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DFB-Niederlage gegen Slowakei Nicht flüssig genug

Die Niederlage im Testspiel gegen die Slowakei hat den Bundestrainer nicht viel weitergebracht. Zu irregulär waren die Verhältnisse nach dem Unwetter. Sich auf 23 EM-Spieler festzulegen, bleibt knifflig.

Jonas Hector hat sich bei Joachim Löw durch seine nüchterne Art, Fußball zu betreiben, beliebt gemacht. So wie der Kölner Außenverteidiger auf dem Platz ist, so fallen auch seine Spielanalysen aus: "Ein normales Spiel war das nicht", fasste Hector die 1:3-Testspielniederlage gegen die Slowakei in Augsburg denkbar trocken zusammen.

Und das war auch das einzig Trockene an diesem Abend: Der unwetterartige Hagelschauer, der ab der Halbzeitpause über dem Stadion niederging, machte alle Pläne des Bundestrainers, einen geordneten Testbetrieb für die EM-Endrunde in Frankreich durchzuziehen, zunichte. Stattdessen regierte ab der 46. Minute nur noch der Zufall, und Löws Erkenntniswert, den er sich erhofft hatte, soff regelrecht ab.

"Der Regen hat den Spielfluss natürlich extrem gehemmt", sagte Löw und untertrieb damit noch gewaltig. Der Ball blieb bei jedem Flachpass in einer Pfütze liegen, die Pressefotografen immerhin hatten ihre Freude an den Bildern von Nationalspielern inmitten spritzender Wasserfontänen. Aber für die Debütanten Julian Weigl und Julian Brandt, die erst zu Beginn der zweiten Hälfte eingewechselt worden waren und zeigen wollten, was sie draufhaben, wurde das Spiel ein Muster ohne Wert.

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Länderspiel gegen Slowakei: Drei Regentore zu viel

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So blieb für Erhellendes nur die erste Halbzeit übrig, und da hatte Löw durchaus einiges gesehen, das ihn weiterbrachte. Zum Beispiel die starke Anfangsphase in der Offensive, als Julian Draxler, Leroy Sané und Mario Gomez für ständige Gefahr sorgten und die DFB-Elf auch verdient 1:0 in Führung ging. Aber genauso die Fahrlässigkeiten in der Defensive, "als wir nicht gut organisiert waren und den Slowaken viele Räume gelassen haben". Räume, die die Gäste zu nutzen wussten und das Spiel kurz vor der Pause zum 2:1 drehten. Dazu kam der fast obligatorische Fehler von Schlussmann Marc-André ter Stegen in der Nationalmannshaft, dem der nasse Ball beim 3:1 kurz nach der Pause durch die Beine über die Linie rutschte.

"Unser Vertrauen in ihn wird durch eine solche Situation nicht beschädigt", suchte Löw nach ein paar tröstenden Worten für den Torwart des FC Barcelona, dem im DFB-Dress die Seuche am Finger klebt. Das schnelle Tor nach dem Wiederanpfiff sei "allerdings schon ein Schock für diese junge Mannschaft" gewesen, befand Löw und fügte milde hinzu: "Wir wissen ja, dass er so einen Ball normalerweise hält."

Aber nicht nur ter Stegen schaute nach dem Spiel wie ein begossener Pudel. In den Gegentorsituationen sahen sie alle nicht gut aus, Routiniers wie Sami Khedira ebenso wenig wie Youngster Joshua Kimmich, "wir sind schlecht angelaufen, haben im Zweikampf gepatzt, und die Standards müssen wir auch noch üben", hatte es Abwehrchef Jérome Boateng die Laune verhagelt.

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Einzelkritik Deutschland: Nass gemacht

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Boateng führte das Team in der zweiten Hälfte nach Khediras Auswechslung als Kapitän auf den Platz, auf den Tribünen gab es Plakate, die ihn sich zum Nachbarn wünschten. Wenn die AfD mit ihrer Attacke auf Boateng tatsächlich Stimmung schüren wollte, dann hat sie das erreicht - aber anders, als sie es sich vorgestellt haben mag.

Ohne Manuel Neuer, ohne Thomas Müller, ohne Mesut Özil, Mats Hummels und Marco Reus war die DFB-Elf nach Augsburg angereist, und man merkte ihr an, dass die Leistungsträger fehlten. Da war viel guter Wille im Spiel, so manche schöne Kombination, aber auch viel Stückwerk. In der Defensive liefen viel zu viele Spieler den ballführenden Slowaken an und ließen anderswo Lücken, "links und rechts von Sami Khedira war zu viel offen", analysierte der Bundestrainer.

Löw hat jetzt die knifflige Aufgabe, bis Dienstag weitere Lücken aufzureißen. Er muss aus dem 27er-Kader ein 23er-Aufgebot machen. "Eigentlich hat es niemand von den Spielern verdient, nach Hause zu fahren", sagt er. Ein Quartett wird es dennoch treffen, Kimmich und Sané, die Jungen im Team, haben ihre Chancen gegen die Slowakei nicht verschlechtert, Weigl und Brandt konnten ihr Können nicht zeigen, Löw wird sich auf andere Erkenntnisse verlassen als auf den Eindruck aus diesem verregneten Abend.

"Ein Spiel allein macht keine Entscheidung", sagt der Bundestrainer. Das gilt für diese irreguläre Partie noch mehr als für andere.

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