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DFB-Sieg gegen Tschechien: Gomez? Wer?

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DFB-Sieg über Tschechien Glückwunsch zur WM-Teilnahme!

Mit dem 3:0 über Tschechien hat Deutschland seine Dominanz und seine Favoritenrolle in der WM-Qualifikation eindrucksvoll bestätigt. In der derzeitigen Form wird dieses Team von keinem Gruppengegner aufzuhalten sein.

Man müsste sich Karel Jarolim als einen bekümmerten Menschen vorstellen. Schließlich hatten seine Tschechen gerade eine 0:3-Packung vom deutschen Team erhalten. Aber statt großartig enttäuscht zu wirken, saß da ein ganz gelassener Mann auf dem Podium. Klar sei man nicht zufrieden mit dem Ergebnis, aber, mein Gott: "Es geht in dieser Gruppe ja doch nur um den zweiten Platz. Es ist ja gar keine Frage, wer am Ende Erster sein wird."

Man sollte der Weisheit eines älteren Herrn aus Tschechien vertrauen. Die DFB-Elf steht erst ganz am Anfang der Qualifikation, sie hat jetzt zwei von zehn Spielen absolviert. Aber nach den beiden 3:0-Erfolgen in Norwegen und in Hamburg gegen die Tschechen kann man jetzt schon zur WM-Teilnahme gratulieren. Diese deutsche Mannschaft ist so souverän, dass sie sich von keinem der Gruppengegner nur im Ansatz aus dem Konzept bringen lassen wird. Oliver Bierhoff darf ruhig schon einmal mit der Quartiersuche in den Weiten Russlands für 2018 beginnen.

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DFB-Team in der Einzelkritik: Helden in Strumpfhosen

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Immerhin war es der seit Tagen herbeigeredete vermeintlich schwerste Gruppengegner, der sich mit den Tschechen im ausverkauften Volksparkstadion vorstellte. Und der sich im Spiel dann als vollständig überfordert herausstellte. Die Elf von Bundestrainer Joachim Löw hatte die Schwächen der Gäste genau studiert, "wir wussten, dass wir ihre Abwehr mit langen diagonalen Pässen aufreißen können", sagte Löw. Und so machten sie es.

Punktgenaue Pässe über 50 Meter

Jérôme Boateng schlug seine Bälle aus der eigenen Verteidigung über 50 Meter punktgenau auf die Flügel, dort wo die Außenverteidiger Jonas Hector und Joshua Kimmich "ganz bewusst sehr hoch nah an der Abseitsgrenze standen", um die Vorgaben von Boateng oder Toni Kroos zu verarbeiten. Dazu bekämpfte die Mannschaft ihr einziges aktuelles Manko, die mangelnde Chancenverwertung, denkbar effektiv: Der erste Torschuss des Spiels war gleich das 1:0 durch Thomas Müller (13. Minute), die erste Chance der zweiten Hälfte erbrachte sogleich das 2:0 durch Kroos (48.).

Müller schloss mit seinem zweiten Treffer nach 65 Minuten den Deckel über der Partie und gleichzeitig über der Debatte um seine Torflaute. In der Liga hat Müller noch kein einziges Tor erzielt, in der Nationalelf sind es nach zwei Qualifikationsspielen schon wieder vier. "Der Thomas trifft bei uns seit 2010 quasi permanent - mit der einzigen Ausnahme der EM im Sommer. Aber das war nur eine Phase, wie sie jeder Torjäger mal hat", befand der Bundestrainer.

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Nach dem WM-Triumph von Rio vor zwei Jahren kam die Mannschaft anschließend nur schwergängig in die EM-Qualifikation. Das Top-Spiel in Polen ging verloren, im Hinspiel gegen die Iren quälte man sich zu einem Unentschieden. Lediglich vier Punkte nach drei Spielen standen auf dem Konto der Nationalmannschaft. Das sollte diesmal nicht passieren, und es passierte auch nicht. "Die Mannschaft wirkt derzeit sehr fokussiert", sagt Mats Hummels, der wie sein Nebenmann Boateng eine "überragend gute Partie" (Löw) absolviert hatte. "Es macht im Moment großen Spaß, in der Nationalelf zu spielen", sagte Hummels.

Özil nutzt seine neuen Freiheiten

Was auch daran liegt, dass Mesut Özil auf der von ihm so geschätzten Zehner-Position die Freiheiten, die er jetzt hat, weidlich ausnutzt. Der Arsenal-Spieler wirbelte über den Platz, drehte und wendete sich mit dem Ball und um die Gegenspieler, schlug einen Haken nach dem nächsten, bevor er wieder mit Tempo den Angriff einleitete und links und rechts seine Mitspieler mit Pässen fütterte.

Jeder weiß um Özils technische Fähigkeiten. Er kann mit dem Ball Dinge anstellen, zu denen selbst seine ebenfalls hochveranlagten Mitspieler nicht in der Lage sind. Bisher hat er diese Fähigkeiten allerdings nur bei ungefähr jedem zehnten seiner 82 Länderspiele so fruchtbringend eingesetzt wie am Samstag in Hamburg. Vielleicht ist es die neue Position, die ihm hilft, endlich Verlässlichkeit in seine Qualitäten zu bringen. Gerne dann auch mal im Halbfinale eines großen Turniers.

Wenn dann noch der wieder genesene Ilkay Gündogan zu alter Stärke findet, wenn Sami Khedira über lange Strecken fit bleibt, dann ist das deutsche Mittelfeld wieder das Prunkstück, das es zuletzt nicht mehr war.

Am Dienstag wartet Nordirland (20.45 Uhr Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: RTL), ein kampfstarker, aber spielerisch sehr überschaubarer Gegner, dann geht es zum Jahresabschluss nach San Marino. Alles spricht dafür, dass man das Weihnachtsfest mit zwölf von zwölf möglichen Punkten an der Tabellenspitze erreicht. Dann bleibt ein ganzes Jahr, um sich mehr oder weniger locker für die WM einzuspielen.

Und um Russisch zu lernen. Titelverteidiger heißt Chempion.