Deutschlands Sieg über die Slowakei Endlich schön

Destruktiver Fußball, wenig Tore: Die EM droht als eine der defensivsten in die Geschichte einzugehen. Zum Glück gibt es die deutsche Mannschaft. Alles Wichtige zum DFB-Erfolg gegen die Slowakei.

Deutsche Nationalspieler
AP

Deutsche Nationalspieler

Von


Ausgangslage: Es ist keinen Monat her, da traf die deutsche Mannschaft schon einmal auf die Slowakei. In einem Testspiel verlor der Weltmeister 1:3, und hinterher war die Sorge groß um die deutsche Defensive. Im Spielbericht auf SPIEGEL ONLINE hieß es damals: "Es ist noch sehr leicht, gegen diese Mannschaft Tore zu erzielen." Nun, im Achtelfinale gegen denselben Gegner, würden solche Abwehrschwächen wohl das EM-Aus bedeuten.

Die Aufstellungen

Deutschland: Neuer - Kimmich, Boateng, Hummels, Hector - Khedira, Kroos, T. Müller, Özil, Draxler - Gómez

Slowakei: Kozácik - Pekarik, Skrtel, Durica, Gyömber - Hrosovsky, Skriniar, Hamsik - Kucka, Duris, Weiss

Ergebnis: 3:0 (2:0) für das DFB-Team, das nach den Toren von Jérôme Boateng (8. Minute), Mario Gómez (43.) und Julian Draxler (63.) im Viertelfinale steht. Hier gehts zum Spielbericht.

Fotostrecke

18  Bilder
Sieg gegen Slowakei: Muskelspiele des Weltmeisters

Die erste Halbzeit: War die beste der deutschen Mannschaft bei dieser EM. Deutschland schnürte die Slowaken in deren Defensive ein und wirkte dabei so dominant, dass man sich an ein Bundesligaspiel zwischen dem FC Bayern und [bitte beliebigen Gegnernamen einfügen] erinnert fühlte. Zwei Dinge beeindruckten besonders: Der unheimlich starke Spielaufbau der deutschen Mannschaft, der die slowakischen Pressingansätze zerpflückte; und die Art, wie das Team bereits tief in der gegnerischen Hälfte verteidigte und die Offensivbemühungen der Slowakei früh erstickte. Das Resultat: Deutschland konnte sich einen verschossenen Özil-Elfmeter leisten und führte zur Pause trotzdem souverän 2:0.

"Ausgerechnet!" des Spiels: 63 Anläufe hat Jérôme Boateng benötigt, nun ist ihm sein erster Länderspieltreffer gelungen. Der vielleicht beste Verteidiger der Welt drosch den Ball nach einer Ecke aufs Tor und hatte dabei etwas Glück, dass der Schuss von Milan Skriniar abgefälscht wurde (8. Minute). Damit erzielte ausgerechnet der Spieler die Führung, der zuletzt aufgrund seiner Wadenblessur, vor allem aber den rassistischen Äußerungen von AfD-Vize Alexander Gauland zum Dauerthema in den Medien geworden war. Daran wird sich in den kommenden Tagen nichts ändern.

Nervenschwäche des Spiels: Ach was, des Turniers! Denn nicht nur für Mesut Özil gilt, dass ein Strafstoß noch lange kein Tor bedeutet. Özil scheiterte mit seinem mäßig geschossenen Elfmeter am slowakischen Keeper Matús Kozácik (13.). Damit befindet er sich in bester Gesellschaft, denn bei der EM sind bislang genauso viele Strafstöße verschossen wie verwandelt worden (jeweils fünf, Elfmeterschießen nicht mitgezählt). Özil machte übrigens trotzdem ein gutes Spiel, Beleg dafür sind acht Torschussbeteiligungen.

Die zweite Halbzeit: War spätestens nach Draxlers sehenswertem 3:0 entschieden. Weitere "Highlights" waren die Einwechslungen von Lukas Podolski, der sein Debüt bei dieser EM gab und mit Sprechchören gefeiert wurde, und die Szene, als sich Thomas Müller mit dem Kopf voran in einen Freistoß von Juraj Kucka warf.

Gewinner des Spiels: Hier könnte etwas stehen über Julian Draxler, der stets das Besondere zeigen will und sich damit oft übernimmt, gegen die Slowakei aber endlich zauberte. Oder Mario Gómez, der vor Kurzem noch abgeschrieben schien und nun sein zweites Tor in Folge erzielt hat. Zu den großen Gewinnern zählen aber auch die Zuschauer, die nach den von Vorsicht und Passivität geprägten bisherigen Achtelfinalpartien nun ein Spiel zu sehen bekamen, in dem eine Mannschaft in Ballbesitz und gegen den Ball angriffslustig auftrat. Das war schöner Fußball. Endlich.

Erkenntnis: Abwehrsorgen? Längst vergessen! Die Defensivprobleme aus dem Slowakei-Test sind nicht nur behoben, Deutschland ist sogar die einzige Mannschaft bei der EM, die kein Gegentor kassiert hat. Das heißt nicht, dass das DFB-Team jetzt automatisch der Favorit auf den EM-Titel ist. Aber die Chancen stehen sicher nicht schlecht.



insgesamt 118 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
maxgil 26.06.2016
1. Tolles
Spiel. Bei Müller ist zwar irgendwie der Wurm drin aber sei's drum. Jetzt kommen aber andere Kaliber. Wird schon!!
Bueckstueck 26.06.2016
2. Tomaten von den Augen runter!
Der Schuss von Boateng wurde übrigens nicht abgefälscht. Er wurde tatsächlich von zwei slowakischen Füssen erst etwas zur einen und dann anschliessend wieder zur anderen Seite auf die ursprüngliche Flugbahn korrigiert - man sieht sowohl aus der Torwart- als auch Boateng-Sicht sehr schön das der Ball letztendlich wie an der Schnur gezogen ins Tor geht. Also nix Glück. Wurde doch oft genug wiederholt um das mitzukriegen...
j.schiffmann 26.06.2016
3. ...
"... dass man sich an ein Bundesligaspiel zwischen dem FC Bayern und [bitte beliebigen Gegnernamen einfügen] erinnert fühlte." - Wenn ich jetzt Borussia Mönchengladbach einsetze - so schlecht gings für Deutschland nicht aus...
uwelmeyer 26.06.2016
4. Umkehr
Nach 1:3 in Augsburg. jetzt 3:0. weiter so !
iunixes 26.06.2016
5. Das nächste Spiel ist immer das Schwerste
Klasse deutsche Mannschaft, wieder mit Problemen in der Chancenverwertung, aber klasse Verteidigern, die der Offensive tolle Impulse gaben. Bezeichnend, dass das erste Tor vom "besten Verteidiger der Welt" gemacht wurde und keinem Angreifer. Was la "Mannschaft" tatsächlich Wert ist , werden wir im nächsten, wahrscheinlich tatsächlich schwersten Spiel sehen, wenn die Jungs auf Spanier oder Italiener trifft. Sollten sie das gewinnen, glaube ich an den Erfolg in der EM.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.