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DFB-Aufstellung gegen Frankreich Schürrles Chance

Im Viertelfinale gegen Frankreich könnte es in der deutschen Offensive Umstellungen geben: Mario Götze droht die Bank, profitieren würde André Schürrle. Der Chelsea-Profi sagt: "Ich fühle mich wohler, wenn ich anfange."

Man hätte in den vergangenen Tagen den Eindruck gewinnen können, die deutsche Fußballnationalmannschaft bestünde nur aus zwei Personen: Torwartlibero Manuel Neuer und Kapitän Philipp Lahm. Die tollkühnen Heldentaten des Schlussmanns gegen Algerien und die Debatte um Lahms Rolle haben fast vergessen lassen, dass vor dem schweren Viertelfinale gegen Frankreich (18 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ARD) noch neun weitere Positionen zu vergeben sind. Dabei gibt es nicht nur in der Defensive Diskussionsbedarf. Auch vorne könnte sich gegen die Franzosen etwas verändern.

Der Ton, mit dem in Kommentaren und DFB-Pressekonferenzen der Einsatz von André Schürrle gefordert wird, ist seit dem Achtelfinale gegen Algerien deutlich forscher geworden. "Es ist doch wohl ein klares Muss, dass Schürrle jetzt von Anfang an spielt", formulierte es ein Fernsehkollege derart offensiv, dass Torwarttrainer Andreas Köpke als Vertreter der sportlichen Leitung richtiggehend zurückschreckte: "Das ist Ihre rein persönliche Meinung."

Schürrles Führungstor gegen Algerien nach seiner Einwechslung hat den Druck auf die bisherigen Angriffskräfte in der Startelf erhöht. Treffen könnte dies zuallererst Mario Götze, der den hohen Ansprüchen bisher nur im Auftaktspiel gegen die Portugiesen gerecht wurde. Götze war gegen die groß gewachsenen Innenverteidiger Portugals genau der Richtige, er erfüllte die taktischen Vorgaben von Bundestrainer Joachim Löw exakt, danach schien der Bayern-Spieler zunächst gesetzt.

Für die Öffentlichkeit ist Schürrle reif für die Startelf

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Deutsche Nationalelf gegen Frankreich: Gedränge in der Offensivabteilung

Foto: KIRILL KUDRYAVTSEV/ AFP

Danach ist er jedoch weitgehend wirkungslos geblieben, gegen Algerien ließ er eine Großchance aus und wurde zur Pause gegen Schürrle ausgetauscht. Dass es danach in der deutschen Elf viel besser lief, ist sicher weder ausschließlich Götze anzulasten noch Schürrle allein zuzurechnen. Im Gegenteil: Dem Chelsea-Profi unterliefen mehrere leichte Ballverluste. Doch vor allem wegen seines Treffers drängte sich in der Öffentlichkeit der Eindruck auf: Schürrle muss seine Chance bekommen.

"Es sieht nicht schlecht aus, dass er Einsatzzeit erhält", hat sich Köpke vor dem Spiel zwar zurückhaltend geäußert, eine Tendenz pro Schürrle damit allerdings durchscheinen lassen. Der Spieler selbst hat ganz klar gesagt: "Ich fühle mich viel wohler, wenn ich von Anfang an dabei bin." Dass Schürrle seine besten Leistungen in der Nationalmannschaft oft dann gebracht hat, wenn er als Joker von der Bank kam und die schon müden Verteidiger des Gegners mit seiner Schnelligkeit überrennen konnte, stimmt aber auch. Zuletzt zeigte er das neben dem Algerien-Spiel im vorletzten WM-Test gegen Kamerun, als er das zwischenzeitliche 2:1 erzielte.

Götzes Status hat sich bei diesem Turnier leicht verschlechtert, der von Schürrle deutlich verbessert. Das würde dafür sprechen, den Chelsea-Spieler beginnen zu lassen. In der Hinterhand hat der Bundestrainer zudem immer noch Miroslav Klose, der nach seinem gegen Ghana erzielten 15. WM-Treffer langsam ungeduldig werden dürfte, was seinen Torrekord angeht. Klose will bei diesem Turnier unbedingt noch ein weiteres Tor erzielen, es würde ihn allein auf Platz eins der ewigen Rangliste bringen. Gegen Algerien musste der Routinier 120 Minuten lang zuschauen.

Hummels bringt Schnelligkeit zurück

Mats Hummels hingegen wird gegen Frankreich sicher in die Startelf zurückkehren. Der Dortmunder hat seine Grippe, die ihn gegen Algerien aussetzen ließ, weitgehend überstanden und wird wieder neben Per Mertesacker die Innenverteidigung bilden. Das Achtelfinale hat gezeigt, was fehlt, wenn Hummels nicht mit von der Partie ist. Ein geordnetes Aufbauspiel aus der Deckung fand fast gar nicht statt, zudem fehlte es an Schnelligkeit. Jérôme Boateng würde wieder auf die Position des Rechtsverteidigers rücken.

Dass Philipp Lahm nach hinten rückt, bleibt unwahrscheinlich. Auch wenn Köpke und Löw in den Vortagen den Eindruck erweckt haben, dass sie über eine Rochade ihres Kapitäns aus dem Mittelfeld nach rechts hinten zumindest wieder nachdenken. "Entscheidungen sind ja nicht in Stein gemeißelt", hat Löw gesagt und angefügt: "Man wird morgen sehr schnell erkennen, wo er spielen wird."

Toni Kroos, der seinen Platz im offensiven Mittelfeld sicher haben dürfte, versteht die Frage ohnehin nicht: "Der Philipp kann beide Positionen überragend ausfüllen." Von daher sei es "fast egal", wo er spiele. Das sieht auch der andere Mann der Woche so. Manuel Neuer kommentierte lediglich: "Um Philipp Lahm muss sich wirklich niemand Sorgen machen."

Die voraussichtliche deutsche Aufstellung
Neuer - J. Boateng, Mertesacker, Hummels, Höwedes - Lahm, Schweinsteiger - Kroos, Özil, Schürrle - Müller

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