Abwehrboss Antonio Rüdiger brillierte – nur sein Nebenmann zeigte Nerven.
Aus München berichtet Peter Ahrens
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Manuel Neuer (Torwart): Einmal ließ er eine Eckballflanke durchrutschen, einmal fasste er erst beim zweiten Mal zu, ansonsten war der Kapitän aber auf dem Posten. Das musste er bei mehreren gefährlichen Abschlüssen der Engländer auch sein. Dabei bewies er seine gewohnt starken Reflexe.

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David Raum (Verteidigung): Die Mitspieler bedienten den Hoffenheimer immer wieder auf dem Flügel mit langen Bällen, wissend, was sie an ihm haben. Raum ist schnell, und Flanken wie von ihm, aus vollem Lauf scharf hineingeschlagen, hat man in der Nationalmannschaft lange nicht gesehen. Defensiv nicht immer sicher im Laufduell, aber ohne grobe Fehler. Eine sehr gute Partie.

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Antonio Rüdiger (Verteidigung): Der Mann, der bis zu diesem Saisonende beim FC Chelsea gespielt hat, schien gegen die Engländer noch ein Stück mehr motiviert als sonst. Grätschte, rannte, bereinigte noch etwas mehr, als man das von ihm zuletzt schon so geschätzt hat. Längst der Chef der deutschen Abwehr. Einmal bekam er Szenenapplaus, als er im Strafraum per Scherenschlag klärte.

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Nico Schlotterbeck (Verteidigung): Er hatte zuletzt im DFB-Pokalfinale überragend gespielt, entsprechend hoch waren die Erwartungen an den Neu-Dortmunder. Aber Schlotterbeck war überraschend unsicher, überraschend deswegen, weil er sonst für sein Selbstbewusstsein bekannt ist. Spielte mehrere fahrige Pässe, verlor Zweikämpfe, ließ sich überlaufen. Er merkte vermutlich, dass England dann doch eine andere Hausnummer ist als RB Leipzig. Dass er den Elfmeter verschuldete, passte.

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Lukas Klostermann (Verteidigung): Das hätten die wenigsten vermutet, den Leipziger in der Startelf aufzufinden. Die Engländer hatten seine Abwehrseite zu Beginn als möglichen Schwachpunkt ausgemacht, aber Klostermann hielt seinen Flügel relativ dicht, sodass es die Gäste anschließend öfter über die andere Seite probierten. Allein das kann Klostermann als Kompliment für sich werten.

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Joshua Kimmich (Mittelfeld): Der Fanclub Nationalmannschaft hatte ihn als Nationalspieler des Jahres ausgezeichnet, dafür wurde er vor dem Spiel geehrt. In der Partie dann war Kimmich wie immer eifrig und erneut darauf bedacht, erst einmal defensiv Sicherheit auszustrahlen. Er lief viel, ackerte, versuchte auch nach vorn, die Impulse zu setzen, bereitete die Führung vor. Wieder ein guter Auftritt von Kimmich.

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İlkay Gündoğan (Mittelfeld, bis 83. Minute): Der City-Profi durfte mal wieder von Anfang an im Mittelfeld spielen. Er demonstrierte seinen feinen Umgang mit dem Ball, schickte gute Pässe nach vorn, und doch erwartet man sich von ihm immer noch ein ganz kleines bisschen mehr. Er kann alles im Fußball – dafür müsste er dominanter sein. Aber Gündoğan ist auch immer ein leiser Spieler gewesen, und das wird er auch nicht mehr ändern.

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Leroy Sané (Angriff, ab 83. Minute): kam für die letzten knapp zehn Minuten für Gündoğan, zweifellos eine eher pädagogische Maßnahme des Bundestrainers, um das angeknackste Selbstvertrauen des Münchners zu stützen.

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Jonas Hofmann (Mittelfeld, bis 65. Minute): Der Gladbacher durfte diesmal etwas offensiver agieren als zuletzt in der Nationalmannschaft. Damit kam er seiner Rolle im Verein wieder näher. Hofmann machte viel Wirbel über die rechte Seite, drang auch gern nach innen vor und schoss das Tor. Zuvor hatte er bereits bei einer knappen Abseitsentscheidung getroffen. Der Borusse ist einer der großen Gewinner des ersten Flick-Jahres.

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Serge Gnabry (Mittelfeld, ab 65. Minute): Für 25 Minuten durfte der Münchner als Ersatz für Jonas Hofmann in seinem Stadion vorspielen. Er führte sich gleich mit einem klugen Pass ein, wurde dann aber auf seinem rechten Flügel zu selten gesucht, um wirklich aufzufallen.

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Jamal Musiala (bis 65. Minute): Der junge Münchner gegen das Land seiner Vorfahren – das war schon im Vorjahr bei der EM ein großes Thema, und Musiala schien damals im Achtelfinale der Nervosität Tribut zollen zu müssen. Diesmal war er viel quirliger, mutiger, wacher, er dribbelte, er lief, er passte. Er war der Auffälligste, und das heißt in dieser hochkarätig besetzten Offensive schon einiges. Musiala ist einer, der im Verein oft unterverkauft wirkt und in der Nationalelf die Glanzpunkte setzt. In der 65. Minute wurde er ausgewechselt.

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Timo Werner (Angriff, ab 65. Minute): 25 Minuten hatte der Chelsea-Stürmer Zeit zu beweisen, dass er sich mit der Ersatzspielerrolle nicht abfinden will. Er gab sich sehr eifrig, verpasste bei einem Konter über Havertz knapp das 2:0.

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Thomas Müller (Mittelfeld, bis 75. Minute): Müllers 114. Länderspiel war ein Heimspiel für den Münchner, und er hätte es fast früh mit einem Treffer gekrönt, als er den Ball elegant über Torwart Pickford hob, aber die Szene war kurz vorher vom Schiedsrichter abgepfiffen worden. Danach verfiel er ins Müller-Prinzip beim DFB: viele Fleißkarten sammeln, aber wenig effektiv sein. Das 2:0 hatte er nach einer erneut starken Raum-Flanke dennoch auf dem Fuß. Nach 75 Minuten war Schluss für ihn.

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Leon Goretzka (Mittelfeld, ab 75. Minute): Noch ein Münchner, der seine Spielminuten bekam. Eine Viertelstunde lang ersetzte er Müller, ohne wirklich Akzente zu setzen.

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Kai Havertz (Angriff): Der Chelsea-Stürmer wurde vom Bundestrainer diesmal auch für die Startelf nominiert, wie viele das im Vorfeld auch gefordert hatten. Havertz ist immer gefährlich, aber er ist manchmal eben auch so, wie so ein langer Kerl im Strafraum agiert. Die rasanten Drehungen sind nicht seines, und so braucht er im Strafraum auch mal bei der einen oder anderen Szene die eine oder andere Sekunde zu lang.

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Hansi Flick (Trainer): Der Bundestrainer hatte gemerkt, dass nach dem Italien-Spiel personelle Änderungen vonnöten waren, und er brachte all die, mit denen im deutschen Fußball die großen Hoffnungen verbunden sind: Raum, Schlotterbeck, Musiala, Gündoğan, Havertz. Das hat sich auf dem Platz ausgezahlt, nur nicht beim Ergebnis.

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