DFB-Remis in Italien Mailand sehen und vergessen

Mit einem unspektakulären 0:0 in Italien hat sich die DFB-Elf aus 2016 verabschiedet. Das Spiel wird man schnell abhaken, das Jahr jedoch hat die Mannschaft durchaus weitergebracht.

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Aus Mailand berichtet


Wenn man Thomas Müller oder Mats Hummels in einigen Jahren nach diesem Spiel in Mailand befragt, wäre es schon eine Überraschung, wenn sie sich noch erinnern. Das 0:0 zwischen den Fußballgroßmächten Italien und Deutschland war ein Ergebnis, das auch in dieser Höhe verdient war. Ein Spiel ohne großen Nachhaltigkeitswert.

Bundestrainer Joachim Löw wird dennoch ein paar Dinge gesehen haben, die für ihn von Bedeutung sein könnten. Dass die jungen Spieler von Leon Goretzka bis Yannick Gerhardt von der nicht gerade gastfreundlichen Atmosphäre im San-Siro-Stadion unbeeindruckt geblieben sind und sich nicht haben einschüchtern lassen. Dass Ilkay Gündogan auch in vorderer Linie Akzente setzen kann. Dass das Team auch ohne zahlreiche Stammspieler mithalten kann.

Löw sprach anschließend denn auch davon, dass er "einige wichtige, gute Erkenntnisse" aus der Partie gezogen habe. Aber das sagt Löw auch ganz gerne einmal.

Aufstellung wird vermutlich einmalig bleiben

Ansonsten galt für die Mannschaft vom Dienstag die klassische Sportreporter-Formulierung, dass "die Elf in dieser Formation wohl nie mehr zusammenspielen wird", und für den Abend allgemein, dass Fußball manchmal eine ziemlich langweilige Angelegenheit sein kann.

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DFB-Analyse: Die Gewinner eines nutzlosen Testspiels

Das Fußballjahr 2016 hätte für die Nationalmannschaft jedenfalls ein besseres Ende verdient gehabt. Das torlose Remis von Mailand war der Abschluss eines DFB-Jahres, das Mats Hummels zutreffend als "gut, aber nicht überragend" zusammenfasste. Das klare Ziel, den Europameistertitel in Frankreich zu holen, hat die Mannschaft verfehlt. Die Enttäuschung darüber hat sich allerdings anders als vier Jahre zuvor in Grenzen gehalten. Das Team war bei der diesjährigen Halbfinalniederlage gegen die Franzosen durch Verletzungen geschwächt. Zudem ist ein Ausscheiden gegen den Gastgeber nichts Ehrenrühriges. Diese Einsicht hatte sich auch in der Öffentlichkeit relativ schnell durchgesetzt.

Seit dem verlorenen Spiel von Marseille hat die DFB-Auswahl kein Tor mehr kassiert. Sie hat dagegen in diesen Spielen 18 Treffer erzielt, die WM-Qualifikation ist nach vier Siegen aus vier Partien schon so gut wie gelungen, "die Mannschaft hat nach der EM noch einmal angezogen, hat den Spaß am Spiel zurückgewonnen", sagt DFB-Manager Oliver Bierhoff. Ein Leistungsabfall wie nach dem WM-Triumph von Rio vor zwei Jahren hat jedenfalls nicht stattgefunden.

Der Bundestrainer hat in den Partien nach der EM sehr viele junge Spieler getestet, er hat mehr ausprobiert, als es sonst seine Art ist. Spieler wie Benjamin Henrichs oder Serge Gnabry, die erst wenige Bundesligaspiele absolviert haben, sind schon zu ihren ersten Einsätzen gekommen.

Für die Jungen wird es im Kader sehr eng werden

Löw betont gerne, dass er damit die Konkurrenz im Kader hochhalten wolle. Wie viele dieser Jungprofis, zu denen auch der Schalker Max Meyer, der Hoffenheimer Niklas Süle und die Leverkusener Julian Brandt und Jonathan Tah gehören, tatsächlich zum nächsten großen Turnier, der WM in Russland, mitfahren dürfen, ist allerdings offen. Die meisten Plätze im Kader werden auch 2018 an die Arrivierten vergeben werden.

Manuel Neuer im Tor mit seinen Stellvertretern Marc-André ter Stegen und Bernd Leno, Jérome Boateng, Hummels, Benedikt Höwedes, Jonas Hector und Shkodran Mustafi in der Abwehr, davor Sami Khedira, Toni Kroos, Mesut Özil, Thomas Müller, Julian Draxler, Joshua Kimmich, André Schürrle, Mario Götze und Mario Gomez - sie alle haben in den Vorjahren Ansprüche auf einen Kaderplatz angesammelt, und Löw wird sie kaum vernachlässigen.

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Testspiel in Mailand: Italien wieder nicht zu bezwingen

Dazu kommen der genesene Gündogan, der jetzt schon wieder bewiesen hat, wie wertvoll er sein kann, und wie sehr er der Mannschaft bei der Europameisterschaft gefehlt hat, dazu die Dauerverletzten Marco Reus und Holger Badstuber. Sehr viel Raum bleibt für die nachdrängenden jungen Spieler dann nicht mehr.

Löw ist mit dem DFB-Jahr 2016 "insgesamt sehr zufrieden", sagt er. Er kann das auch sein. Schließlich hat er mit dem Verpassen des EM-Titels ein Ziel für seinen Ehrgeiz behalten dürfen. Mit seiner Vertragsverlängerung vom Oktober bis 2020 hat er auch den Eindruck erweckt: Solange er nicht Europameister ist, so lange hört er auch nicht auf. Die Ära Löw kann demnach noch eine ganze Zeit währen.

Italien - Deutschland 0:0
Italien: Buffon (46. Donnarumma) - Rugani, Bonucci, A. Romagnoli (46. Astori) - Zappacosta, de Rossi, Parolo, Darmian - Eder (68. Bernardeschi), Belotti (88. Sansone), Immobile (89. Zaza)
Deutschland: Leno - Höwedes, Mustafi, Hummels (46. Tah) - Kimmich, Rudy, Weigl (70. Götze), Gerhardt - Gündogan, Goretzka (60. Gnabry) - Müller (60. Volland)
Zuschauer: 48.600
Schiedsrichter: Soares Dias (Portugal)

insgesamt 25 Beiträge
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PeterPaulPius 16.11.2016
1. System
Es war schön, zu erkennen, dass im DFB tatsächlich alle Mannschaften das gleiche System spielen und man das dann auch noch gegen einen starken Gegner ohne 10 Stammkräfte durchziehen kann. So stark war noch nie eine Nationalmannschaft weltweit. Egal wie am Ende mal Spiele ausgehen können - "die Mannschaft" hat ein sehr hohes Niveau erklommen. Es war schon interessant zu sehen, wie sich Italien in einem Heimspiel in der ersten Hälfte im eigenen Sechzehner eingeigelt hat. Ob absichtlich, weil sie sonst keine Option sahen, oder aber keine Mittel fanden, spielt dabei keine Rolle. Das muss man erst mal schaffen.
Attila2009 16.11.2016
2.
Solche Spiele gegen starke Gegner sind nützlich als "Galas " gegen Fußballzwerge oder 3.klassige Mannschaften, weil hier wirklich jeder auf Herz und Nieren getestet wird.Das sind echte Testspiele , vor allem gegen eine ehrgeizige italinenische Mannschaft die sich gegen den Weltmeister beweisen wollte. Mir hat das 0:0 wesentlich mehr Spaß gemacht als das Spiel gegen San Marino. Da muss ich SPON klar widersprechen, das Spiel sollte man nicht vergessen.
ttvtt 16.11.2016
3. sehr zufrieden
Tolle Einstellung vom Löw, nicht gewonnen zu haben, aber sehr zufrieden zu sein mit dem Jahr 2016..
tomkey 16.11.2016
4. Fußballsatt
Die Dauerberieselung mit Fußball macht keinen Spaß mehr. Ich habe mich gestern zum wiederholten Male dem Event "Die Mannschaft" glotztechnisch verweigert. Wie zuvor der CL oder anderen Fußball-Übertragungen im TV. Vor Ort seinem Verein zu zuschauen, ist mir dann doch lieber.
cosmose 16.11.2016
5.
Zitat von PeterPaulPiusEs war schön, zu erkennen, dass im DFB tatsächlich alle Mannschaften das gleiche System spielen und man das dann auch noch gegen einen starken Gegner ohne 10 Stammkräfte durchziehen kann. So stark war noch nie eine Nationalmannschaft weltweit. Egal wie am Ende mal Spiele ausgehen können - "die Mannschaft" hat ein sehr hohes Niveau erklommen. Es war schon interessant zu sehen, wie sich Italien in einem Heimspiel in der ersten Hälfte im eigenen Sechzehner eingeigelt hat. Ob absichtlich, weil sie sonst keine Option sahen, oder aber keine Mittel fanden, spielt dabei keine Rolle. Das muss man erst mal schaffen.
Naja... da stand jetzt auch nicht die erste Mannschaft von Italien auf dem Platz. Die Abwehr ist ohne Chiellini nur die Hälfte wert. Insgesamt eher ein müder Kick.
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