DFB-Niederlage gegen Frankreich Kunstvoll gescheitert

Deutschland spielte im EM-Halbfinale teilweise sehr gut, verlor aber gegen Frankreich. Der Gastgeber profitierte von einer ungeschickten Aktion Schweinsteigers. Alles Wichtige zum Spiel.

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Ausgangslage: Deutschland gegen Frankreich, das klingt wie ein Fußball-Klassiker, hatte vor dem EM-Halbfinale aber nur in vier Pflichtspielen stattgefunden. Dreimal gewann das DFB-Team, Frankreich siegte einzig bei der WM 1958. Das letzte Duell entschied Mats Hummels im Viertelfinale der WM 2014 in Brasilien, jetzt fehlte er wegen seiner Gelbsperre genauso wie die verletzten Sami Khedira und Mario Gomez. Aber der Gastgeber zeigte im Turnier gerade in der Defensive Schwächen. Gegen die trotz der Ausfälle flexible deutsche Angriffsreihe sollte man sich diese nicht erlauben. Auf der anderen Seite trifft die erfolgreichste Offensive des Turniers (elf Tore) auf die beste Abwehr (ein Gegentor).

Startaufstellungen:
Deutschland: Neuer - Hector, Boateng, Höwedes, Kimmich - Schweinsteiger, Kroos, Can -Draxler, Müller, Özil
Frankreich: Lloris - Evra, Umtiti, Kosicelny, Sagna - Matuidi, Pogba - Payet, Griezmann, Sissoko - Giroud

Das Ergebnis: 2:0 (1:0) für Frankreich. Der Gastgeber steht im Finale gegen Portugal. Hier geht es zum Spielbericht.

Die erste Hälfte: Frankreich überraschte das DFB-Team. Mit starkem Pressing setzte die Mannschaft von Trainer Didier Deschamps die Deutschen unter Druck, Neuer rettete das Remis bei einer Großchance durch Antoine Griezmann (7. Minute). Aber dann drehte sich das Spiel und plötzlich zeigte Deutschland seine beste Halbzeit des Turniers. Mit nahezu perfektem Positionsspiel und extrem flexiblen Bewegungen im Angriff hatte die Löw-Elf die Partie im Griff. Can, Müller und Schweinsteiger vergaben aber die besten Chancen zur Führung. Frankreich blieb über Konter stets gefährlich. Erst klärte Höwedes überragend gegen Olivier Giroud, dann gelang Frankreich per Elfmeter die glückliche Führung. Löw war zum Schreien zumute.

Déjà-Vu des Spiels: "Schon wieder?", muss sich Manuel Neuer gedacht haben. Aus dem Spiel heraus blieb er auch gegen Frankreich zur Pause unbezwungen. Aber wie schon gegen Italien kassierte er durch einen Hand-Elfmeter ein Gegentor.

Die zweite Hälfte: Griezmann hatte erneut die erste Torchance, aber wieder kontrollierte Deutschland anschließend das Spiel - kassierte jedoch auch wieder ein Gegentor. Paul Pogba demütigte nach Joshua Kimmichs Ballverlust den eingewechselten Shkrodan Mustafi mit einer fantastischen Bewegung, bei seiner Flanke agierte Manuel Neuer sehr unglücklich - und schon stand es 2:0, wieder durch Griezmann. Kimmich traf später noch den Außenpfosten, ein Draxler-Freistoß ging knapp daneben. Und Torwart Lloris rettete nach Kimmichs Kopfball mit einer Weltklasse-Parade in der Nachspielzeit das 2:0.

Pechvogel des Spiels: Jérôme Boateng musste das Halbfinale in der zweiten Halbzeit verletzungsbedingt beenden. Auf der Bank tat er es seinem Trainer gleich und erinnerte schnell an ein Kunstwerk - passenderweise das der "Mater Dolorosa", der Schmerzensmutter.

Das Positionsspiel der deutschen Mannschaft: Die 4-3-3-Grundformation von Joachim Löw verschob sich stets flexibel. Emre Can ging aus dem zentralen Mittelfeld immer wieder zu Müller in die Spitze vor, auf der rechten Seite stand Kimmich häufig höher als Außenspieler Özil, der dafür aus der Tiefe kam und beim Spielaufbau half - oder anstelle von Can selbst in die Spitze vorrückte. Auf der linken Seite spielte auch Hector sehr offensiv, dafür rückte Draxler vom linken Flügel weiter ins Zentrum, um dort ebenfalls Müller zu unterstützen. Das drängte Frankreich weit in die eigene Hälfte, brachte aber zunächst nur wenige Torchancen.

Ein Problem des deutschen Angriffsspiels: Durch die hohe Besetzung der Außenpositionen und dadurch, dass Frankreich das Spiel in der Mitte sehr eng machte, ergaben sich für Deutschland viele Angriffe über außen - von dort kamen die Flanken allerdings viel zu ungenau, um die möglichen Abnehmer in der Zentrale zu bedienen.

Der Geist Islands: Die größte Überraschung des Turniers mag im Viertelfinale ausgeschieden sein, seine Fankultur hat Island jedoch hinterlassen. Die Franzosen stimmten vor, während und nach dem Spiel die fast schon legendären "Huuuhh"-Rufe an - zumindest vor dem Spiel mit Unterstützung der deutschen Anhänger.

Erkenntnis des Spiels: Deutschland machte extrem viel richtig, das reichte gegen eine stark verbesserte französische Defensive aber nicht. Und dann genügt eben ein überragender Antoine Griezmann, um das EM-Halbfinale zu entscheiden.

Im Video: Ende des deutschen Titeltraums



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xlabuda 08.07.2016
1. der ist ja so högscht wichtig für die Manschaft, dass er von Anfang an
dass er von Anfang an spielt. Das ganz Turnier hindurch sind Kroos, Özil, Schweinsteiger, Müller schon Totalausfälle. Und Draxler hatte noch nie Wunderfüsse, nur einmal.
xlabuda 08.07.2016
2. fussballerisch mit Stand vor 2010
der tolle Junge auf Aussen war zume ersten Mal richtig gefordert - und hat versagt.
lasalette13 08.07.2016
3. Löw der beste Trainer für Deutschland !
Er kommt noch vor Beckenbauer+Vogt ! Tut mir fürLöw lwid ! Für die Dummheit von Schweini und Neuer haben wir den Titel verloren. Andererseits ist es kein Beinbruch und es gibt viel wichtigere Dinge als Fussball ! Was eben ägerlich ist, dass Frankreich NUR von den 2 Fehlern profitiert !
Oihme 08.07.2016
4. Wen wundert´s?
Pleite mit Ansage! Müller: Der von vornherein erwartete Totalausfall! Schweinsteiger: Wollte offenbar allen Kritikern zeigen, dass er doch in die N11 gehört; Anfangs gut, aber übermotiviert, und nach seinem Handspielaussetzer innerlich zusammengebrochen. Hatte danach bis zur überfälligen Auswechslung in der 2. Hz. sein verbliebenes Pulver restlos verschossen. Can: Wie erwartet schnell gelbe Karte und danach vorsorglich wieder rausgenommen, bevor er die rote Karte bekommt. Kimmich: Genau der überschätzte und überforderte Spieler, den schon nach dem Italien-Spielr viele in ihm gesehen haben. Kaum eine Flanke kam an. Götze: Was sollte der in einem Team ausrichten,. den ein Mittelstürmer fehlt, weil Löw bei der Kaderzusammenstellung hochnäsig meinte, Gomez und die im offensiven Mittelfeld und die auf Außen würden es schon richten, Und der dafür lieber Podolski aus Pausenclown nominierte. Wäre Poldi heute wenigsten eingewechselt worden, der hätte auch mal aus der Distanz geschossen ... Neuer: Beim 2:0 Opfer seiner eigenen Arroganz Hector: Wieder kam kaum eine seiner Flanken an. Schmelzer, der beste linke AV der letzten Saison, fehlte bitterlich. Weigl: Die große Entdeckung der letzten Saison sah als einziger im Kader (außer den Ersatztorhütern) ohne eine Spielminute zu bekommen. Genau wie seine Clubkameraden Durm, Ginter und Großkreutz bei der WM. Kein Zufall, denn die BVB´ler sind für Löw bekanntlich nun mal grundsätzlich im falschen Verein. Und Löw und Bierhoff meinen dann zu allem Überfluss noch, wir seien die bessere Mannschaft gewesen und hätten nur Pech gehabt! Dass Löw beim Interview hinterher offen gelassen hat, ob er beim nächsten Länderspiel auf der Trainerbank sitzt, war das einzige vom heutigen Spiel, was Hoffnung macht.
isaban 08.07.2016
5.
Schweinsteiger und Podolski haben nie gelernt so verantwortungsvoll zu sein wie Lahm, Mertesacker oder Klose und die NM nicht verlassen. Sie haben das Vertrauen des Mannschaftstrainers wieder ausgenutzt und zwei wichtige Positionen besetzt gehalten, wo andere eine Chance verdient hätten.
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