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23. März 2018, 17:41 Uhr

Spaniens Sergio Ramos

Der vielleicht beste Verteidiger der Welt

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Er köpft, grätscht und ist auf dem Weg zur Legende: Sergio Ramos spielt seit mehr als 13 Jahren für Spanien. Gegen Deutschland feiert der Abwehrstar von Real Madrid ein imposantes Jubiläum.

Der Fußball der spanischen Nationalmannschaft hat sich in den vergangenen zehn Jahren immer wieder verändert, EM- und WM-Titel gingen nach Spanien, wichtige Spieler kamen und gingen. Sergio Ramos war immer dabei. Der Verteidiger wird in einer Woche 32 Jahre alt, der Profi von Real Madrid polarisiert wegen seiner kompromisslosen Spielweise. Auch im Länderspiel gegen Deutschland (20.45 Uhr, SPIEGEL ONLINE Liveticker) dürfte Ramos keine Blumen verteilen. Höchstens Veilchen.

Beeindruckende 24 Mal ist er in seiner Profikarriere bisher des Platzes verwiesen worden, übrigens nie im Nationaltrikot. Aber vielleicht wird selbst Ramos vor seinem kommenden Geburtstag ein wenig wehmütig. Vor 13 Jahren hat schließlich alles angefangen.

Mit einem Tor von Mateja Kezman für die Auswahl von Serbien und Montenegro war an diesem Märzabend des Jahres 2005 nicht mehr zu rechnen. In der 80. Minute nahm Serbiens Trainer seinen torgefährlichsten Angreifer vom Feld. Ein Grund für den wirkungslosen Auftritt des früheren PSV-Stürmers war Spaniens rechter Verteidiger.

149 Länderspiele später ist Ramos immer noch da

Der Jungspund mit den wehenden Haaren im Gesicht erledigte seine Aufgabe gegen Kezman und Co. unaufgeregt. Am Ende blieb es bei einem torlosen Remis. Es war ein für Spanien damals ordentliches Ergebnis beim hitzigen Auswärtsspiel vor 40.000 Zuschauern in Belgrad in der WM-Qualifikation. Die große Zeit des Teams war noch einige Jahre hin.

Seit dem 30. März 2005 sind 13 Jahre vergangen. Ramos trägt die Haare längst nicht mehr lang und wild. Und er verteidigt schon lange nicht mehr auf der rechten Seite, er gibt Kommandos aus der Abwehrmitte. Dort wurde Sergio Ramos zum vielleicht besten Verteidiger der Welt.

Am Abend wird der Abwehrspieler gegen die DFB-Auswahl sein 150. Länderspiel für Spanien bestreiten. Der Rekord vom ewigen Torwart Iker Casillias (167 Länderspiele) könnte bald fallen. Noch nicht bei der Weltmeisterschaft in Russland, dort will Ramos ohnehin erst einmal seinen zweiten WM-Titel nach 2010 gewinnen.

Aber: Ist Spanien bereit für den Titel? Die WM-Qualifikation jedenfalls verlief unter dem neuen Trainer Julen Lopetegui glänzend. Das Team feierte in zehn Spielen neun Siege, spielte einmal remis und konnte so frühzeitig mit den Planungen für Russland beginnen. Mit Andrés Iniesta als Taktgeber im Mittelfeld und Nachwuchsstars wie Marco Asensio verfügt Spanien weiter über eines der bestbesetzten Teams im Teilnehmerfeld.

Mit David De Gea von Manchester United hat die Auswahl auch wieder eine starke Nummer eins. Vor dem Torwart bilden Reals Daniel Carvajal sowie Gerard Piqué und Jordi Alba (beide FC Barcelona) an der Seite von Ramos eine eingespielte Stammabwehr von internationalem Top-Format. In der Qualifikation kassierte Spanien nur drei Gegentore. Eine beachtliche Quote, auch wenn diese durch Gruppengegner wie Mazedonien, Liechtenstein oder Albanien relativiert wird.

Was passiert mit Diego Costa?

Problemzonen gibt es auch. Offen ist die Frage nach dem Mittelstürmer. Und damit die nach Diego Costa. Der Angreifer von Atlético Madrid steht exemplarisch für das größte Debakel der vergangenen so erfolgreichen Jahre. Bei der WM 2014 scheiterte der damalige Weltmeister kläglich. Spaniens Nationaltrainer Vincente Del Bosque hatte vor vier Jahren mit Costa als Mittelstürmer ein Experiment gestartet, das schlimm endete.

Nicht nur, aber auch wegen des Fremdkörpers Costa fiel das spanische System in sich zusammen. Das Team verlor seine Auftaktpartie gegen die Niederlande 1:5, danach 0:2 gegen Chile - das vorzeitige WM-Aus war perfekt.

Geschlossen ist die Akte Costa nicht, auch nicht nach dessen Nichtberücksichtigung bei der EM 2016. Trainer Lopetegui hat den 29-Jährigen zurückgeholt. Costa dankte ihm: mit fünf Toren in fünf Qualifikationsspielen. Der Ex-Stürmer des FC Chelsea wird wahrscheinlich auch zur Startelf gegen Deutschland gehören.

Sergio Ramos wirkt nicht wie einer, der sich große Gedanken über die falsche Neun oder schnelles Umschaltspiel macht. Obwohl er über eine beeindruckend starke Technik verfügt, sieht sein Abwehrhandwerk mitunter erstaunlich altmodisch aus. Im Notfall besteht sein Spielaufbau darin, den Ball weit aus der eigenen Hälfte zu schlagen.

Geschadet hat er Sergio Ramos jedenfalls nicht. Wenn in den WM-Vorrundenspielen gegen Marokko, Iran und Portugal und in der K.-o.-Phase alles nach Plan für Ramos läuft, könnte er am 15. Juli sein 160. Länderspiel feiern. Dann findet das Finale der Fußball-WM statt.

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