Deutschlands 7:0-Sieg gegen Gibraltar An den Details muss Löw noch feilen

Eine Hälfte schlecht, eine Hälfte gut - gegen Gibraltar reichte das der deutschen Nationalmannschaft zu sieben Toren. Bastian Schweinsteiger schien gedanklich noch um Urlaub, Bundestrainer Joachim Löw nutzte die Partie zur Maniküre.
Co-Trainer Thomas Schneider, Joachim Löw: Zu Gast in Faro

Co-Trainer Thomas Schneider, Joachim Löw: Zu Gast in Faro

Foto: Arne Dedert/ dpa

Die Ausgangslage: Deutschland lag schon vor dem sechsten Spieltag einen Punkt hinter Polen, das dann auch noch 4:0 gegen Georgien gewann. Es mussten also Punkte her, da kam Gibraltar, die Mutter aller Außenseiter und natürlich Tabellenletzter, doch genau richtig - oder?

Ergebnis: 7:0 (1:0) für Deutschland, mit Betonung auf den Halbzeitstand.

Die erste Hälfte: Klar, Deutschland hatte mehr Ballbesitz, aber gefährlich wurde die DFB-Elf erstmal nicht. Stattdessen probierte Gibraltar einfach mal aus, was gegen den Weltmeister so möglich war. In Zahlen waren das nach 20 Minuten drei gefährliche Torschüsse. Bastian Schweinsteiger vergab einen Foulelfmeter, ehe André Schürrle doch noch das 1:0 gelang. Mesut Özil und Patrick Herrmann hätten noch erhöhen können, doch Özil scheiterte an der eigenen Schludrigkeit und Herrmann am großartig parierenden Jordan Perez.

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Sieg gegen Gibraltar: Torflut in der zweiten Halbzeit

Foto: Francisco Seco/ AP/dpa

Die zweite Hälfte: Was immer es zum vielbemühten "Pausentee" auch gegeben hatte - es wirkte. Der für den angeschlagenen Mario Götze eingewechselte Max Kruse traf zum 2:0, Ilkay Gündogan zum 3:0 und Karim Bellarabi mit seinem ersten Länderspieltor zum 4:0 - alles innerhalb von nur zwölf Minuten. Schürrle traf noch zweimal, Kruse noch einmal zum 7:0-Sieg.

Resturlauber des Spiels: Die vergangenen Wochen hatte Bastian Schweinsteiger im Urlaub verbracht, unter anderem bei den French Open, wo er seine Freundin Ana Ivanovic auf ihrem Weg bis ins Halbfinale unterstützte. Der Wechsel vom Sandplatz auf den Rasen scheint Schweinsteiger noch etwas Mühe zu machen. Beim Elfmeter beschäftigte ihn womöglich die Erinnerung an seinen bisher letzten im verlorenen "Finale dahoam" 2012 gegen Chelsea. Auch ansonsten wirkte der Kapitän mehrmals nicht ganz bei der Sache.

Fan des Spiels: Eine der schwersten Aufgaben für Joachim Löw besteht darin, seine aus dem Kurzurlaub zurückgekehrten Nationalspieler für Partien wie diese zu motivieren. Wären doch alle so begeisterungsfähig wie Marco Hagemann! Der RTL-Kommentator war von Beginn an engagiert, als liefe die WM noch immer. "Was für ein Spiel", rief Hagemann nach der ersten Halbchance für Gibraltar und legte noch nach: "Hier werden Helden geboren." Held der Arbeit war jedenfalls ganz klar Hagemann.

Fingerübung des Spiels: Die erste Hälfte war schon reichlich schlecht gewesen, hatte sie gar körperliche Spuren beim Bundestrainer hinterlassen? Wir wissen nicht, ob Joachim Löw vor Nervosität an seinen Nägel kaute, aber nach dem 4:0 für seine Mannschaft widmete er sich der Maniküre mutmaßlich unter Zuhilfenahme einer Nagelfeile. Eine ungewöhnliche Szene, aber auch eine typische für Löw, den Profi: Seit Jahren wirbt er für Kosmetikprodukte, gepflegtes Auftreten gehört also zu seinen Pflichten.

Fazit des Spiels: Eine lange Nach-WM-Saison steckte den Nationalspielern in den Knochen, die erste Hälfte zeigte das überdeutlich. Dann, nach laut Löw "überdeutlichen Worten" in der Pause, kam die Spielfreude und damit die Tore. Jetzt geht es endgültig für die DFB-Kicker in den Urlaub, das nächste Länderspiel steht am 4. September gegen Polen an.

Gibraltar - Deutschland 0:7 (0:1)
0:1 Schürrle (28.)
0:2 Kruse (47.)
0:3 Gündogan (51.)
0:4 Bellarabi (57.)
0:5 Schürrle (65.)
0:6 Schürrle (71.)
0:7 Kruse (81.)
Gibraltar: Perez - Garcia, Roy Chipolina, Ryan Casciaro, Joseph Chipolina - Gosling, Walker, Payas (ab 83. Sergeant), Kyle Casciaro (ab 78. Bosio) - Lee Casciaro - Priestley (ab 61. Coombes)
Deutschland: Weidenfeller, Rudy, Boateng, Hector - Schweinsteiger - Herrmann (ab 56. Minute Podolski), Özil, Gündogan (ab 67. Khedira), Bellarabi - Götze (ab 36. Kruse), Schürrle
Schiedsrichter: Clayton Pisani (Malta)
Zuschauer: 7464
Gelbe Karten: Joseph Chipolina, Lee Casciaro

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