Deutschland in der Einzelkritik Kimmich läuft den Ansprüchen hinterher, Süle den schnellen Engländern

Die Formkrise festigt sich: Auch beim 3:3 gegen England offenbarte die DFB-Elf jede Menge Schwächen. Das betraf nicht nur bekannte Sorgenkinder, sondern auch Spieler mit Führungsanspruch.
Aus London berichtet Peter Ahrens
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Marc-André ter Stegen (Tor): Der Keeper des FC Barcelona erhielt zum zweiten Mal nacheinander die Chance, sein Können in der Nationalelf zu beweisen. Klärte in der ersten Halbzeit zweimal sehr stark gegen Raheem Sterling, rettete bei 3:3 mit einem Reflex das Remis. Bei den Gegentoren war er machtlos. Eine zwar tadellose Vorstellung, und doch wieder waren es drei Gegentreffer. Bei der WM wird dann wieder Manuel Neuer im Tor stehen.

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Thilo Kehrer (Abwehr): Der West-Ham-Profi gehört zu Flicks Lieblingsspielern, weil er seine Aufgaben sorgsam erfüllt. Diesmal tat er einiges, um seine Abwehrseite einigermaßen dichtzuhalten. Das klappte nicht immer, gerade über rechts griffen die Engländer wiederholt gefährlich an. Dennoch eine solide Partie. Einmal fiel er nach einem Trikotzupfer im Strafraum, da hätte mancher Schiedsrichter auch Elfmeter gepfiffen.

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Nico Schlotterbeck (Abwehr): Der Dortmunder war in die Innenverteidigung gerückt und erledigte seine Arbeit lange ohne grobe Fehler. Von der überragenden Form der letzten Freiburg-Wochen ist er aber auch ziemlich weit entfernt. Als die Engländer ins Laufen kamen, konnte er der Deckung zudem keine Sicherheit geben – und verschuldete den Elfmeter in der 81. Minute.

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Niklas Süle (Abwehr): Ohne den gesperrten Nebenmann Antonio Rüdiger zwangsläufig in eine Art Chefrolle in der Abwehr gerückt. Machte seine Sache über weite Strecken ordentlich, war bei den schnellen Sprints von Sterling aber nicht immer auf der Höhe. In der zweiten Hälfte verlor er in der Druckphase der Engländer vor dem 2:2 den Überblick.

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David Raum (Abwehr, bis 68. Minute): Der Leipziger rutschte zu Beginn mehrfach auf dem Rasen aus, auch Ausdruck seiner gegenwärtigen Verunsicherung. Dann steigerte er sich zwar, aber von seinen geschätzten Flankenläufen war nichts zu sehen. Er braucht eine Regenerationsphase. Nach 67 Minuten kam Robin Gosens für ihn.

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Robin Gosens (Abwehr, ab 68. Minute): Schlecht für einen Defensivmann wie ihn: Er war gerade fünf Minuten auf dem Feld, da hatten die Engländer zweimal getroffen. Gosens hat keine leichte Zeit hinter sich, er braucht Erfolgserlebnisse, das war wieder keins.

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Joshua Kimmich (Mittelfeld): Sollte im Mittelfeld Regie führen und konnte zumindest für sich verbuchen, die einzige Torchance der DFB-Elf in der ersten Hälfte kreiert zu haben, als er aus 25 Metern knapp neben das Tor schoss. Sonst wieder zu wenig effektiv für seine Ansprüche. Und für die Ansprüche der Öffentlichkeit. In der 70. Minute blieb er im Mittelfeld verletzt liegen, ein Schreckmoment, aber Kimmich konnte weitermachen.

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İlkay Gündoğan (Mittelfeld): Der City-Profi war wie immer wuselig, viel am Ball, drehte seine Kringel, suchte Anspielpartner. Und dennoch: Zu selten fanden seine Pässe nach vorn auch ihr Ziel. Man scheut sich fast, bei ihm immer wieder dasselbe zu schreiben. Aber es ist fast in jedem Länderspiel so. Was man ihm allerdings sehr zugutehalten muss: Er blieb eiskalt beim Elfmeter.

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Jonas Hofmann (Mittelfeld, bis 46.): Diesmal wieder offensiv von Anfang an, anders als gegen die Ungarn: Der Gladbacher hat sich in dieser Mannschaft festgebissen, das ist Ausweis seiner guten Form, die er seit Monaten hat. Es zeigt aber auch, dass im Moment die Alternativen für Flick auf Rechtsaußen nicht so gewaltig sind, wie sie mal waren. Nach blassen 45 Minuten wurde er von Timo Werner ersetzt.

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Timo Werner (Sturm, ab 46. MInute): Spielte in der zweiten Halbzeit und hatte schon kurze Zeit später eine Riesentorchance, als sein Gegenspieler vor ihm jäh ausgerutscht war. Als er daraufhin einen Querpass ins Nichts schob, statt abzuschließen, tobten selbst einige deutsche Journalisten auf der Pressetribüne. Zwei Minuten später schob er frei stehend den Ball am Tor vorbei. Er hat, man muss es vorsichtig formulieren, derzeit keine gute Phase.

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Jamal Musiala (Mittelfeld, bis 79.): Im Land, in dem er aufgewachsen ist, war der Bayern-Jungstar spürbar motiviert, versuchte seine Dribblings aufzuziehen, forderte den Ball, aber auch er brachte zu wenig zustande. Seine Aktion Anfang der zweiten Hälfte erzwang aber dann den Elfmeter, den İlkay Gündoğan zur Führung versenkte. Nach 79 Minuten konnte er nicht mehr, dann kam Thomas Müller.

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Thomas Müller (Mittelfeld, ab 79.): Kam ins Spiel. Mehr ist über den Routinier nicht zu sagen gewesen.

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Leroy Sané (Mittelfeld, bis 68.): Auch er, einer der wenigen Nationalspieler, die in guter Form angereist waren, wirkte gehemmt, traute sich diesmal wenig zu, kam selten in die Offensivaktionen. Es lief nicht bei ihm, und folgerichtig war für ihn auch nach 67 Minuten Schluss.

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Serge Gnabry (Mittelfeld, ab 68. Minute): Noch ein Sorgenkind, der Bayern-Profi, der seiner Form hinterherläuft. 20 Minuten durfte er bei 2:0-Führung aufspielen. Es wird ihm gutgetan haben – dachte man. Dann kamen die Engländer. Als von der deutschen Offensive gar nichts mehr zu sehen war, bildete Gnabrys Distanzschuss plötzlich die Vorlage zum 3:3.

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Kai Havertz (Sturm, bis 91. Minute): Diesmal in der Spitze anstelle von Timo Werner. Das Spiel der Deutschen veränderte sich dadurch, zunächst aber nicht unbedingt zum Vorteil. Havertz bekam wenig Anspiele, hatte kaum Gelegenheit im Strafraum, sich ein- und durchzusetzen. Dann musste er es eben außerhalb des Sechzehners machen: Sein 2:0 war eine Augenweide. Mit dem 3:3 waren dann eh alle Zweifel über seine Aufstellung beseitigt.

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Armel Bella Kotchap (Abwehr, ab 91. Minute): Der Debütant spielte zwar nur zwei Minuten als Havertz-Ersatz, aber er kann erzählen, dass er bei diesem Halbzeitspektakel auch dabei gewesen ist. Für die Buchreihe: Mein erstes Länderspiel.

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Hansi Flick (Trainer): Der überschwängliche Jubel des Bundestrainers beim 2:0 entsprang vor allem dem Gefühl der Erleichterung. Da konnte er noch nicht ahnen, was danach über sein Team hereinbrach. Ergebnistechnisch ist das Team mit einem Remis in Wembley zwar im Soll, aber spielerisch war da sehr vieles noch im Argen. Seine DFB-Elf hat sich mit diesen beiden Spielen, die doch so richtungsweisend sein sollten, aus dem Favoritenkreis erst einmal weit entfernt. Die WM wird zur Zitterpartie.

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