DFB-Torschütze Schürrle Der fängt ja gut an!

Gegen Algerien war André Schürrle der Matchwinner für die deutsche Mannschaft. Bei der WM kam er bisher nur als Einwechselspieler zum Einsatz. Im Viertelfinale gegen Frankreich könnte sich das ändern.

AP/dpa

Aus Porto Alegre berichten und


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Er kann das. Er hat es schon öfter gezeigt. Aber in der Verlängerung eines WM-Achtelfinales die Chuzpe aufzubringen, den Ball mit der Hacke am Torwart vorbei ins lange Eck zu legen, das wagt nicht jeder. Es spricht für das Selbstvertrauen von André Schürrle, dass er es nicht nur versucht hat, sondern damit auch noch Erfolg hatte. Mit seinem Treffer zum 1:0 gegen Algerien erlöste er die deutsche Mannschaft und meldete berechtigte Ansprüche für das Viertelfinale an.

14 Treffer hat Schürrle in seiner Nationalmannschaftskarriere erzielt, aber keiner war so wertvoll wie dieser in Porto Alegre. Als der hohe Favorit Deutschland gegen die kampfstarken Algerier wankte, sorgte Schürrle mit seinem sehenswerten Führungstreffer für die Vorentscheidung. Neben Manuel Neuer , war der Chelsea-Profi der Matchwinner im deutschen Team.

"Bei dem Treffer war auch viel Glück dabei, aber er sollte schon genau so kommen", sagte der Torschütze nach der Partie - ein Satz, der genau das widerspiegelt, was Schürrles Verfassung derzeit auszeichnet: Ich weiß, was ich kann. Und das ist einiges.

Özil und Götze konnten Vertrauen nicht rechtfertigen

Dabei brachte es nur der enge Spielverlauf mit sich, dass Schürrle in diesem Achtelfinale überhaupt seinen Einsatz erhielt. Bundestrainer Joachim Löw hatte es von Beginn an erneut mit Mesut Özil und Mario Götze versucht, aber beide konnten das Vertrauen des Trainers nicht rechtfertigen. Götze spielte eine schwache erste Halbzeit, vergab eine Großchance kurz vor dem Seitenwechsel und durfte sich das Spiel nach der Pause von der Bank aus anschauen.

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Und Özil trug sich zwar in die Torschützenliste ein, als er eine Minute vor Schluss einen Abpraller aufnahm und zum 2:0 vollendete. Zuvor jedoch war er 119 Minuten lang erneut den Beweis schuldig geblieben, dass der Mesut Özil der WM 2014 noch der Mesut Özil des Turniers von 2010 werden kann. Er machte das Spiel immer wieder langsam, statt es zu beschleunigen, wie er es an guten Tagen problemlos kann. Einmal lief er mit dem Ball so lange, bis er ihm ins Seitenaus rollte. Der Bundestrainer hat immer wieder seine Überzeugung geäußert, dass Özil in Brasilien seine alte Form wiederfindet. Man wartet jetzt schon vier Spiele darauf.

Schürrle dagegen kam nach 45 Minuten in die Partie, und das Spiel war ein anderes. Schon zwei Minuten später war er an der ersten deutschen Chance beteiligt, am Ende hatte er fünf gute Torgelegenheiten auf seinem Konto. Und ein Tor. "Er hat herausragende Qualitäten im Antritt und Abschluss", lobte anschließend DFB-Neuling Christoph Kramer, "heute hat er uns sehr geholfen."

Schürrle hat Argumente geliefert

Die Frage ist nur, ob er dies im Viertelfinale gegen Frankreich (Freitag, 18 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) wieder tun kann - und zwar von der ersten Minute an. Löw weiß, dass er Schürrle jederzeit einwechseln kann und sofort eine Gegenleistung erhält. Schürrle ist der klassische Joker-Typ, aber - spätestens seit er beim FC Chelsea von José Mourinho taktisch weitergebildet wird - auch einer, der in der Startelf vorstellbar ist.

Er hat das im Vorjahr beim WM-Qualifikationsspiel in Schweden bewiesen, als er beim 5:3-Erfolg dreimal traf, er hat beim letzten Test vor der WM gegen Armenien die Akzente in der Offensive gesetzt. Nun hat er neue Argumente geliefert. Sein Selbstbewusstsein drückt sich auch in den deutlichen Worten nach der Partie aus: "Wenn wir am Freitag so spielen wie heute, dann fliegen wir gegen Frankreich raus."

Löw ist ein geduldiger Trainer, wenn er es sein will. Er gibt Özil vermutlich auch im kommenden Spiel seine Chance - weil er an dessen Durchbruch bei diesem Turnier glaubt. Auch Götze hat bei der WM bisher immer seine Chance gehabt, er hat sie bisher nur gegen Portugal (4:0) zum Auftakt wirklich genutzt.

Jetzt könnte Edel-Joker Schürrle die Gelegenheit bekommen, zu zeigen, dass er eine ganze Mannschaft von Beginn an mitreißen kann; dass er Führungsqualitäten hat, den Takt in der Offensive angeben kann. Verdient hätte er es.

insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
henningr 01.07.2014
1.
Zitat von sysopAP/dpaGegen Algerien war André Schürrle der Matchwinner für die deutsche Mannschaft. Bei der WM kam er bisher nur als Einwechselspieler zum Einsatz. Im Viertelfinale gegen Frankreich könnte sich das ändern. http://www.spiegel.de/sport/fussball/deutschland-schuerrle-trifft-gegen-algerien-bei-wm-2014-in-brasilien-a-978443.html
Wird Schürrle jetzt so hochgejubelt und überschätzt wie seinerzeit Bierhoff oder Ballack - nur weil er ein Tor geschossen hat? Schürrle spielte gestern insgesamt viel zu eigensinnig und war deshalb nicht effektiv. Er profitierte von der neuen Einstellung, die das Team im zweiten Durchgang aufs Feld brachte...
spon-1291274696388 01.07.2014
2. Das war doch Zufall
dass Schürrle den mit der Hacke genommen hatte, war doch kein Absicht wie hier beschrieben. Er war doch schon vorbei und hat den Ball mit ach und krach noch gerade so berührt, eben mit der Hacke. Das war kein cooles "jetzt mach ich mal nen Hackentrickttor"
till2010 01.07.2014
3.
Er war hinter Neuer der effektivste deutsche Spieler. Aber Leistung zählt leider nicht beo Löw (siehe Klose).
prince62 01.07.2014
4.
Zitat von henningrWird Schürrle jetzt so hochgejubelt und überschätzt wie seinerzeit Bierhoff oder Ballack - nur weil er ein Tor geschossen hat? Schürrle spielte gestern insgesamt viel zu eigensinnig und war deshalb nicht effektiv. Er profitierte von der neuen Einstellung, die das Team im zweiten Durchgang aufs Feld brachte...
Völlig richtig, das Tor war wohl ein Versehen und ansonsten glaubte Schürle wohl, daß er der einzige deutsche Spieler auf dem Platze ist, sein schlampiger Torschuß nach Özils Zuckerpaß kurz vor Schluß setzte dem ganzen die Krone auf. Der Schürle paßt bestens zu Mourinho, arrogant und selbstverliebt sind beide.
benedetto089 01.07.2014
5.
Özils Problem ist, dass er rechts spielen muss, wo er viel weniger Freiräume hat als im Zentrum und vor allem auch viel weniger Passmöglichkeiten. Bei einem Spieler, dessen größte Stärke das Passspiel ist, verwundert das nicht so besonders. Götzes Leistungen waren bisher ziemlich schwach. Poldi hat gegen die USA auch nicht überzeugt und ist auch noch angeschlagen. Deswegen soll Schürrle ruhig mal von Anfang an spielen, gestern hat er ja ordentlich Alarm gemacht.
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