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Fußball-Nationalmannschaft Glanzloser Sieg in der EM-Generalprobe

Gewonnen, aber nicht überzeugt: Trotz sieben Bayern-Profis in der Startelf kam die deutsche Nationalmannschaft bei der EM-Generalprobe nur zu einem knappen Sieg über Israel. Das DFB-Team enttäuschte, spielte ohne Elan und scheint noch weit von der Top-Form entfernt.

Hamburg - Ein Erfolgserlebnis hatte sich Bundestrainer Joachim Löw bei der EM-Generalprobe gewünscht. Und darauf gehofft, dass es der Nationalmannschaft einen Schub geben würde, wenn man gegen Israel einen überzeugenden Sieg feiern würde. Das Spiel wurde zwar dank Treffern von Mario Gomez (40. Minute) und André Schürrle (82.) 2:0 (1:0) gewonnen, doch das DFB-Team enttäuschte. Von der Top-Form war Deutschland weit entfernt. Löw hat noch viel Arbeit vor sich.

"Es war eine ganz ordentliche Abschlussprüfung der Vorbereitung, und das wird uns etwas Rückenwind geben", sagte der 52-Jährige. Aber man habe auch gemerkt, dass noch nicht alles rund laufe.

Löw bot vor rund 43.000 Zuschauern in der Leipziger Arena gleich sieben Bayern-Profis von Beginn an auf. Die Münchner waren erst am Montag ins Trainingslager gekommen. Der Bundestrainer sagte aber vor der Partie, dass die Aufstellung keinerlei Rückschlüsse auf die Startelf beim EM-Auftakt am 9. Juni zulasse. Auch wenn vieles dafür spricht, dass gegen Portugal eine ähnliche Mannschaft beginnen wird.

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Testspiel gegen Israel: DFB-Team sucht nach der Top-Form

Foto: Dennis Grombkowski/ Bongarts/Getty Images

"Wir Bayern haben erst drei Tage mit der Mannschaft trainiert, da kann noch nicht alles hundertprozentig laufen", sagte Kapitän Philipp Lahm: "Dass heute nicht alles funktioniert, ist doch ganz normal."

In der ersten Viertelstunde taten sich die Deutschen sehr schwer, gegen die eng stehende israelische Defensive zu Chancen zu kommen. Tempo und Spielwitz wurden vermisst. Erst in der 14. Minute gab es den ersten nennenswerten Vorstoß, doch die Hereingabe von Lukas Podolski war kein Problem für Israels Keeper Ariel Harosh.

Nach Boatengs Pfostenschuss kommt lange nichts

Kurz darauf schoss Toni Kroos erstmals auf das Tor, allerdings ging der Ball über die Latte. Die Möglichkeit resultierte aber keinesfalls aus einer gelungenen Kombination. Eitan Tibi hatte den Ball verstolpert, Sami Khedira schnell reagiert und auf Kroos gespielt, der sofort abzog. Die größte Chance hatte Jérôme Boateng, der nach einem erneuten Fehler der Gäste mit einem satten Linksschuss nur den Pfosten traf (19.).

In der Folge verflachte die Partie. Dem DFB-Team fiel kaum etwas ein. Aus dem Publikum gab es sogar vereinzelte Pfiffe gegen die eigene Mannschaft. Daran änderten auch Chancen von Gomez (34.) und Khedira (39.) nichts.

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DFB-Einzelkritik: Alibi-Angreifer Lahm, Kurzfilm-Regisseur Özil

Foto: Joern Pollex/ Bongarts/Getty Images

Das 1:0 gelang Gomez schließlich in der 40. Minute. Deutschland kombinierte sich über Khedira und Thomas Müller durch die Mitte, der Ball landete bei Gomez, der aus kurzer Distanz unter die Latte schoss.

Der Treffer hatte aber zunächst weder vor noch nach der Pause befreiende Wirkung. Im Gegenteil: Es ging so weiter wie in den 39 Minuten zuvor. Deutschland hatte deutlich mehr Ballbesitz, versuchte es immer wieder über die Außen, doch es fehlte an der letzten Konsequenz.

Schürrles Einzelaktion führt zum zweiten Treffer

Stattdessen wagte sich Israel in der zweiten Hälfte mehr nach vorne. Innerhalb von wenigen Minuten musste Manuel Neuer Fernschüsse von Bebars Natcho (51.) und Gil Vermouth (55.) halten. Während ersterer kein Problem darstellte, konnte der deutsche Schlussmann Vermouths Versuch gerade noch über die Latte lenken.

Offenbar ermuntert durch die israelischen Offensivbemühungen wurde auch Deutschland etwas besser. Özil (56.), Holger Badstuber (58.) und Podolski (59.) hatten Chancen auf den zweiten Treffer. In der 64. Minute schoss Podolski dann freistehend Harosh an.

Nach einigen Wechseln Mitte der zweiten Halbzeit ging der Schwung wieder verloren. Deutschland dominierte weiter, ohne zu überzeugen. Vielleicht mangelte es auch an der nötigen Konzentration: Müller hätte aus kurzer Distanz nur einschieben brauchen, zielte aber knapp am rechten Pfosten vorbei (76.). Es passte zum Spiel. "Wir müssen natürlich konsequenter mit unseren Torchancen umgehen", sagte Löw: "Die Organisation war schon besser, das aggressive Stören noch nicht. Da gibt es schon noch was zu tun."

Dank einer Einzelaktion des eingewechselten Schürrle kamen die Deutschen dann noch zum 2:0. Der 21-Jährige zog aus gut 20 Metern ab und zirkelte den Ball ins Tor.

Eine gute Nachricht gab es von Bastian Schweinsteiger. "Bastian ist seit Mittwoch schmerzfrei. Er muss jetzt anfangen zu laufen und wird spätestens Dienstag wieder mit dem Team trainieren", sagte Löw und machte dem angeschlagenen Mittelfeldspieler Hoffnungen auf einen Einsatz gegen Portugal.

Deutschland - Israel 2:0 (1:0)
1:0 Gomez (40.)
2:0 Schürrle (82.)
Deutschland: Neuer - Boateng, Mertesacker, Badstuber, Lahm - Khedira (88. L. Bender), Kroos (86. Götze) - Müller (83. Reus), Özil, Podolski (67. Schürrle) - Gomez (67. Klose)
Isreal: Harosh - Yadin (86. Tzedek), Shpungin, Ben Haim, Tibi, Gershon - Natcho (73. Biton), Zahavi (67. Sahar), Melikson (46. Damari), Benayoun (46. Vermouth) - Shechter (46. Refaelov)
Schiedsrichter: Kevin Blom (Niederlande)
Zuschauer: 43.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: -/