Rassistische Beleidigungen gegen DFB-Profis Warum dieser Fan seine Tochter nicht mehr mit ins Stadion nimmt

Dieses Video geht gerade viral: Mit emotionalen Worten berichtet der Journalist André Voigt von rassistischen Attacken gegen Leroy Sané und Ilkay Gündogan. Wir haben mit ihm über den Vorfall gesprochen.

facebook.com/DreVoigt/

Von Jonas Hüster


Der Journalist André Voigt saß mit seiner Familie im Fanblock, als die deutsche Nationalmannschaft am Mittwoch gegen Serbien (1:1) spielte - und plötzlich drei Zuschauer die DFB-Spieler Leroy Sané und Ilkay Gündogan rassistisch beleidigten. Von diesem Vorfall erzählt Voigt in einem Video, das er bei Facebook veröffentlicht hat.

Er ist in dem knapp vier Minuten langen Beitrag den Tränen nahe, immer wieder versagt die Stimme, er muss abbrechen. "Du sitzt da mit deiner zweijährigen Tochter, und denkst dir, wo geht das hin?", sagt er. Das Video zählt über 150.000 Aufrufe und wurde in den sozialen Netzwerken tausendfach geteilt.

Das soll passiert sein: Drei alkoholisierte Männer, die in der Nähe des Journalisten saßen, sollen den Manchester-City-Spieler Sané mehrfach als "Neger" beleidigt haben. Auch Teamkollege Gündogan sei als "der Türke" bezeichnet und "Pseudo-Türkisch" gesprochen worden, wenn der 28-Jährige am Ball war. Die Attacken selbst sind in dem Video nicht zu sehen, dies wurde erst nach der Partie aufgenommen.

In seinem Facebook-Video berichtet Voigt unter anderem davon, dass er in der zweiten Hälfte die Männer zur Rede stellte. "Durch den steigenden Alkoholpegel ist es immer schlimmer geworden", sagt Vogt. Von anderen Zuschauern habe er keine Unterstützung erhalten. Eine Sitznachbarin soll die Männer sogar bekräftigt haben. Kurz bevor er das Video abbricht, appelliert er für mehr Zivilcourage: "Wenn ihr sowas erlebt, sagt was." (Rassismus in der Fankurve - was man als Fußballfan dagegen tun kann, mehr darüber lesen Sie hier.)

DFB meldet Vorfall, Polizei ermittelt bereits

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat Voigt inzwischen kontaktiert und wollte die Sitzplatznummern haben. "Wir werden alle Möglichkeiten, die wir haben, ausschöpfen, um dagegen vorzugehen", sagte Nationalmannschaftssprecher Jens Grittner. "Wir sind eng mit den zuständigen Behörden im Austausch."

Der DFB hat den Sachverhalt bei der Polizei gemeldet und wartet derzeit noch auf Rückmeldung vom Ordnungsdienst aus dem Stadion. Die Polizei in Wolfsburg hat bereits Ermittlungen eingeleitet. In einem Twitter-Post distanzierte sich das DFB-Team am Nachmittag von Rassismus.

Voigt ist Chefredakteur des Basketballmagazins "Five Magazin". In der Vergangenheit hatte er auch für SPIEGEL ONLINE geschrieben. In der Wolfsburger Arena war Voigt allerdings privat. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE äußert er sich zu den Erlebnissen - hier sehen Sie das Video:

facebook.com/DreVoigt/
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