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Paraguay vs. Spanien: Villa, Held beim Elfmeter-Verschießen

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Deutschland-Gegner Spanien Die Furie gewinnt an Wucht

Spaniens Sieg gegen Paraguay war hart erkämpft. Davon sollte sich Deutschland nicht täuschen lassen: Auch wenn der Motor manchmal stottert, funktioniert die Mannschaft, verliert nie den Überblick. Und im Halbfinale wird die "rote Furie" noch stärker sein.

Die Spanier mögen selten restlos überzeugt haben bei dieser Weltmeisterschaft. Aber sie haben schon jetzt einen historischen Erfolg errungen: Kaum zu glauben, Spanien steht zum ersten Mal in einem WM-Halbfinale. "Das ist ein großer Moment für den Fußball unseres Landes", sagte Trainer Vicente Del Bosque staatstragend nach dem 1:0 im Viertelfinale gegen Paraguay.

Man habe Geschichte geschrieben. Einmal zwar schafften es die Spanier schon unter die ersten Vier. Doch damals, 1950 in Brasilien, wurde keine K.o.-Runde ausgetragen, sondern der Weltmeister in Gruppenspielen ermittelt: Spanien spielte Remis gegen Weltmeister Uruguay, verlor gegen Schweden und Brasilien - und wurde Vierter. Das wäre den Spaniern, dem besten Team der vergangenen vier Jahre, diesmal zu wenig.

Sicher, die Spanier kombinieren selten mit der Leichtigkeit und Geschwindigkeit der Europameisterschaft 2008. Aber es sollte sich niemand täuschen: sie arbeiten, sie verlieren nicht den Überblick. Die Mannschaft funktioniert, auch wenn der Motor manchmal stottert. Sie erkämpft sich ihre Siege. Ein Spiel nach dem anderen, "partido por partido" wie David Villa sagte, der Schütze des entscheidenden Tores gegen Paraguay.

Als der Fluch gebrochen war und "La Furia Roja" (die rote Furie) endlich im Halbfinale stand, war die Erleichterung deutlich zu spüren. Vielleicht spielt Spanien nun befreiter auf. Andres Iniesta sprach von der "unbändigen Kraft unserer Mannschaft" und davon, "dass wir alle für das gleiche Ziel kämpfen und jeder sich für den anderen einsetzt". Diese Aussagen hätten von jedem deutschen Spieler stammen können. So unähnlich sind sie sich gar nicht, die Deutschen und die Spanier 2010. Sie sind Turniermannschaften.

Immer wieder suchte Iniesta das Dribbling

Auch Iniesta, der große kleine Künstler, muss sich seine schönen Momente schwer erarbeiten. Es war erstaunlich, wie viele technische Fehler ihm gegen Paraguay unterliefen. Doch immer und immer wieder suchte Iniesta das Dribbling, bis er endlich die Lücke fand. Um diese eine Aktion geht es, um den Pass, der ein Spiel entscheidet.

Gegen Paraguay aber wurde in der 83. Minute erst noch ein bisschen Pingpong gespielt, ehe der Ball im Netz zappelte: Iniesta an der Strafraumgrenze auf den eingewechselten Pedro, der trifft den linken Pfosten, der Ball prallt zu Villa, der trifft den rechten Pfosten, das Spielgerät hüpft zum linken Pfosten und - endlich ins Tornetz. Spanien war erlöst.

Kuriose Höhepunkte der Partie waren nach einer Stunde zwei verschossene Elfmeter binnen zwei Minuten gewesen: Erst scheiterte der untröstliche Oscar Cardozo für Paraguay an Iker Casillas. Dann traf Xabi Alonso für Spanien, der Strafstoß wurde wiederholt und Justo Villar parierte Alonsos zweiten Versuch.

"Stolz und zufrieden" dürfe man jetzt sein, sagte Iniesta, schließlich sei Paraguay ein unbequemer Gegner gewesen. "Jetzt denken wir an Deutschland. Die spielen bislang ein spektakuläres Turnier."

Das kann man von den Spaniern nicht gerade behaupten: Gegen die Schweiz (0:1) gelang trotz überlegenem Spiel kein Treffer. Gegen Honduras (2:0) und Chile (2:1) stellten sie alles in allem doch souverän die Qualifikation für das Achtelfinale sicher - allerdings ohne zu glänzen. Portugal (1:0) war eine große Hürde, und Spanien erzwang nach der Pause mit sich stetig steigerndem und die Geschwindigkeit erhöhendem Passspiel den Siegtreffer durch David Villa. Gegen Paraguay war das wieder weniger überzeugend. Gegen die Defensivkünstler aus Südamerika sei es "das schwierigste Spiel bisher gewesen", sagte David Villa, der mit fünf Treffern die Torschützenliste anführt. Auch Trainer Vicente del Bosque wollte die Leistung nicht beschönigen: "Wir haben nicht gut gespielt und nicht zu unserem Rhythmus gefunden."

"Es wird ein großes Duell gegen Deutschland"

In Kapstadt gibt es am Mittwoch (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) die gleiche Paarung wie im EM-Finale von 2008, in dem Spanien die Deutschen vorführte, es nur nicht vermochte, die Überlegenheit in Toren auszudrücken. So blieb es damals in Wien beim Treffer von Fernando Torres, der sich am Sonnabend in Johannesburg mit seiner schwachen Leistung aus dem Team gespielt haben dürfte.

Vicente del Bosque hielt zu lange an ihm fest. Anders als etwa Miroslav Klose fand Torres bei der WM nicht zu seiner Form. Cesc Fabregas, der gegen Paraguay für Torres eingewechselt wurde, wird im Halbfinale wohl beginnen. Spanien kann mit ihm nur stärker werden.

"Es wird ein großes Duell gegen Deutschland", sagte Vicente del Bosque, "das ist zurzeit die beste Mannschaft." Die Deutschen werden aufmerksam beobachtet haben, dass sich auf der linken spanischen Abwehrseite zwischen Joan Capdevilla und Carles Puyol immer wieder Lücken aufgetan haben, in die Paraguay mit einfachen Mitteln stoßen konnte, teilweise sogar schlichten langen Bällen. Man könnte sich Thomas Müller in jener Gegend vorstellen mit seinen Kurzsprints in die Lücke. Doch Müller fehlt im Halbfinale.

"Deutschland wird sich nicht auf Spanien freuen", glaubt David Villa. Wenn er sich da mal nicht täuscht.

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