Deutschlands 3:0 gegen Tschechien Unfassbar

Überrascht hat Joachim Löw den Gegner nicht. Das DFB-Team war für Tschechien trotzdem nicht zu fassen - auch weil Mario Götze die richtigen Räume besetzte. Alles Wichtige zum Spiel.

Mario Götze (l.)
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Mario Götze (l.)


Ausgangslage: Es gibt ja keine kleinen Gegner mehr - nicht einmal in der WM-Qualifikation. Bundestrainer Joachim Löw hatte entsprechend bei jeder Gelegenheit gemahnt, "dass Tschechien die Mannschaft ist, die uns in der Gruppe am meisten fordern wird". Wenn allerdings der Weltmeister in einem Heimspiel auf eine tschechische Auswahl ohne echte Stars trifft, wird über die Favoritenrolle nicht mehr diskutiert. Die nächsten drei Zähler auf dem Weg zur Endrunde 2018 in Russland, das war der klare Auftrag an das DFB-Team. Punkt.

Startformationen:
Deutschland: Neuer - Kimmich, Boateng, Hummels, Hector - Khedira, Kroos - Müller, Özil, Draxler - Götze.
Tschechien
: Vaclik - Kaderabek, Sivok, Suchy, Novak - Petrzela, Horava, Pavelka, Krejci - Dockal, Vydra

Das Ergebnis: 3:0 (1:0). Hier geht's zum Spielbericht.

Keine Experimente: Zum mittlerweile 140. Mal hat Joachim Löw das deutsche Team am Samstag als Bundestrainer betreut, damit in dieser Kategorie auch Helmut Schön übertroffen. Nur Sepp Herberger liegt mit 168 Spielen noch vor Löw. Der setzte in Hamburg auf Bewährtes: Gleich neun Weltmeister von 2014 standen in der Startelf, einzig Jérôme Boateng kam im Vergleich zum 3:0-Erfolg in Oslo neu ins Team. Ansonsten war alles wie immer: ein etwas mürrischer Jens Lehmann als RTL-Experte, ein Luftwaffenmusikkorps, Löws 4-2-3-1-Grundordnung mit den hohen Außenverteidigern. Länderspiele sind inzwischen Rituale.

Die erste Hälfte: Die Zuschauer sahen eine deutsche Elf, die ihren Gegner von Beginn an unter Druck setzte. Bis zur ersten echten Tormöglichkeit dauerte es dennoch 13 Minuten: Mario Götze gab den Ball von links in die Mitte, Mesut Özil verlängerte auf Thomas Müller, der gegen die Bewegungsrichtung des tschechischen Keepers Tomás Vaclik zur Führung einschob. Das DFB-Team hatte weitere gute Chancen: Julian Draxler (23./38. Minute), Müller (25./38.) und Götze (31.) verpassten das mögliche 2:0 - einzig die Chancenverwertung passte im ersten Durchgang nicht.

Thomas Müller erzielt das 1:0 (13. Minute)
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Thomas Müller erzielt das 1:0 (13. Minute)

Falsche Neun: Mario Gomez fehlte auch beim zweiten Qualifikationsspiel verletzt. Also wieder so eine halbgare Nummer ohne klassischen Mittelstürmer? Von wegen. Das Offensivspiel des DFB-Teams funktionierte gegen die biederen Tschechen exzellent. Auch, weil Mario Götze körperlich in besserer Verfassung ist als bei der EM-Endrunde in Frankreich. Der Dortmunder war extrem viel unterwegs, ließ sich bei Bedarf fallen, wich nach links aus, wich nach rechts aus. So funktioniert die falsche Neun.

Die zweite Hälfte: Ist schnell erzählt. Die ersten Minuten nach Wiederanpfiff standen die Gäste mit einer Sechserkette vor dem eigenen Tor, am Spiel änderte sich aber wenig. Joshua Kimmichs präzise Vorarbeit brachte an der Strafraumgrenze Toni Kroos in Schussposition, der erzielte überlegt das 2:0 (49.). In der 65. Minute schickte Özil Jonas Hector hinter den Tschechenriegel, dessen scharfe Hereingabe drückte Thomas Müller im Zentrum zum 3:0 ins Netz. Game over.

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DFB-Sieg gegen Tschechien: Gomez? Wer?

Erkenntnis des Spiels: Zumindest für Tschechien war die deutsche Auswahl an diesem Abend nicht zu fassen. Individuell war das DFB-Team überlegen. Es verfügte zudem über zahlreiche Mittel, Torgefahr zu kreieren: Lange Diagonalbälle von Hummels oder Boateng, Özils Pässe aus dem Zehnerraum, dazu zwei gefährliche Flügelverteidiger. Mario Götze war fast überall, Thomas Müller endlich wieder torgefährlich - was soll da auf dem Weg zur WM 2018 noch schiefgehen? Vor allem, wenn das wirklich der Gegner war, der das deutsche Team in der Gruppe am meisten fordern wird.



insgesamt 20 Beiträge
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jnek 09.10.2016
1. Etwas vergessen
Wenn Götze schon "überall" gewesen sein soll, dann sollte man zumindest wissen, dass er gefühlt die Hälfte seiner Zeit dort im Abseits war.
Wolfgang Maier 09.10.2016
2. 2 Dinge sind nach diesem Spiel klar,
ein Gomez wäre besser in Istanbul geblieben. Den braucht Wolfsburg nicht und die N11 erst recht nicht. Und das Götze bei Dortmund wieder so wird wie er mal war ist ein Beweis dafür das große und junge Talente in München verheizt werden. Er ist nicht der erste Spieler und bestimmt auch nicht der letzte. Aber das Geld ruft halt immer wieder.
noalk 09.10.2016
3. Gomez fehlte?
Gomez spielte nicht mit. Ich hatte aber nicht den Eindruck, dass er gefehlt hat.
briancornway 09.10.2016
4. Prima Vorstellung
... und auch mehr Zug zum Abschluss als in den letzten 2 Jahren. Auch sehr schön, dass Götze hier mal gewürdigt wird, egal ob Tor oder Zaubertrick. Manchmal hat er mit wechselnden Helfern über Minuten verhindert, dass der Gegner überhaupt bis zur Mittellinie kam. Was der vorne als erster Störer an Sprints gelaufen ist, das war beeindruckend. Beste Spieler waren aber natürlich Özil und Hummels. Gerade Özil wird mit der "10" noch stärker.
mundi 09.10.2016
5. Sehr schwache Verteidigung der Tschechen.
3:0 gegen eine eher durchschnittliche Mannschft der Tschechen sieht prächtig aus. Allerdings verteidigte der Gegner unterirdisch. So konnten manchmal ungedeckt 2 deutsche Stürmer vor dem Tor ihre Ungefährlichkeit beweisen. Zudem war die Passgenauhigkeit der Tschen schlechter, als bei den unteren Mannschft der deutschen 2. Liga.
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