Deutschland in der Nations League Sportlich auf dem Boden geblieben

Für die kurze Reise von Stuttgart nach Basel nahm das DFB-Team das Flugzeug - und erntete Kritik. Beim Spiel gegen die Schweiz wurde deutlich, dass die Mannschaft von sportlichen Höhenflügen weit entfernt ist.
Nicht die beste Stimmung umtreibt derzeit das DFB-Team

Nicht die beste Stimmung umtreibt derzeit das DFB-Team

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Christian Charisius / dpa

Abgehoben: Zu Beginn der Coronakrise war von einer notwendigen Veränderung des Profifußballs die Rede, das ist nun ein halbes Jahr her. Inzwischen ist ein 21-Jähriger für bis zu 100 Millionen Euro nach England gewechselt, und das Nationalteam nimmt für die Strecke von Stuttgart nach Basel den Flieger, statt für die Strecke von zweieinhalb Autostunden auf dem Boden zu bleiben. Die Kritik folgte prompt.

Die Schlussphase: "Du kannst von Glück reden, dass du hier einen Punkt mitnimmst", sagte Ilkay Gündogan. Wohlgemerkt nach einem Spiel gegen den nicht ganz so riesigen Fußballriesen Schweiz. Bereits gegen Spanien ließ sich die DFB-Elf in der Schlussphase in die Defensive drücken. Von einem selbstbewussten Auftreten kann derzeit zumindest in den Schlussminuten nicht die Rede sein.

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Das Ergebnis: Ein Tor erzielte Gündogan (14. Minute), eins Silvan Widmer (57.). Das 1:1 (0:1) können Sie hier im Spielbericht und hier im Liveticker nachlesen.

Deutscher als Deutschland: Fast schon traditionell besteht ein Großteil des Schweizer "Nati"-Kaders aus Profis der deutschen Bundesliga. So auch gegen Deutschland: Mit Yann Sommer, Manuel Akanji, Nico Elvedi, Breel Embolo, Djibril Sow und Renato Steffen standen sechs Bundesligaspieler in der Startelf. Bei der DFB-Elf waren es mit Matthias Ginter, Niklas Süle und Leroy Sané nur drei.

Die erste Hälfte: Beide Teams agierten im Spielaufbau in der ersten Hälfte zumeist sicher, die Sechser ließen sich oft fallen und ließen klatschen. Über die Stadionmikrofone waren nur das Klatschen der deutschen Bank sowie die dumpfen Töne der Bälle zu hören. Angesichts des unaufgeregten Kommentars von ZDF-Reporter Oliver Schmidt und der vielen Passfolgen auf dem Platz hatten die ersten 45 Minuten fast etwas Hypnotisches.

Das Kroos-Tor: Gündogans erster Tor-Gratulant war Toni Kroos. Dabei war es er, den Gündogan mit seinem Tor imitiert hatte: Einen Rückpass vom rechten Flügel schloss er direkt und flach mit der Innenseite in die kurze Ecke ab. Unzählige Tore erzielte Kroos auf diese Weise, gewissermaßen kann von einem Kroos-Tor gesprochen werden. Das wird der Kapitän seinem Mittelfeldkollegen wohl mitgeteilt haben, als er ihn mit einem breiten Grinsen in den Arm nahm.

Gündogan setzt zum Führungstreffer an

Gündogan setzt zum Führungstreffer an

Foto: Christian Charisius / dpa

Zweite Hälfte: Bereits bis zur Pause hatte Embolo ein klasse Spiel gemacht. Oft ließ sich der Stürmer fallen, aus dem Mittelfeld ging er dann mit hohem Tempo auf die deutsche Verteidigungslinie zu. Dem Ausgleichstreffer war hingegen ein deutscher Ballverlust vorausgegangen. Vom linken Flügel flankte er dann auf den zweiten Pfosten, wo er den Torschützen Widmer bediente. Embolo hatte in den vergangenen Jahren oft mit Verletzungen zu kämpfen. Ist er fit*, dürfte er eines der prägenden Gesichter der Bundesliga werden.

*In der zweiten Hälfte erwischte ihn ausgerechnet sein Gladbacher Teamkollege Matthias Ginter so unglücklich beim Kampf um den Ball, dass Embolo verletzt ausgewechselt werden musste.

Zweites Deutsches (Fußball-Bund-) Fernsehen: Kritischer Sportjournalismus scheint nicht immer Konjunktur zu haben. Das war unter anderem beim Skandal um Fanaktionen gegen den Milliardär Dietmar Hopp zu vernehmen. Nach dem schwachen Remis gegen die Schweiz wurde Kapitän Kroos nun darauf angesprochen, dass Kollege Leroy Sané noch nicht seine Dokumentation gesehen habe, die am Abend im ZDF gesendet wird. Nicht nur Kroos schien genervt.

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Wie geht's weiter? Die ersten beiden Spieltage der neuen Nations-League-Saison sind gespielt. Nach dem 4:0-Sieg der Spanier im Parallelspiel gegen die Ukraine ist Deutschland nur Dritter. Jetzt geht es für die Spieler zurück in die Klubs, ehe es am 7. Oktober mit einem Testspiel gegen die Türkei weitergeht. Weil der Terminkalender noch nicht voll genug ist.

Anmerkung: In einer früheren Version war hier von einem bösen Foul von Ginter an Embolo die Rede. Von dieser Einschätzung sind wir nach erneuter Sichtung der TV-Bilder abgewichen.

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