DFB-Sieg gegen San Marino Noch sechsmal schlafen bis zur Bundesliga

Deutschland hat in der WM-Qualifikation keine Gegner: Auch San Marino war nur ein Trainingspartner. Neuling Serge Gnabry überzeugte, Miroslav Klose debütierte in ungewohnter Rolle. Alles Wichtige zum Spiel.

DFB-Elf jubelt
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Die Ausgangslage: Sie sind Lagerarbeiter oder Steuerberater, die Auswahl San Marinos besteht aus einem Haufen Hobbyfußballern, der fast nur in seiner Freizeit zum Trainieren kommt. Die Frage war also nur, ob der Sieg der DFB-Elf beim 201. der Fifa-Weltrangliste zweistellig ausfällt. Im Jahr 2006 klappte das beim 13:0. Zuletzt kassierte der ewige Außenseiter aber seltener solche Klatschen. Und dass der vierte Auftritt Deutschlands in der WM-Qualifikation eher Testspielcharakter hatte, deutete die Aufstellung an: Benjamin Henrichs von Bayer Leverkusen und Bremens Serge Gnabry feierten ihre Premiere.

Die Startaufstellungen:

San Marino: Aldo Simoncini - Palazzi, Cesarini, Davide Simoncini, Fabio Vitaioli - Filippo Berardi - Zafferani, Gasperoni, Tosi, Matteo Vitaioli - Stefanelli

Deutschland: ter Stegen - Henrichs, Kimmich, Hummels, Hector - Khedira, Gündogan - Müller, Götze, Gnabry - Gomez

Ergebnis: Fast zweistellig. 0:8 (0:3). Hier geht es zum Spielbericht.

Die erste Hälfte: Die Fünferkette San Marinos hielt sieben Minuten. Dann traf Sami Khedira nach Vorarbeit von Ilkay Gündogan zum 1:0. Als zwei Minuten später Gnabry erhöhte, gingen bereits die ersten Hochrechnungen los. Zwei Tore nach neun Minuten müssten bei gleichbleibenden Verlauf 20 Treffer nach 90 Minuten ergeben - so die Prognose. Prognosen? Sind spätestens seit vergangenem Mittwoch ziemlich unpopulär. Und ganz so einfach war es auch nicht: San Marino machte die Räume eng und die Löw-Elf spielte sich oft unnötig mit Einzelaktionen fest. Das 3:0 durch Jonas Hector war der letzte Treffer vor der Pause (32. Minute). Bei den Hausherren sorgte immerhin ein ziemlich missglückter Abschluss des frei stehenden Henrichs (22.) für etwas Erheiterung.

Die zweite Hälfte: Fast immer war der Ausgangspunkt des deutschen Offensivspiels Gündogan. Ein beliebtes Mittel waren Pässe über die dichte Abwehrkette. Tore fielen schließlich auch: Gnabry (58./76.), Hector (65.) und Kevin Volland (85.) machten den Erfolg perfekt, ein Eigentor (82.) sorgte für das zwischenzeitliche 0:7. Nach zuletzt "knappen" Quali-Pleiten (1:4, 0:4, 0:1) endete die Partie diesmal deutlich für San Marino. Immerhin: Die meisten Spieler haben Samstag frei.

Lehrling des Spiels: War Miroslav Klose, allerdings nicht mehr in der Rolle des Torjägers, sondern als Praktikant. Der 38 Jahre alte Ex-Profi hat beim DFB seine Trainerlehre begonnen und ist jetzt so was wie der zweieinhalbte Assistent des Bundestrainers neben Thomas Schneider und Marcus Sorg. Der eher schweigsame Klose irgendwann als Chefcoach? Für manche mag das schwer vorstellbar sein. Möglicherweise hatte der einstige Bremen-Stürmer aber schon wertvolle Tipps für Werders neuen Hoffnungsträger Gnabry parat: Der Debütant schoss nach neun Minuten sein erstes Tor und erhöhte in der Folge sogar seine Trefferquote.

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Deutscher Kantersieg: Debütant auf Touren

Lehrling des Spiels II: Klose bald Trainer, Philipp Lahm vielleicht in naher Zukunft Sportchef bei Bayern München. Lahm, der lange Unersetzliche, dürfte sich mittlerweile im DFB-Team gut vertreten fühlen. Denn die Problemzonen hinten links und rechts sind keine mehr. Das liegt an Joshua Kimmich, der bereits bei der EM als Rechtsverteidiger einen guten Eindruck machte, und bald auch an Henrichs. Der 19-Jährige wirkte etwas überdreht, war aber mutig und dürfte auch künftig eine Chance erhalten. Und sonst gibt es noch Mitchell Weiser, der starke Berliner wartet allerdings auf seine erste Nominierung.

Erkenntnis des Spiels: 16:0 Tore, zwölf Punkte - Deutschland wird unbeirrt zur WM nach Russland marschieren. San Marinos Amateurkickern sei ein solches Highlight-Spiel gegen den Weltmeister gegönnt, den Fans auch die vielen Treffer, der Modus der Qualifikation ist aber fragwürdig. Ein bisschen mehr Aufregung bieten aktuell die Freundschaftsspiele des DFB, wie am kommenden Dienstag gegen Italien (20.45 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE). Hurra, ein Testspiel! Spannender wird es wohl erst wieder am kommenden Samstag: Dortmund gegen Bayern in der Bundesliga (18.30 Uhr).



insgesamt 24 Beiträge
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skon 11.11.2016
1.
Und schon wieder kein Muellertor. Langsam aber sicher muss man sich Sorgen um ihn machen.
neurologe 12.11.2016
2. Prognosen und Hochrechnungen
sind in der Tat unzuverlässig. Bei zwei Kasus-Fehlern in den ersten knapp 20 Zeilen fragt man sich auch bezüglich dieses Artikels, wie hoch die Fehlerquote am Ende wohl sein wird. Es folgte aber nur noch ein weiterer, SPIEGEL gegen basales grammatikalisches Handwerkszeug nur 0:3.
DMenakker 12.11.2016
3.
Was für eine arogante abstossende Art, den "kleinen" San Marinern diese Highlightspiele zwar immerhin irgenwie gönnerhaft zuzuschreiben, aber das Qualit System als solches, gerade wegen solcher Spiele in Frage zu stellen. sollen es künftig die starken unter sich ausmachen? Auch im Quali Modus gab es für die kampfstarken "Kleinen" schon die eine oder andere Überraschung. Und wo kamen denn die symphatischen Isländer oder Iren bei der letzten WM her? Aus dem Lostopf für die Fussballdiaspora oder haben die sich die Qualifikation gegen den einen oder anderen rotzarroganten "Großen" nicht redlich erkämpft? Nein, das lassen wir gerade mal so, wie es ist. Den Kleinen die Chance auf ihr absolutes Fussballhighlight und den Großen immerhin noch die chance sich mal so richtig zu blamieren.
peterregen 12.11.2016
4.
"Sie sind Lagerarbeiter oder Steuerberater, die Auswahl San Marinos besteht aus einem Haufen Hobbyfußballern, der fast nur in seiner Freizeit zum Trainieren kommt." Im Radio haben sie genau das Gegenteil behauptet. Fast alle Spieler seien inzwischen Profis und nur ein Teil hat noch einen Zweitjob um etwas Geld extra zu verdienen. Was stimmt denn nun?
peterregen 12.11.2016
5.
"Sie sind Lagerarbeiter oder Steuerberater, die Auswahl San Marinos besteht aus einem Haufen Hobbyfußballern, der fast nur in seiner Freizeit zum Trainieren kommt." Im Radio haben sie genau das Gegenteil behauptet. Fast alle Spieler seien inzwischen Profis und nur ein Teil hat noch einen Zweitjob um etwas Geld extra zu verdienen. Was stimmt denn nun?
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