Das DFB-Team und der Umbruch Dieser Weg wird kein leichter sein

In Spiel eins nach dem Verzicht auf drei Weltmeister konnte Deutschland nicht gegen Serbien gewinnen. Das lag aber nicht am Fehlen von Hummels, Boateng und Müller. Der eigentliche Umbruch hat noch gar nicht begonnen.

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Was war das jetzt? In Spiel eins nach dem schlechtesten Jahr der DFB-Geschichte reichte es im Testspiel gegen Serbien, das in der aktuellen Fifa-Weltrangliste zwischen der Ukraine und Venezuela platziert ist, zu einem Unentschieden. Das Ergebnis allein könnte dabei ziemlich egal sein. Schließlich war Joachim Löws Bilanz in Freundschaftsspielen schon in besseren Zeiten durchwachsen. Das Spiel in Wolfsburg zeigte: Der versprochene radikale Umbruch wird viel Zeit in Anspruch nehmen.

Das Ergebnis: 1:1 (0:1). Hier geht es zum Spielbericht.

Die erste Hälfte: Serbien ging nach zwölf Minuten in Führung. Nach einer Ecke sprang der Ball je nach Sichtweise glücklich oder unglücklich zu Luka Jovic. Der Frankfurter Stürmer köpfte aus wenigen Metern an Manuel Neuer vorbei ins Tor. Eine weitere Chance hatte Adem Ljajic kurz vor der Pause, als er nach einem serbischen Angriff und Pass von Darko Lazovic völlig frei vor dem deutschen Tor zum Abschluss kam, den Ball aber über die Latte setzte.

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Deutschland gegen Serbien: Viele Chancen, nur ein Tor

Umbruch, Spiel eins: Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng, die von Bundestrainer Löw vor zwei Wochen aussortiert worden waren, haben in ihren Karrieren zusammen 246 Länderspiele bestritten. Die gesamte Startelf, die gegen Serbien auflief, zusammen 237 - davon entfallen alleine 84 auf Manuel Neuer, der in der ersten Hälfte den Vorzug vor Deutschlands bestem Keeper Marc-André ter Stegen erhalten hatte.

Die zweite Hälfte: Die berüchtigten Wechselorgien mancher Testspiele der Vergangenheit gab es in der Pause nicht. Als einziger Feldspieler kam Marco Reus für Kai Havertz - ein Wechsel, der sich sehr positiv bemerkbar machte: Reus war fortan der beste Spieler auf dem Platz, und auch Leroy Sané blühte nun auf. Deutschland erspielte sich zahlreiche gute Chancen, das einzige Tor der DFB-Elf fiel aber nach einem schlimmen Fehlpass von Uros Spajic. Der Ball kam über Ilkay Gündogan und Reus zu Leon Goretzka, der aus dem Strafraum zum 1:1 traf. Ein weiteres Tor fiel nicht mehr, aber in der Nachspielzeit sah Milan Pavkov nach einem bösen Foul an Sané in einem ansonsten sehr fairen Spiel noch die Rote Karte.

Gänsehaut: Die Stimmung bei Heimspielen der deutschen Nationalmannschaft ist inzwischen so trist, dass man gar keine hohen Erwartungen mehr hat. Auch die Stadt Wolfsburg, in der Vergangenheit durch ein halbleeres Stadion bei Champions-League-Spielen berühmt geworden, fiel hier nicht negativ ab. Einst hatte Sportdirektor Klaus Allofs den mangelnden Zuschauerzuspruch mit dem Schichtbetrieb bei Volkswagen erklärt. Inzwischen ist Volkswagen DFB-Sponsor, und das Stadion war in einem bedeutungslosen Testspiel ausverkauft. Die üblichen Choreos des sogenannten Fanklubs Nationalmannschaft bleiben aber immer noch hinter dem zurück, was Fans von Eintracht Frankfurt beim Training zeigen. Einige Medien waren dennoch ergriffen.

Wie kann der Neuanfang gelingen? Ljajics Riesenchance aus der 41. Minute entstand, als Deutschland gerade auf Pressing umschaltete, aber nicht die ganze Elf nachrückte. Serbien kombinierte sich so gegen die unkompakt stehende DFB-Mannschaft über den ganzen Platz, einmal mehr hatte man den Eindruck, dass die Rückwärtsbewegung nicht gut eingestellt ist - und das in diesem Fall nicht einmal bei einem plötzlichen Ballverlust. Das erinnerte stark an manche Bilder der WM. Die dort von vielen als Sündenböcke ausgemachten Hummels, Müller und Boateng sind bekanntlich gar nicht mehr dabei. Auf die drei zu verzichten, war eine nachvollziehbare Entscheidung von Löw. Aber die 41. Minute zeigte, dass einige der gravierendsten Probleme der Mannschaft vielleicht gar nicht an den Spielern liegen.

Deutschland - Serbien 1:1 (0:1)
0:1 Jovic (12.)
1:1 Goretzka (69.)
Deutschland: Neuer (46. ter Stegen) - Klostermann (90. Kehrer), Tah, Süle, Halstenberg - Kimmich, Gündogan - Brandt (56. Goretzka), Havertz (46. Reus), Sané (90. Schulz) - Werner
Serbien: Dmitrovic - Rukavina, Spajic, Milenkovic, Bogosavac (80. Mitrovic) - Milinkovic-Savic (63. Lukic), Maksimovic (88. Maksimovic), Gacinovic (63. Radonjic) - Lazovic (79. Zivkovic), Jovic (70. Pavkov), Ljajic
Rote Karte: Pavkov (90.)
Schiedsrichter: Madden
Zuschauer: 26.101 in Wolfsburg



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websmile33 21.03.2019
1. Der letzte Satz trifft den Nagel
auf den Kopf. Das war ein 1:1 gegen ein Serbien ohne ein halbes Dutzend seiner besten Spieler (Tadic, Mitrovic, Matic, Kolovarov usw) und das Spiel war nicht anders als letztes Jahr, fehlende defensive Ordnung teilweise, schwache Chancenverwertung, alles was man seit 18 Monaten immer wieder liest. Es ist weder ein Neuaufbau noch ein Umbruch wenn die Hauptverantwortlichen für die katastrophale WM, das schlechteste Länderspieljahr der deutschen Fussballgeschichte und den NL-Abstieg ohne Sieg weiter im Amt sind. Zeit für Löw und Bierhoff zu gehen, und Grindel gleich mit. Dann wird es auch einen Umbruch und Aufbruch geben
gossenphilosoph 21.03.2019
2. Unken Unken
Als Jürgen Klinsmann die DFB Elf 2004 übernahm hat er auch erstmal alte Zöpfe abgeschnitten und wackelige Leistungen die von der verjüngten DFB-Elf gebracht wurden verteidigt - ich möchte nur mal an das erste Spiel bei der als Sommermärchen bekannt gewordenen Heim-WM gegen Costa Rica erinnern - nur 3:2 - "... das gegen Costa Rica mein Puls nochmal so hochgeht ...." solche Kommentare sind mir immer noch in Erinnerung - ja es gibt einen Umbruch und wir müssen den Spielern, dem Trainer-Team Zeit geben und unsere Erwartungen runterschrauben dann wird es sicher eine märchenhafte EM. Alles andere wäre hochmütig. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit
hooge789 21.03.2019
3. Es wird noch viel Zeit vergehen
Ein Umbruch dauert. Fragt Mal Didier Deschamps. Frankreich hat nach seinem Umbruch auch 2 Jahre lang mittelmäßige Spiele abgeliefert. Da hat Deschamps viel Kritik einstecken müssen. Da wird Fussball Deutschland geduldig sein müssen.
HCL 21.03.2019
4. Nullnummer Loew
Wer es bisher noch nicht weishaben wollte, hat hoffentlich genau hingeschaut. Das Dilemma sind nicht die Spieler sondern der unfaehige Trainer. Mit Loew als Trainer wuerde auch eine Weltelf nicht funktionieren. Es war Loews Taktik beim WM aus und es war Loews Taktik gestern. Wenn man dann noch das Leistungsprinzip total negiert (e.g. Can, Kruse, Stark, etc.) dann kommt so was dabei raus. Da macht Mancini eine bessere Figur. Auch er setzt auf die Jugend aber nicht mir "religioesem Fanatismus". Der aktuell erfogreichste Stuermer in Italien ist wohl dabei (auch im zarten Alter von 36). Weg mit diesem "Erfolglostrainer".
bommipit 21.03.2019
5. Es.......
reicht mit dem Bashing gegen Löw. Er macht es richtig mit dem Umbau der Mannschaft. Alle sogenannten Experten die mit machen beim Bashing sollen ruhig sein. Löw ist der erste Trainer der es wagt die alten aus zu sortieren und das ist gut. Diese Mannschaft wird nochmal ganz groß.. Und die Medien sollten sich auch zurück halten.
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