DFB-Sieg in der EM-Qualifikation Über außen in die Spur

Eine Hälfte lang war Deutschland auf Augenhöhe mit Nordirland. Dann drehte das DFB-Team auf. Der Schlüssel: die Außenbahnen - und Serge Gnabry.
DFB-Star Serge Gnabry: Ihm gehört die Zukunft

DFB-Star Serge Gnabry: Ihm gehört die Zukunft

Foto: Christian Charisius/ dpa

Moment des Spiels: Vorn selten gefährlich, hinten Schreckmomente - der deutschen Nationalmannschaft war anzumerken, was im EM-Qualifikationsspiel in Nordirland auf dem Spiel stand. Dann kam Marcel Halstenberg. Die 48. Minute, eine Flanke von rechts flog in den Strafraum und wurde in Richtung des Linksverteidigers verlängert. Der holte weit aus und traf den Ball volley - ein wunderbarer Treffer. Es war Halstenbergs erstes Länderspieltor, und egal, wie viele noch hinzukommen mögen - viel schönere wird der 27-Jährige wohl nicht erzielen.

Ergebnis: 2:0 (0:0) für Deutschland. Neben Halstenberg traf auch Serge Gnabry (Minute 90.+2). Hier geht es zum Spielbericht.

Und das bedeutet? Ruhe für Bundestrainer Joachim Löw. Nach der Niederlage gegen die Niederlande am vergangenen Freitag war das eigentlich Undenkbare denkbar geworden: dass die deutsche Mannschaft die Qualifikation für die EM 2020 verpasst. Der drohende Worst Case ist durch diesen Sieg unwahrscheinlicher geworden, Deutschland (12 Punkte) ist in seiner Gruppe Erster vor Nordirland (12) und den Niederlanden (9, ein Spiel weniger absolviert).

Fotostrecke

DFB-Sieg in Nordirland: Nach der Pause wurde es besser

Foto: Christian Charisius / DPA

Die erste Hälfte: Das Stadion eng, die Fans laut, der Gegner giftig - die deutsche Mannschaft fand nur schwer ins Spiel. Das Team schien überrascht vom hohen Pressing der Gastgeber. Sinnbildlich dafür war die siebte Minute, in der Toni Kroos tief in der eigenen Hälfte aggressiv angelaufen wurde und es nicht schaffte, den Ball zu klären. Der gelangte stattdessen zu Conor Washington, der an Manuel Neuer scheiterte.

Das nordirische Pressing führte zu vielen langen Bällen und noch mehr Zweikämpfen. Der technische Vorteil, den die DFB-Profis eigentlich haben, spielte kaum eine Rolle, Deutschland und Nordirland waren auf Augenhöhe. Am Ende hatten beide Teams je zwei Großchancen (zweimal Washington für Nordirland, Niklas Süle und Timo Werner für die Gäste).

Die zweite Hälfte: Lief aus deutscher Sicht viel besser. Weil Nordirland sein laufintensives Angriffspressing nicht durchziehen konnte und die Qualität der deutschen Mannschaft dadurch zur Geltung kam. Wenn Marco Reus, Julian Brandt und Gnabry miteinander kombinierten, sorgten sie für Momente zum Zungenschnalzen. Die Folge: ein klares Chancenplus für die Gäste, die nach dem frühen 1:0 so spielten, wie man das von einem DFB-Team in Nordirland erwarten darf. Stuart Dallas hatte nach Vorarbeit von Gavin Whyte eine Großchance zum Ausgleich (63.), es war die einzige für die Nordiren in Hälfte zwei.

Er ist die Zukunft: Viel wurde zuletzt geschrieben über Kai Havertz, 20, das Ausnahmetalent von Bayer Leverkusen. Gegen Nordirland wurde Havertz eingewechselt und bereitete sogar das 2:0 vor. Über den Torschützen selbst wird weniger geschrieben, dabei ist Gnabry, 24, in der Post-WM-Ära Deutschlands Schlüsselspieler. In nun zehn Länderspielen war der Bayern-Profi an elf Treffern direkt beteiligt. Gegen Nordirland übernahm er auch in tieferen Räumen Verantwortung, für das deutsche Spiel wird er immer wichtiger.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Außenbahn: frei. Als das DFB-Team 2014 Weltmeister wurde, gelang das mit Innenverteidigern auf den Außen. In den Jahren danach schoben die Außenverteidiger weit nach vorn, spielten wie verkappte Flügelstürmer. Gegen Nordirland interpretierten Halstenberg links und Lukas Klostermann rechts ihre Positionen ganz anders.

Vor ihnen rückten Brandt und Gnabry immer wieder ins Zentrum, oft begleitet von ihren Gegenspielern. So machten sie die Außenbahn frei. In diese Räume spielte das DFB-Team gezielt Bälle in den Lauf der schnellen Leipziger Verteidiger. Insgesamt waren sie an sieben Abschlüssen direkt beteiligt. Highlight war das 1:0, als Klostermann Halstenbergs Tor auflegte.

Nordirland - Deutschland 0:2 (0:0)
0:1 Halstenberg (48.)
0:2 Gnabry (90.+2)
Nordirland: Peacock-Farrell - Dallas, Cathcart, Jonny Evans, Lewis - McNair, Davis, Saville (ab 70. Magennis) - Corry Evans, Washington (ab 83. Lavery), McGinn (ab 59. Whyte)
Deutschland: Neuer - Klostermann, Ginter (ab 40. Tah), Süle, Halstenberg - Kimmich, Kroos - Reus (ab 85. Can) - Werner (ab 68. Havertz), Gnabry, Brandt
Schiedsrichter: Daniele Orsato (Italien)
Zuschauer: 18.104 (ausverkauft)
Gelbe Karten: McNair, Saville - Gnabry