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04. Juli 2014, 07:25 Uhr

Löw vor Deutschland gegen Frankreich

"Ich bin völlig tiefenentspannt"

Joachim Löw geht zuversichtlich in das WM-Viertelfinale gegen Frankreich: "Wir werden unter die letzten Vier kommen", sagt der Bundestrainer.

Hamburg - Bundestrainer Joachim Löw hat eine Menge Kritik ertragen müssen in den vergangenen Tagen. Im Achtelfinale gegen Algerien hatte die deutsche Mannschaft unerwartet große Probleme. Hinten musste Torhüter Manuel Neuer als Libero aushelfen, und vorne trafen seine Spieler das Tor nicht. Dass die Partie gegen den Außenseiter aus Nordafrika erst in der Verlängerung gewonnen wurde, werteten Fans und Medien übereinstimmend als Enttäuschung.

Und dann ist da noch die leidige Frage, was Löw denn mit Kapitän Philipp Lahm machen solle: Ins Mittelfeld stellen wie bisher bei dieser WM? Oder doch rechts in die Abwehr wie gegen Algerien nach der Verletzung von Shkodran Mustafi?

Löw selbst machen diese Debatten offenbar nichts aus. Bei der Pressekonferenz vor dem Viertelfinale gegen Frankreich am Freitag (18 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ARD) sagte er: "Ich bin völlig tiefenentspannt, das können sie mir abnehmen. Wir sind unter den letzten Acht, und wir werden morgen unter die letzten Vier kommen, und dann sehen wir weiter."

Mit Ausnahme von Mustafi meldeten sich alle Spieler aus dem 23er-Kader fit. Befürchtungen, dass zuvor leicht grippekranke Akteure wie Mats Hummels und Christoph Kramer ausfallen könnten, bestätigten sich nicht. "Hummels kann auf jeden Fall auflaufen. Sein Zustand hat sich verbessert", sagte Löw - solche Nachrichten dürften zur tiefen Entspanntheit des Bundestrainers beitragen.

"Ein WM-Spiel ist kein Computerspiel"

In der Lahm-Frage lieferte die Pressekonferenz im Maracanã-Stadion, dem Spielort des Viertelfinalspiels gegen Frankreich, keine neuen Erkenntnisse. "Es gibt nie Entscheidungen, die für ewig zementiert sind", sagte Löw. Man werde am Freitag "sehr schnell sehen, wo er spielt". Ein Einsatz von Lahm auf der rechten Abwehrseite ist also zumindest vorstellbar. Sollte der Profi des FC Bayern München nach hinten rutschen, hätte das weitreichende Folgen für die Aufstellung der Nationalmannschaft.

Jérôme Boateng würde in der Viererkette wohl auf der linken Seite für den nicht überzeugenden Benedikt Höwedes verteidigen. In der Innenverteidigung sind Per Mertesacker und der wiedergenesene Hummels gesetzt. Vor der Abwehr könnten bei Lahms Versetzung Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira analog zu den Turnieren 2010 und 2012 agieren. Beide seien "im Vollbesitz ihrer Kräfte", versicherte Löw.

Sollte er sich entscheiden, Lahm im Mittelfeld zu belassen, würde diesmal wohl Khedira den Vorzug vor Schweinsteiger erhalten. In der Abwehr würde dann Boateng rechts spielen und Höwedes links bleiben.

In der Offensive könnte André Schürrle für den enttäuschenden Mario Götze auf der linken Seite beginnen, Toni Kroos in der Zentrale. An Mesut Özil wird der Bundestrainer trotz dessen nicht herausragender Leistungen wohl festhalten. Ganz vorne startet Thomas Müller. Miroslav Klose bliebe wieder nur ein Platz auf der Bank.

So oder so: Es gibt keine Garantie dafür, wie das Spiel gegen Frankreich verläuft. "Ein Spiel bei der WM ist kein Computerspiel, das so einfach zu berechnen ist", sagte Bundestrainer Löw. Einen entspannten Eindruck will er dennoch machen.

buc/dpa/sid

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