Die DFB-Elf in der Einzelkritik Hat Kroos überhaupt mitgespielt?

Bei der historischen Niederlage in Spanien fand die DFB-Elf nie ins Spiel. Führungsspieler Toni Kroos war unsichtbar. Niklas Süle hätte besser auf sein Knie gehört. Und: Die Spanier kannten Philipp Max.
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Manuel Neuer, Tor: Sein Rekordländerspiel ging besser los als die Partie vor drei Tagen gegen die Ukraine. Beim Freistoß von Sergio Ramos tauchte Neuer ab und verhinderte den frühen Rückstand. Nun ist der Kapitän also der Torhüter in der DFB-Geschichte mit den meisten Länderspielen (96). Das Gegentor fiel kurz darauf doch: Beim Kopfball von Álvaro Morata (17. Minute) konnte Neuer nichts ausrichten. Bevor es dann richtig deutlich wurde, zeichnete sich der Kapitän mit einer tollen Parade gegen Ferrán Torres aus (30.). Wenige Minuten später stand es 0:3 und der im Stich gelassene Neuer schimpfte auf seine Vorderleute. Nach der Pause wurde es für Neuer nicht besser.

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Matthias Ginter, Abwehr: Bis zum 0:2 durch Torres (33.) konnte man dem Gladbacher, der im Abwehrzentrum deutlich besser aufgehoben ist, kaum einen Vorwurf machen. Das lag vor allem an der spanischen Überlagerung der ihm fernen Seite. Doch dann ließ Ginter Koke in aller Ruhe flanken und ermöglichte so den Lattenkopfball von Dani Olmo, den Ferrán Torres im Nachschuss verwertete. Ginter reihte sich also ein in die defensive Zurückhaltung. Kurz vor dem Pausenpfiff führte Ginter den Ball in einer der seltenen guten Kontersituationen in der ersten Hälfte, verschleppte das Tempo und spielte einen schlechten Pass in die Spitze. Es war symptomatisch.

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Niklas Süle, Abwehr (bis 45. Minute): Der Abwehrchef der Nationalmannschaft war fraglich, Bundestrainer Joachim Löw hatte im Vorfeld von Knieschmerzen nach dem Ukraine-Spiel berichtet. Hätte Süle mal besser um eine Pause gebeten. So wirkte er körperlich nicht ganz auf der Höhe, was nach seiner langen Verletzungspause verständlich ist. Auf der Ersatzbank saßen mit Niklas Stark, Jonathan Tah und Felix Uduokhai drei weitere Innenverteidiger, aber Löw entschied sich für das Einspielen seiner Hintermannschaft. Süles Probleme wurden sowohl im Aufbauspiel deutlich, wo er fahrige Pässe spielte, aber auch in der Zweikampfführung. Löw erlöste den Münchner in der Pause.

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Jonathan Tah, Abwehr (ab 46. Minute): Der Leverkusener, im Verein kein Stammspieler mehr, führte sich mit einem unfassbaren Ballverlust im Mittelfeld ein (49.). Noch besorgniserregender war jedoch die Tatsache, dass ihm Morata im Gegenangriff mit Ball einige Meter abnahm. Beim 0:4 ließ sich Tah viel zu leicht ausspielen. In dieser Verfassung hat der 24-Jährige nichts in der Nationalmannschaft zu suchen.

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Robin Koch, Abwehr: Dieses Spiel wird dem Innenverteidiger von Leeds United zeigen, dass es auf dem Weg nach oben auch Rückschläge gibt. Koch kam in vielen Zweikämpfen zu spät, er produzierte Ballverluste im Spielaufbau und machte auch im Stellungsspiel einfache Fehler. Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff mag recht haben mit seiner Einschätzung, dass die jungen deutschen Spieler Vertrauen verdient haben. Koch hat nach seinen Leistungen gegen Tschechien und die Ukraine viel Lob erhalten. Nun muss er mit Kritik leben – und die jungen Spieler waren an diesem historisch schlechten Abend nicht das Kernproblem.

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Philipp Max, Abwehr: Im Vorlauf der Partie ging es bei der ARD auch um Max – klar nach seinem Aufstieg der vergangenen Tage. Ein Thema war sein angeblicher Fortschritt in der Defensive, ohne dass dafür Nachweise gebracht wurden. Nach diesem Spiel sollte klar sein, dass Max gegen Gegner wie Tschechien oder die Ukraine sehr gut funktionieren kann, wenn sein Gegenspieler aber Ferrán Torres heißt (oder bei der EM Kylian Mbappé), dann ist die linke deutsche Seite offen. Spanien hatte sich Max als Schwachpunkt ausgeguckt und steuerte nahezu jeden Angriff über die eigene rechte Flanke. Das änderte sich nach der Pause, Max konnte etwas durchatmen und sich auch mal in die deutschen Angriffe einschalten. Aber die Diskussionen um die Schwachstelle auf den Außenbahnen wird nach diesem Abend wieder lauter werden.

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Leon Goretzka, Mittelfeld (bis 61. Minute): Die Lobeshymnen auf Kung-Fu-Goretzka nach dem Spiel gegen die Ukraine waren berechtigt. Gegen Spanien ging der zentrale Mittelfeldspieler mit seinen Kollegen unter. Goretzka konnte seine Qualitäten in keiner Phase einbringen. Gegen diese aggressiven Spanier war er fast nur mit Defensivaufgaben betraut, dynamische Läufe in den gegnerischen Strafraum fanden überhaupt nicht statt.

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Florian Neuhaus, Mittelfeld (ab 61. Minute): Bei dieser Demütigung eingewechselt zu werden, ist für einen jungen Nationalspieler eine Strafe, für die er nichts kann. Neuhaus mühte sich im Zentrum, konnte an den deutschen Schwächen jedoch nichts ändern.

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İlkay Gündoğan, Mittelfeld: Beim Strategen von Manchester City fiel vor allem auf, wie er beim 0:3 durch seinen Klubkollegen Rodri nicht in den Zweikampf kam und ihn unbedrängt köpfen ließ. Das darf nicht passieren. Wichtiger war jedoch, dass er es im Zentrum nicht schaffte, sich von den gnadenlos pressenden Spaniern zu lösen, das Spiel zu beruhigen oder Angriffe zu initiieren. Gündoğan hat zu Beginn der Länderspielwoche seinen Anspruch bekräftigt, mehr Spielanteile zu bekommen, sich aber nicht als Stammspieler eingeordnet. Stimmt.

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Toni Kroos, Mittelfeld: Nach der ersten Hälfte stellte sich nur eine Frage: Hat Kroos, der Führungsspieler, der Taktgeber, der Chef in diesem neu formierten DFB-Team überhaupt mitgespielt? Ja, hat er, es waren tatsächlich elf deutsche Spieler auf dem Platz. Ein Spiel reicht natürlich nicht aus, um den Stab über einen Spieler wie Kroos zu brechen. Allerdings spielt er auf einer Position, auf der der Bundestrainer die größte Auswahl hat. Wenn Joshua Kimmich im März bei den WM-Qualifikationsspielen zurückkehrt, wird sich das zentrale Mittelfeld neu sortieren.

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Leroy Sané, Angriff (bis 61. Minute): Der schnelle Flügelstürmer sollte ein Schlüssel in Löws Matchplan sein. Die deutsche Mannschaft wusste, dass sie weniger Ballbesitz haben wird, umso wichtiger sollte das schnelle Umschalten auf Sané und seine Angriffskollegen sein. Doch es kam kaum ein Pass an, die Schnelligkeit fiel in keiner Phase ins Gewicht. Wenn Sané den Ball dann mal hatte, dauerte es meist nur wenige Sekunden, bis er wieder weg war. Leichte Ballverluste hatte er auch gegen die Ukraine, dort fielen sie nur nicht ins Gewicht. Dieses Spiel hat gezeigt, dass Sané noch Wochen oder eher Monate braucht, bis er in Topform ist. Vielleicht wäre er derzeit einfach ein besserer Einwechselspieler.

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Luca Waldschmidt, Angriff (ab 61. Minute): Wenig überraschend konnte auch der Profi von Benfica Lissabon nichts an dieser Demontage ändern. Waldschmidt lief viel, hatte einige wenige Ballberührungen. Das war es.

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Serge Gnabry, Angriff: Es ist schwer vorstellbar, dass der 1,76 Meter große Gnabry bei Eckbällen dem elf Zentimeter größeren Morata zugeteilt war. In der 17. Minute stand der Münchner dann aber doch beim spanischen Stürmer, der sich klug an den langen Pfosten abgesetzt hatte. Im weiteren Verlauf war Gnabry der Offensivspieler, der sich am ehesten als Anspielstation anbot und zumindest versuchte, den Ball zu halten. Allein, es gelang ihm nicht. Einzige Ausnahme: Sein Sololauf in der 76. Minute, als er durch Waldschmidts Abseitsposition zum Alleingang gezwungen wurde und den Ball aus 20 Metern an das Lattenkreuz schoss.

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Timo Werner, Angriff (bis 76. Minute): Der Neu-Londoner wusste schon nach wenigen Minuten, was ihn gegen diese dominanten Spanier erwartet. Werner musste weite Wege nach hinten gehen, in der Anfangsphase wurde er Richtung eigener Eckfahne gepresst und befreite sich mit einem ziellosen Pass ins Mittelfeldzentrum. In der Offensive war Werner ein Totalausfall, das änderte sich auch nicht, als er nach Waldschmidts Einwechslung in die Mitte rückte. Wenig später war dann auch für Werner Schluss – nachvollziehbar.

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Benjamin Henrichs (ab 76. Minute): Wenn ein Stürmer beim Stand von 0:5 geht und ein Abwehrspieler eingewechselt wird, ist das Signal klar. Ergebnis halten, nicht weiter untergehen. Henrichs (2.v.l.) zeigte eine gute Balleroberung im Mittelfeld, ansonsten konnte er nicht viel ausrichten. In seiner Viertelstunde fiel nur noch ein Gegentor.

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Joachim Löw: Derzeit wird viel darüber debattiert, ob Löw nach der EM noch Bundestrainer sein wird. Diese Demontage wird neue Fahrt in diese Frage bringen. Der dezente Aufwind, der nach den vergangenen Wochen konstatiert werden konnte, ist nun weggeblasen. Diese Niederlage wird nachhallen, sie wird Löw bis zum Turnier begleiten.

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