DFB-Team gegen Italien in der Einzelkritik Werner erst hibbelig, dann kaltschnäuzig – Gündoğan mit Chef-Ambitionen

Manuel Neuer zeigte, warum er immer spielen will. Niklas Süle agierte wechselhaft, Joshua Kimmich dafür umso umsichtiger. Und die offensiven Sorgenkinder Timo Werner und Leroy Sané durften sich austoben.
Aus Mönchengladbach berichtet Marcus Krämer
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Manuel Neuer (Torwart): viertes Nations-League-Spiel, vierter Einsatz für den Kapitän. Neuer hatte schon am Tag vor dem Spiel gegen Italien klargemacht, im Hinblick auf Katar auf keinerlei Einsätze verzichten zu wollen. Der Bundestrainer folgt ihm, daran ändert auch die starke Form von Kevin Trapp nichts. Und Neuer zeigte einmal mehr, dass er zu den besten Torhütern der Welt gehört. Bei der Großchance von Giacomo Raspadori rettete er mit einer Mischung aus Stellungsspiel und Reflex (8. Minute), beim Rückpass von Süle ließ der den anstürmenden Raspadori mit seiner Technik ins Leere laufen (29.). In der zweiten Hälfte ging ein Raunen durchs Stadion, weil Neuer erneut auf der Linie gegen den aus kurzer Distanz abschließenden Barella parierte, allerdings hätte das Tor wegen einer Abseitsstellung nicht gegolten (57.).

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Lukas Klostermann (Verteidigung): Asymmetrische Außenverteidigerpärchen sind im Fußball mittlerweile weitverbreitet. Dem Leipziger fällt dabei meist die defensive Rolle zu, so auch an diesem Abend in Mönchengladbach. Während David Raum auf der linken Seite oft als Stürmer agierte, blieb Klostermann meist an der Seite von Rüdiger und Süle in der Abwehr. Doch bisweilen wagte er sich doch vor – und dann stößt Klostermann technisch an seine Grenzen. Insgesamt dennoch ein solider Auftritt. Mehr darf man von ihm einfach nicht erwarten.

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Antonio Rüdiger (Verteidigung): Wie Nebenmann Niklas Süle spielte auch Rüdiger den einen oder anderen starken Pass über 40, 50 Meter in die gegnerische Hälfte. Nach einer Ecke von Kimmich köpfte der Innenverteidiger knapp am Tor vorbei (15.). Rüdiger ist der Chef in dieser Abwehr, egal ob Dreier- oder Viererkette, egal ob Süle oder Nico Schlotterbeck (der diesmal gesperrt fehlte) neben ihm spielt. Diese Rolle füllt Rüdiger auch deshalb aus, weil er am Ende dieser langen Saison keinen Sprint und keinen Körpereinsatz scheute.

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Niklas Süle (Verteidigung, bis 87. Minute): In der Anfangsphase entwischte dem Neu-Dortmunder Angreifer Raspadori, Italien wäre fast in Führung gegangen (8.). Nur zwei Minuten später öffnete Süle das Spiel mit einem Diagonalpass auf Werner, im Anschluss fiel das 1:0 durch Kimmich. In diesem Spannungsfeld bewegen sich derzeit Deutschlands Innenverteidiger: stark im Spielaufbau, mit Unkonzentriertheiten im eigentlichen Aufgabengebiet. Im weiteren Spielverlauf unterliefen Süle noch ein, zwei Fehler im Stellungsspiel, das sollte mit regelmäßiger Spielpraxis in Dortmund wieder besser werden.

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Jonathan Tah (Verteidigung, ab 87. Minute, Archivbild): In der Rangliste der Innenverteidiger ist der Leverkusener weit abgeschlagen auf Platz fünf oder sechs. Zum Saisonabschluss schenkte ihm Flick ein paar Spielminuten.

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David Raum (Verteidigung): Auch der zweite Außenverteidiger zeigte eine wenig überraschende Leistung. Mit den Stärken in der Offensive kann Raum jede Mannschaft bereichern, die Vorlage zum 1:0 von Kimmich war von großer Übersicht geprägt. Außenverteidiger gehört aber nun mal zu den anspruchsvollsten Positionen, weil Abwehrarbeit mindestens genauso wichtig ist wie ein gutes Offensivspiel. Zu Beginn der zweiten Hälfte unterliefen Raum unter Druck zwei Abspielfehler, hier muss er sich weiter verbessern. An der Vorbereitung des dritten Treffers war der Hoffenheimer dann wieder beteiligt.

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İlkay Gündoğan (Mittelfeld, bis 88. Minute): Jeder Fußballfan weiß, zu welch großartigen Leistungen Gündoğan fähig ist. Das zeigt er aber vor allem im Trikot von Manchester City, in der Nationalelf fielen seine Leistungen in der Vergangenheit oft ab. Nicht so an diesem Abend gegen Italien. Im Gespann mit Kimmich, der seine defensivere Rolle annahm, war Gündoğan der Chef im deutschen Mittelfeld. Mal bot er sich tief an, mal suchte er den Weg in die Spitze, Gündoğan spielte viele kluge Pässe. Er krönte seine starke Leistung mit dem verwandelten Elfmeter zum 2:0 (45.+1).

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Anton Stach (Mittelfeld, ab 88. Minute, Archivbild): Der Mainzer kann froh sein, nach seiner Debütsaison in der Bundesliga dabei zu sein. Dieser Kurzeinsatz war eine abschließende Belohnung des Bundestrainers.

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Joshua Kimmich (Mittelfeld): Womöglich ist es seiner langen DFB-Pause mit vier verpassten Länderspielen im November und März geschuldet, aber Kimmich ist der einzige Profi neben Neuer, dem Flick nun in der Nations League keine Pause gönnte. Es zahlte sich früh aus, Kimmich rückte in der zehnten Minute klug in den Strafraum auf, bekam den Querpass von Raum und schob zur Führung ein. Nach seinem Treffer war Kimmich vor allem als Arbeiter und Zweikämpfer im defensiven Mittelfeld gefordert, diese Rolle füllte er gut aus.

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Jonas Hofmann (Mittelfeld, bis 64. Minute): Heimspiel für den einzigen Mönchengladbacher im Kader. Er war mit seinen Toren gegen England und Ungarn schon vorab ein Gewinner dieser Länderspielserie. In seinem Stadion durfte Hofmann erneut in der offensiven Dreierreihe beginnen. In der ersten Hälfte startete der Spätberufene mehrmals in den Rücken der Abwehr, wurde aber nicht angespielt. Nach einer guten Kombination über Sané und Werner bekam Hofmann die große Chance zum nächsten Treffer, doch Gianluigi Donnarumma hielt stark (33.). In der Nachspielzeit der ersten Hälfte holte er den Elfmeter zum 2:0 heraus.

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Serge Gnabry (Mittelfeld, ab 64. Minute): Wenn Einwechselspieler doch immer so schnell und effektiv funktionieren würden. Gnabry war gerade mal vier Minuten auf dem Platz, als er auf links einlief, von Müller gesucht wurde und Werner das 4:0 auflegte (68.). Die italienische Abwehr war im folgenden Angriff noch unsortiert, als Gnabry einen Pass von Donnarumma abfing und erneut Torschütze Werner bediente (69.).

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Thomas Müller (Mittelfeld, bis 75. Minute): Der Münchner gehörte in der guten Anfangsphase des DFB-Teams zu den Aktivposten. Müller bewegte sich viel, forderte die Bälle, dirigierte seine Nebenleute in der Offensive und hatte kluge Ideen. Dabei überzeugte er zunächst weniger im Abschluss, vielmehr als Vorbereiter, der Pass vor dem Schuss von Leroy Sané hätte etwas mehr Genauigkeit im Abschluss verdient gehabt (39.). Doch nach der Pause war es Müller, der die Drangphase der italienischen Nationalmannschaft mit seinem Tor zum 3:0 beendete (51.) und mit einem Chip auf Gnabry den vierten Treffer mit vorbereitete.

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Jamal Musiala (Mittelfeld, ab 75. Minute): Der Jungstar des FC Bayern bringt vieles mit, was ansonsten in diesem DFB-Kader fehlt. In den 15 Minuten gegen Italien war das Spiel jedoch schon gelaufen und kein Dribbling mehr nötig.

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Leroy Sané: Die erste gute Aktion des in die Startelf zurückgekehrten Sané vereinte Hoffnung und Tadel, wie so oft in den vergangenen Monaten. Sané wurde im Mittelfeld wunderbar freigespielt, er hatte sehr viel Rasen vor sich. Doch der 26-Jährige zögerte, nutzte seine Schnelligkeit nicht. Mit etwas Glück landete der Ball auf dem rechten Fuß, Sanés Flachschuss ging knapp links am Tor vorbei. Auch wenn nicht alles gelang: Den Schwung aus diesem Spiel sollte er mit in die Sommerpause und in die neue Saison nehmen. Donnarumma parierte Sanés unplatzierten Schuss (39.), wenige Sekunden später spielte er Werner in einer Kontersituation frei (40.). Auch in der zweiten Hälfte war Sané an vielen Offensivaktionen beteiligt, ein erlösender Treffer wollte ihm aber nicht gelingen.

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Timo Werner (Angriff, bis 75. Minute): Startelf, Einwechselspieler, Startelf, Startelf – so sieht Werners Bilanz in diesem Nations-League-Quadrupel aus. Der 26-Jährige ist Flicks Stürmer Nummer eins. Um sein massiv gelittenes Selbstvertrauen unter Beweis zu stellen, brauchte Werner gerade mal 20 Sekunden. Ein starkes Zuspiel von Müller hinter die Abwehrkette machte er mit einem hibbeligen ersten Kontakt zunichte. Zum Abschluss kam Werner nicht, der anschließende Rückpass misslang auch. Noch ein Beweis? Erneut wurde Werner gut freigespielt (dort hinzulaufen, gehört natürlich auch zu guter Stürmerarbeit), das Dribbling misslang, und die geblockte Flanke traf Werners Schienbein, von dort ging der Ball ins Toraus. Es will dem Angreifer einfach nichts gelingen in diesen Tagen, auch nicht in der 40. Minute, als Donnarumma seinen Schuss abwehrte. Doch dieses Spiel hielt noch eine doppelte Versöhnung bereit: Werner traf zweimal (68./69.), so funktioniert Vertrauen à la Hansi Flick.

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Lukas Nmecha (Angriff, ab 75. Minute): Als Werner getroffen hatte, durfte der Wolfsburger aufs Feld. Viel mehr passierte in der Schlussphase jedoch nicht.

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Hansi Flick (Bundestrainer): Der Bundestrainer kehrte zur Viererkette zurück, wie vor elf Tagen beim 1:1 in Bologna. Doch das war nicht der Schlüssel für diesen klaren Sieg gegen Italien. Flick hatte es in den Tagen nach dem enttäuschenden Remis in Ungarn geschafft, sein Team zu kitzeln und die Bedeutung eines erfolgreichen Abschlusses zu vermitteln. Schon in den ersten Minuten war der Wille zu Abschlüssen, zu Tiefenläufen und zu Kombinationsfußball zu erkennen. Auf Experimente verzichtete Flick, die jungen Wilden wie Karim Adeyemi (diesmal gar nicht im Kader) oder Lukas Nmecha sind nicht näher an die Startelf herangerückt. In Richtung WM 2022 in Katar sind schon viele Ideen und Konstanten zu erkennen.

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