DFB-Gegner Färöer Fußballer und Schafe

Elfmeter dürfen sie zu Hause zu zweit schießen, in der Fifa-Rangliste stehen sie hinter Grenada: Die Färöer sind ein Fußball-Exot. Trotzdem hat die kleine Nation in der WM-Qualifikation eine Chance, Deutschland zu ärgern - das DFB-Team sah gegen den Inselstaat noch nie gut aus.

REUTERS

Von Florian Schröder


Wenn auf den Färöern ein Elfmeter gepfiffen wird, staunen die Touristen in den Stadien nicht schlecht: Gleich zwei Spieler schreiten zum Elfmeterpunkt, der eine schießt, der andere hält - und zwar den Ball fest, damit dieser nicht wegrollt. Die kleine Inselgruppe im Nordatlantik ist das einzige Mitglied der Fifa, dem dieses Sonderrecht eingeräumt wird. Der Wind ist meist einfach zu stark.

"Ein paar Dinge sind bei uns eben anders", sagt Fróði Benjaminsen, Kapitän der färöischen Fußball-Nationalmannschaft. Von einer Karriere als Fußballprofi kann er allerdings nur träumen: Der 33-Jährige ist eigentlich Zimmermann. Viele seiner Mannschaftskameraden sind Dachdecker, Fischer und Lehrer - und doch treten sie in der Gruppe C zur Qualifikation für die WM 2014 an.

Heute ist die Mannschaft von den Schafsinseln bei der deutschen Nationalmannschaft in Hannover zu Gast. Mehr als 150 Plätze trennen die beiden Mannschaften in der Fifa-Weltrangliste. Vor den Färöern liegen Nationen wie Grenada, Neukaledonien oder die Philippinen. Jeder Punkt und jedes Tor sind ein Erfolg.

Zwei Duelle mit dem DFB-Team während der Quali zur EM 2004

Und doch: Vielleicht gelingt gerade gegen die DFB-Auswahl eine kleine Sensation. Denn in den bisherigen beiden Aufeinandertreffen hat sich die deutsche Elf nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Bei der Qualifikation zur Europameisterschaft 2004 war das damals von Rudi Völler trainierte Team zu einem knappen 2:1 in Hannover und einem 2:0-Auswärtssieg im Rückspiel gekommen. Bis zur 88. Minute hatte es jedoch 0:0 gestanden. Ex-Bundestrainer Völler fand vor allem nach dem Hinspiel nur einen Satz, der die Partie treffend beschrieb: "Ich bin froh, dass dieses Spiel vorbei ist".

Jakup Mikkelsen, 75-facher Nationalspieler der Färöer und hauptberuflich Lehrer, war bereits vor zehn Jahren gegen Deutschland dabei und sicherte sich damals das Trikot von Oliver Kahn für seinen Sohn. Im ersten Qualifikationsspiel für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien steht der mittlerweile 42-Jährige wieder im Kader gegen den haushohen Favoriten. Im letzten Testspiel gegen Island (0:2) rückte er sogar in die Startelf. "Er strahlt sehr viel Ruhe aus. Für meine Mannschaft ist das wichtig", sagt Trainer Lars Olsen. Der Däne wurde als Spieler 1992 Europameister.

Sieg bei der Qualifikationspremiere gegen Österreich

Auf den ganz großen Coup wartet sein Team zwar noch, doch auf einen Erfolg blicken die Färinger besonders gern zurück: In ihrem ersten Pflicht-Länderspiel, einem Qualifikationsspiel zur EM 1992 gegen Österreich, gewann die Mannschaft 1:0. Während das Team aus Österreich sich noch wochenlang Schmährufe und Witzeleien gefallen lassen musste, wurde auf den Färöern sogar eine eigene Hymne nach dem Spiel komponiert. Bei ihrer Rückkehr wurden die Spieler von 20.000 Menschen bejubelt - das ist mehr als ein Drittel der Bevölkerung. Auf der Inselgruppe teilen sich weniger als 50.000 Menschen den Platz mit circa 90.000 Schafen.

Nicht zuletzt war es dieser Sieg gegen Österreich, der Fußball auf den Färöern zur beliebtesten Sportart machte. In der höchsten nationalen Spielklasse, der Effodeildin, spielen mittlerweile zehn Mannschaften. Dabei gibt es nicht nur Hin- und Rückspiel, die Mannschaften treten jeweils dreimal gegeneinander an, damit die Saison nicht zu kurz ausfällt. Zwischen 400 und 700 Zuschauer sehen sich die Spiele durchschnittlich an.

In Olsens Kader für das Länderspiel gegen Deutschland stehen sogar einige Akteure, die den Sprung ins Ausland geschafft haben. So ist zum Beispiel Abwehrspieler Rógvi Baldvinsson in der zweiten englischen Liga bei den Bristol Rovers aktiv. René Joensen, Christian Holst und Daniel Udsen haben es in die erste Liga Dänemarks geschafft. Dennoch spielt der Großteil der Mannschaft in der heimischen Amateurliga.

Für die Elf von Joachim Löw wäre alles andere als ein deutlicher Sieg gegen eine Mannschaft, die eine Bilanz von 18 Siegen und 15 Unentschieden bei 111 Niederlagen aufweist, eine Überraschung.
Überrascht wäre Manuel Neuer mit Sicherheit auch, wenn gleich zwei Färinger zu einem Elfmeter antreten würden. Dies kann allerdings frühestens im Rückspiel passieren.



insgesamt 1 Beitrag
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Philosophie 07.09.2012
1. optional
Die Faröer Inseln in Brasilien wie einst Kamerun 1994 im Viertelfinale .Das wäre doch ein historisches Spiel im Fußballparadies Brasilien...Koestlich .
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