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DFB-Sieg gegen Irland Die deutsche Raupe Nimmersatt

Das war ein souveräner Sieg: Das DFB-Team hat sich gegen Irland die WM-Teilnahme gesichert. Die Partie bot viele glänzende Momente, es war das 31. Qualifikationsspiel in Folge ohne Niederlage. Doch in einem Punkt hat sich Trainer Löw taktisch verkalkuliert.

Auch für einen altgedienten DFB-Nationalspieler wie Philipp Lahm hält das Fußballerleben immer noch Neues parat. "Ich war noch nie in Brasilien, ich bin sehr gespannt auf das Land", sagte der Mannschaftskapitän. Der 3:0-Erfolg über Irland in Köln eröffnet ihm jetzt die Gelegenheit, diese Lücke zu schließen. Mit diesem souveränen Sieg ist die Qualifikation für das WM-Turnier in Südamerika geschafft, und Lahm hatte einen gehörigen Anteil daran.

Seit Wochen ist über die Rolle des Mannschaftskapitäns in der Nationalmannschaft intensiv debattiert worden. Soll er Außenverteidiger bleiben, wie er es seit Jahren war und wie es Bundestrainer Joachim Löw bevorzugt, soll er lieber im Mittelfeld agieren, wo er zuletzt im Verein unter Josep Guardiola tätig war? Lahm machte gegen die Iren einfach das Beste aus beiden Welten. Als Außenverteidiger "war er fast bei jedem Angriff beteiligt", wie der Bundestrainer nach Abpfiff lobte. Und wenn es ihm angemessen erschien, zog der Bayern-Profi auch mal in die Zentrale - wie beim 1:0 in der 12. Minute, das er mit einem Musterpass auf Sami Khedira vorbereitete.

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WM-Qualifikation: Drei Tore für den Zuckerhut

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Apropos Musterpass: Damit machte sich neben Lahm auch dessen Vereinskollege Toni Kroos um die Nationalelf verdient. Seine Vorbereitung zum 2:0, vollendet von André Schürrle (58. Minute), war fast allein das Eintrittsgeld an diesem verregneten Fußballabend wert. Neben den vielgerühmten Gesängen der unermüdlichen irischen Fans selbstverständlich. Und neben der Gewissheit, dass eine deutsche Fußball-Nationalmannschaft doch noch dreimal nacheinander zu null spielen kann - einigen Wacklern bei den seltenen irischen Angriffsbemühungen zum Trotz.

"Ich kann verstehen, wenn sich der Gegner gegen uns verschanzt"

"Die Mannschaft hat ihre Pflicht erfüllt", hat Löw anschließend bilanziert. Aber das Wort Pflichterfüllung trägt eine gewisse Freudlosigkeit in sich. und die entsprach nicht wirklich dem, was die DFB-Profis zuvor auf dem Rasen gezeigt hatten. Da war die unbedingte Bereitschaft zu spüren gewesen, dieses Spiel und diesen Gegner von Beginn an zu beherrschen. Entsprechend einseitig gestaltete sich die Partie über weite Strecken. "Es war schon reichlich mühsam, gegen ein so defensiv eingestelltes Team zu spielen", so Angreifer Thomas Müller, "aber ich kann es auch verstehen, wenn sich eine Mannschaft gegen uns verschanzt."

Eine Herausforderung, bei der sich die deutschen Offensivkräfte trotz der frühen Führung schwertaten. "Die Lücken gegen solche defensiven Teams musst du auch erst einmal finden", sagte Bastian Schweinsteiger, der nach Monaten wieder erstmals bei der Nationalmannschaft mitwirkte und dem man die Anlaufschwierigkeiten anmerkte. Aber er war nicht der Einzige, der an diesem Abend nicht rundum glücklich wirkte.

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DFB-Einzelkritik: Neuer fahrig, Özil verloren

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Das traf besonders auf Mesut Özil zu, den Löw in die Sturmmitte beordert hatte und der dort teilweise wie im Niemandsland agierte. Der Neu-Londoner ist eben eher Passgeber als Passnehmer. Seine großen Möglichkeiten vermochte er als vorderste Kraft im Sturm jedenfalls nicht auszuspielen. Und es war wohl kein Zufall, dass Özils Tor zum 3:0-Abschluss erst fiel, nachdem er sich durch die Einwechslung von Stürmer Max Kruse weiter zurückfallen lassen durfte. "Es war für mich ein Experiment, es war gut, ihn mal so zu sehen", hielt sich auch Löw in der Bewertung deutlich zurück. Der Trainer merkte wohl selbst, dass ihm damit kein genialer taktischer Schachzug gelungen war.

Schürrle wurde vom Bundestrainer gekitzelt

Dafür sprangen andere in die Bresche. André Schürrle zum Beispiel, der sich für sein "immenses Laufpensum" (Löw) mit dem zweiten Tor selbst belohnte und anschließend geradezu sprudelte vor Euphorie: "Im Moment läuft es bei mir einfach wunderbar, im Verein und jetzt auch in der Nationalmannschaft." Dafür hatte es allerdings auch einer strengeren Ansprache Löws im Vorfeld bedurft, er habe Schürrle "deutlich gemacht, dass bei ihm mehr kommen muss". Zuletzt habe der Chelsea-Profi seine Qualitäten im DFB-Trikot nicht ausreichend gezeigt. Die Strafpredigt hat Wirkung gezeigt.

Deutschland ist also bei der WM dabei, mit dem Sieg gegen die Iren schraubt sich die Bilanz auf nunmehr 31 ungeschlagene Qualifikationsspiele in Serie. Seit 1954 hat sich Deutschland für jede WM qualifiziert, das hat nur Brasilien geschafft. Beeindruckende Zahlen. Aber satt ist man beim DFB immer noch nicht. Am kommenden Dienstag spielt Löws Elf das sportlich nun unbedeutende Match bei den Schweden, und der DFB-Präsident Wolfgang Niersbach erinnerte schon vorsorglich daran, dass Deutschland in der WM-Qualifikation "auswärts noch nie ein Qualifikationsspiel verloren hat", um anzufügen: "Das soll auch so bleiben."

Deutschland - Irland 3:0 (1:0)
1:0 Khedira (12.)
2:0 Schürrle (58.)
3:0 Özil (90.+1)
Deutschland: Neuer - Lahm, Mertesacker, Boateng, Jansen - Khedira (ab 82. Kruse), Schweinsteiger - Müller (ab 88. Sam), Kroos, Schürrle (ab 86. Götze) - Özil
Irland: Forde - Coleman, Clark, Delaney, Kelly - Gibson, Wilson - Whelan, McCarthy, Doyle - Stokes
Schiedsrichter: Gumienny (Belgien)
Zuschauer: 46.237 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Khedira (2) - Stokes

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