DFB-Sieg über Italien Vom Erfolg gezeichnet

Mit einer Energieleistung hat sich Deutschland im Elfmeterschießen gegen die Italiener durchgesetzt. Die nächste Aufgabe wird allerdings nicht leichter: Die Personalsituation ist angespannt.

Aus Bordeaux berichten und


Manchmal ist Fußball so gnadenlos. Die deutsche Nationalmannschaft hat soeben ein grandios spannendes Viertelfinale gegen starke Italiener gewonnen, sie hat die Azzurri im Elfmeterschießen bezwungen, und jetzt wartet schon die nächste Aufgabe. Die möglicherweise noch schwerer, noch anspruchsvoller wird. Am Donnerstag steht das Halbfinale an. Noch steht der Gegner nicht fest, entweder wird es Frankreich oder Island sein. Wenn sich der Favorit durchsetzt, geht es gegen den EM-Gastgeber. Es bleibt nicht mehr viel Zeit zum Durchatmen.

Dabei hätte sich die Elf von Bundestrainer Joachim Löw nach diesem Krimi von Bordeaux eine längere Pause verdient. Löw sprach nach der Partie von "einer Schlacht", bei der es "auch normal ist, wenn sich Spieler verletzen". Das trifft in diesem Fall auf Sami Khedira zu. Er ist einer der Spieler, denen der Bundestrainer immer vertraut. Khedira war bei der EM bislang zwar noch nicht als der große Schlüsselakteur in Erscheinung getreten, aber normalerweise wäre er bei Löw gesetzt.

Mats Hummels
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Mats Hummels

Seine Verletzung in der Frühphase des Viertelfinals macht jetzt allerdings wohl ein Umplanen nötig. "Ich weiß nicht, ob es bei Sami bis zum Donnerstag reichen wird", sagte Löw und ihm war die Skepsis angesichts der Adduktorenverletzung des Juventus-Profis deutlich anzuhören. Gegen die Italiener spielte für ihn Bastian Schweinsteiger immerhin 105 Minuten. Der DFB-Kapitän machte eine solide, aber auch eine sehr unauffällige Partie. Mehr durfte man nach seiner so langen Pause wohl auch noch nicht erwarten und ob derzeit doch schon mehr drin ist, ließ das Viertelfinale unbeantwortet.

Can würde sich auf der Sechs anbieten

Er sei "schon mal erschöpfter gewesen", sagte der 31 Jahre alte Manchester-Profi nach der Partie. Möglicherweise machte ihm sein Fehlschuss im Elfmeterschießen noch mehr zu schaffen als die 105 Spielminuten zuvor. Schweinsteiger ist für Donnerstag in jedem Fall eine Option für die Startelf, aber einen Galaauftritt sollte niemand von ihm erhoffen. Es könnte auch Liverpools Emre Can spielen, der bisher überhaupt noch nicht zum Einsatz gekommen ist. Löw hat schließlich immer gesagt, er vertraue allen 23 Spielern seines Kaders und würde sie ohne Bedenken jederzeit einsetzen. Es wäre einen Versuch wert: Can ist auf jeden Fall topfit und die Sechs ist seine stärkste Position, das hat er in Liverpool bereits hinreichend auf internationalen Niveau bewiesen.

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Deutschlands Sieg gegen Italien: Grenzenloser Jubel

Schwerer als ein möglicher Ausfall Khediras wiegt aber ohnehin die Sperre, die sich Innenverteidiger Mats Hummels kurz vor Ende der regulären Spielzeit eingefangen hatte. Es war eine berechtigte Gelbe Karte nach einem Foul im Mittelfeld. Hummels, seit Freitag auch offiziell Spieler des FC Bayern, hat sich dennoch bereits auf dem Platz extrem darüber geärgert. Er war zuletzt in sehr starker Verfassung gewesen, das Verständnis mit Nebenmann Boateng funktionierte annähernd perfekt. Dieses Duo ist fürs Halbfinale gesprengt.

Benedikt Höwedes oder Shkodran Mustafi müssen am Donnerstag in der Abwehrzentrale einspringen, beide können die Innenverteidiger-Position in der Nationalmannschaft spielen, das haben sie hinlänglich beweisen. Die Klasse von Hummels haben sie allerdings beide nicht.

Erinnerung an Belo Horizonte wird wach

Die 120 Minuten von Bordeaux wegzustecken - das wird die Hauptaufgabe für die nächsten zwei Tage sein. Wunden lecken, Blessuren auskurieren - auch Mittelstürmer Mario Gomez, der seine Bedeutung für die Mannschaft gegen Italien nachdrücklich bewies, hat Muskelprobleme und musste vorzeitig ausgetauscht werden. Ob er am Donnerstag wieder fit ist, konnte Löw noch nicht sagen. Bei ihm sieht es jedoch besser aus als bei Khedira.

Mario Gomez
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Mario Gomez

Ohne Hummels, wohl ohne Khedira - das sind schon deutliche Schwächungen, und Löw wird daher vermutlich dem Außenseiter Island am Sonntag gegen die Franzosen (21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ZDF) intensiv die Daumen drücken. Ohne die Überraschungsmannschaft von der Insel abzuwerten - aber ein Semifinale gegen den Gastgeber wäre die erheblich schwerere Aufgabe: gegen die Mannschaft, gegen das Publikum in Marseille. Normalerweise könnte die Erinnerung an Belo Horizonte ein wenig helfen. Als Deutschland bei der WM in Brasilien auch auf den Ausrichter traf. Das Ergebnis (7:1) ist Stoff für jedes Fußballmuseum.

Aber wie Löw und die Spieler vor dem Italien-Spiel angesichts der miesen Bilanz gegen die Azzurri ja stets betont haben: Spiele aus der Vergangenheit haben keine Bedeutung mehr für das Hier und Jetzt.



insgesamt 213 Beiträge
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Seite 1
dissidenten 03.07.2016
1.
Man sollte jetzt auch nicht zu viel in diesen Zittersieg hineininterpretieren. Es war eine Menge Glück von Nöten, gegen eine italienische Mannschaft, die viel von ihrem ehemaligen Glanz eingebüßt hat.
zbv10 03.07.2016
2. Fußballspiel im Merkelstil.
Sicher langweilig. Nur das Elfmeterschießen war spannend. Kein Wunder, dass sich immer mehr Leute Volksabstimmungen wünschen. Die sind wie Elfmeterschießen. Und was rauskommt, ist Glücksache.
pkokot1 03.07.2016
3. Diese EM ist zum Ausschalten.
Es zeigt nur ein Paar Millionäre, die hinter einem Lederball hinterher laufen, aber mental auf dem Niveau eines pithecanthropus erectus sind.
mc_os 03.07.2016
4. panem et circenses
Zitat von dissidentenMan sollte jetzt auch nicht zu viel in diesen Zittersieg hineininterpretieren. Es war eine Menge Glück von Nöten, gegen eine italienische Mannschaft, die viel von ihrem ehemaligen Glanz eingebüßt hat.
Herzlichen Dank für diese Worte! Und als erster Beitrag im Thread fasst er es perfekt zusammen: Langweilig, glanzlos, Zittersieg. Wenn wir hier nun trotzdem die ersten sieben (7!) Topmeldungen nur über dieses Spiel lesen .....
verbal_akrobat 03.07.2016
5. Zwei Anmerkungen
Erstens, Khedira wurde durch das Faul "planmäßig" aus dem Spiel genommen, von daher haben die Italiener zu vollem Recht verloren! Zweitens, Mats Hummels ist der beste Innenverteidiger der Welt ohne wenn und aber.
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