DFB-Keeper Neuer Der Ordnungshüter

Deutschland gegen Polen, das ist auch das Duell Robert Lewandowski gegen Manuel Neuer. Der Torwart ist schon wieder in überragender Form. Wenn es ernst wird, ist er am besten.

DPA

Aus Paris berichten und


Und wieder wird es auf ihn ankommen. Am Donnerstag (21 Uhr; High-Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ZDF) brennen die Polen darauf, dem Weltmeister Deutschland eine Niederlage beizubringen. Sie haben Robert Lewandowski dabei, den Torschützenkönig der Bundesliga, einen der besten Stürmer Europas. Es sind die Spiele, die Manuel Neuer besonders liebt.

Über die Qualitäten von Deutschlands Schlussmann zu schreiben, ist eigentlich müßig. Seit 2010 ist er die Nummer eins im DFB-Tor, er hat der Mannschaft seitdem in vielen Spielen den Hals gerettet. Im WM-Achtelfinale gegen Algerien vor zwei Jahren mit seinen atemberaubenden Ausflügen bis an die Mittellinie, im Viertelfinale gegen Frankreich mit einem imposanten Reflex gegen Karim Benzema in der Schlussminute. Eine Aktion, bei der man anschließend mehrere Zeitlupen brauchte, um zu erkennen, wie Neuer diesen Ball noch erreicht hatte. Wer behauptet, ohne Manuel Neuer sei Deutschland kein Weltmeister geworden, der muss erst einmal mit sehr triftigen Gegenargumenten überzeugt werden.

Jetzt ist Neuer Kapitän dieser Mannschaft, solange Bastian Schweinsteiger noch in der Regenerationsphase steckt. Und es scheint, als habe diese neue Rolle den 30 Jahre alten Bayern-Keeper noch ein bisschen wacher, konzentrierter, stärker gemacht. Gegen die Ukraine in Lille parierte er in der ersten Halbzeit einen Kopfstoß von Ewgeni Chatscheridi, der eigentlich nicht haltbar war. Ein wuchtiger Kopfball, aus kürzester Entfernung, sogar noch einigermaßen platziert. Neuer riss, man fragt sich wie, die Faust hoch und bugsierte den Ball aus der Gefahrenzone. Die "Süddeutsche Zeitung" ernannte ihn danach zum "Terminator".

In unwichtigeren Spielen gönnt er sich seine Schwächen

Es ist die ganz große Qualität Neuers, dass er dann am besten ist, wenn es am meisten darauf ankommt. In Testspielen zeigt er schon mal eine Schwäche, und dann verdaddelt er sich auch mal, wenn er ein Dribbling versucht. Das sind die Momente, bei denen man denkt: Irgendwann, bei irgendeinem wichtigen Spiel, geht so etwas schief. Aber auf diesen Augenblick wartet man in der Nationalmannschaft seit sechs Jahren.

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Neuer ist auch mit 30 noch ein Torwart, dessen Spielweise manchmal grenzwertig ist. Seine Attacke im WM-Finale gegen den Argentinier Gonzalo Higuaín an der Grenze zum Feldverweis fand am Sonntag ihre Entsprechung, als er kurz vor Schluss den Ukrainer Jaroslaw Jakizky im Strafraum wegcheckte. Das ist die andere Seite des Torwartspiels von Neuer. In beiden Fällen wurde er vom Schiedsrichter verschont. Es sind Aktionen, die Neuer eigentlich nicht nötig hätte - aber die zu ihm gehören. Weil Neuer denkt wie ein Feldspieler.

Nach der Ukraine-Partie lobte Neuer, dass die Mannschaft nach der chaotischen Phase vor der Pause in der zweiten Hälfte "wieder Ruhe und Ordnung ins Spiel gebracht" habe. Ruhe, das ist sein Stichwort. Neuer hat auf dem Feld noch nie Hektik ausgestrahlt, sein fast stoisches Mienenspiel über die 90 Minuten gehört zu ihm wie der berühmte Reklamierarm, der bei Offensivaktionen des Gegners so reflexartig nach oben schnellt wie bei einer seiner Paraden.

Ihm nimmt man den Sachbearbeiter ab

Neuer ist der Fixpunkt im Team, Löw käme nie auf den Gedanken, ihn auszutauschen. Er ist auch deshalb so unumstritten, weil er ausstrahlt: Mich kann nichts aus der Ruhe bringen, und erst recht nicht ihr Stürmer von der anderen Seite. Dass er in einem Werbespot einen ebenso langweiligen wie bodenständigen Sachbearbeiter einer Softwarefirma spielt, würde man keinem anderen Nationalspieler abnehmen. Ihm schon.

Als im Vorjahr bei der EM-Qualifikation Deutschland auf Polen gestoßen war, stand es im entscheidenden Spiel um den Gruppensieg kurz vor der Pause 2:1 für die Löw-Elf. Die Polen drängten auf den Ausgleich, das Spiel stand auf der Kippe, die deutsche Abwehr war ins Schwimmen geraten, plötzlich bekam Lewandowski, Neuers Mannschaftskollege bei den Bayern, den Ball kurz vor der Strafraumgrenze zentral zugespielt, Lewandowski nahm Maß, er legte alles in den Schuss, der Ball flog perfekt in Richtung Torwinkel, es wäre ein Tor des Monats geworden. Neuer riss die Arme hoch und lenkte den Schuss über die Latte. Polen hatte danach fast keine Chancen mehr. Sie hatten es aufgegeben gegen diesen Manuel Neuer.

Am Donnerstag gibt es das nächste Aufeinandertreffen. Manuel Neuer freut sich drauf.

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Seite 1
stoffi 15.06.2016
1.
Ich denke, das wird ein 50:50 Spiel. Viele Spieler kennen sich aus der Bundesliga. Können wir Blatschikwski und Lewadowski unter Kontrolle bringen, haben wir schon fast gewonnen. Ich weiss nicht, ob die Namen richtig geschrieben sind, Entschuldigung
Germanenkrieger 15.06.2016
2. 50 zu 50 ?
Also bitte. 50 zu 50 ? Gegen Polen. Ich dachte wir sind Weltmeister und wollen Europameister werden. Polen in allen Ehren. Die haben sicherlich die beste Mannschaft seit Jahrzehnten. Aber HALLO. WIR sind Weltmeister (völlig verdient). Ich tippe auf einen klaren Sieg des DFB. Alles andere wäre eine Überraschung.
widower+2 15.06.2016
3. Neuer!
Wenn er noch ein paar Jahre so weiter macht, wird er unbestritten zu den besten Torhütern aller Zeiten zu zählen sein. Der Junge ist einfach unglaublich!
P.Niss 15.06.2016
4. Neuer
"...Der Torwart ist schon wieder in überragender Form. Wenn es ernst wird, ist er am besten." Wartet doch erst einmal ab, bis es WIRKLICH ernst wird. Was wollt Ihr dann noch schreiben?
batig 16.06.2016
5.
Zitat von stoffiIch denke, das wird ein 50:50 Spiel. Viele Spieler kennen sich aus der Bundesliga. Können wir Blatschikwski und Lewadowski unter Kontrolle bringen, haben wir schon fast gewonnen. Ich weiss nicht, ob die Namen richtig geschrieben sind, Entschuldigung
Warum 50:50? Weil die DFB-Elf im Hinspiel der Qualifikation mit viel Pech und vielen Verletzten verloren hat? Damals fehlte trotz drückender Überlegenheit einfach das Schlachtenglück (28:5 Torschüsse und 10:2 Torchancen für Deutschland). Natürlich: Deutschland könnte erneut gegen Polen verlieren, dafür müsste es aus Sicht unserer Nachbarn aber schon alles passen.
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