Deutschlands Sieg gegen Ungarn Testphase beendet? Von wegen!

Die Generalprobe gegen Ungarn sollte die Turnierphase einläuten. Aus Sicht des DFB-Teams klappte einiges, anderes nicht. Das galt allerdings auch für den Schiedsrichter. Alles Wichtige zum Spiel.

Mesut Özil (l.), Thomas Müller
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Mesut Özil (l.), Thomas Müller

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Ausgangslage: "Die Testphase ist für uns vorbei", sagte Deutschlands Co-Trainer Thomas Schneider am letzten Tag des Trainingslagers in Ascona. Das ist vielleicht gut so. In den vergangenen vier Testspielen kassierte Deutschland drei Niederlagen, zuletzt beim 1:3 gegen die Slowakei. Jetzt steht der endgültige Kader, gegen Ungarn kommt es zu einem letzten Freundschaftsspiel vor dem EM-Start. Eine gelungene Generalprobe soll dafür sorgen, dass die DFB-Auswahl mit einem guten Gefühl ins Turnier startet.

Ergebnis des Spiels: 2:0 für Deutschland. Hier gehts zum Spielbericht.

Die Startaufstellungen:
Deutschland:
Neuer - Hector, Rüdiger, Boateng, Höwedes - Kroos, Khedira, Özil, Draxler, Müller - Götze
Ungarn: Király - Kádár, Gudzmics, Lang, Fiola - Pintér, Nagy, Lovrencsics, Kleinheisler, Dzsudszák - Szalai

Löws Personalpolitik: Vier Plätze scheinen in der deutschen Startelf noch nicht fest vergeben zu sein. Antonio Rüdiger (Innenverteidigung), Benedikt Höwedes (Rechtsverteidiger), Julian Draxler (Linksaußen) und Mario Götze (Angriff) bekamen gegen Ungarn von Beginn an die Chance, sich ein letztes Mal zu empfehlen. In der Einzelkritik lesen Sie, wie sich die Spieler geschlagen haben. Genau wie Julian Weigl blieben Joshua Kimmich und Shkodran Mustafi 90 Minuten auf der Bank, das spricht gegen einen Einsatz im ersten Spiel.

Mario Götze und Joachim Löw
DPA

Mario Götze und Joachim Löw

Die erste Hälfte: Es war keine Minute gespielt, da standen zwei Spieler im Mittelpunkt, die noch um ihren Stammplatz kämpfen. Götze spielte auf Draxler, der schob den Ball ins Tor. Der Treffer zählte nicht (dazu später mehr). Deutschland tat sich gegen tief stehende Ungarn schwer, Rüdiger vergab die beste Chance per Kopf. Manuel Neuer und Rüdiger vereitelten je einmal den Rückstand. Thomas Müller scheiterte aus der Distanz. In Folge eines schönen Angriffs über die linke Seite erzielte Ungarns Adam Lang ein Eigentor.

Die zweite Hälfte: Deutschland kontrollierte das Spiel, verwaltete die Führung und legte plötzlich nach. Müller traf per Abstauber. Spätestens jetzt war es ein "klassisches Testspiel", wie auch ZDF-Kommentator Oliver Schmidt feststellte. Die DFB-Auswahl brachte die Führung ereignislos und souverän über die Zeit.

Abseits oder kein Abseits: Drei Tore fielen im Spiel, nur zwei zählten - und bei allen bewertete das Schiedsrichtergespann um den Schweden Martin Strömbergsson die Abseitsregel falsch. Draxlers Treffer zählte zu Unrecht nicht, das Eigentor sowie Müllers Treffer waren nicht regulär.

Die deutschen Schwächen des Spiels: Dafür, dass Ungarn nur selten in der gegnerischen Hälfte zu finden war, ergaben sich zunächst zu viele brenzlige Gelegenheiten. Zeitweise fehlte die letzte Aufmerksamkeit. Offensiv wurde Deutschland selbst zu selten gefährlich. Ungarn verteidigte teilweise mit fünf bis sechs Spielern in einer Kette. Es ergaben sich kaum Lücken und damit nur wenige Torraumszenen.

Die deutschen Stärken des Spiels: Auch wenn sich nicht viel Chancen ergaben, das DFB-Team hat bewiesen, dass es zumindest unterschiedliche Angriffspläne hat. In der ersten Hälfte, mit Götze im Angriff, versuchten die Gastgeber es mit flexiblen Laufwegen und schnellem Kurzpassspiel - und kamen so zum 1:0, der gute Angriff über links erzwang das Eigentor. Nach der Pause stand der klassische Stürmer Gomez auf dem Platz, Deutschland passte seinen Stil an und versuchte es vermehrt mit hohen Bällen über die ungarische Abwehr und Flanken - und kam so zum 2:0. Auch die Chancenauswertung passte: Drei Schüsse aufs Tor, einer war drin, plus das Eigentor.

Erkenntnis des Spiels: Testphase beendet? Von wegen. Deutschland probierte noch viel aus, einiges klappte, vieles noch nicht. Das Hauptziel der Generalprobe ist dennoch geschafft: Das Team von Joachim Löw geht mit einem Sieg im Rücken ins Turnier, die umformierte Abwehr ließ keinen Gegentreffer zu. Immerhin. Jetzt hat Joachim Löw noch acht Tage Zeit, den EM-Modus tatsächlich einzuleiten.



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Seite 1
rambazamba1968 04.06.2016
1. Eine Erkenntnis
hat man auch gewonnen. Schweinsteiger ist noch meilenweit weg von seiner alten Form. Ich bin mal gespannt auf wieviele gute Minuten er beim Turnier kommt. Meine Vermutung ist, dass es die größte Fehlentscheidung war ihn mit zunehmen. Besser einen guten Julian Brandt und Can auf der Sechs als einen unfitten Schweinsteiger.
wago 04.06.2016
2. Testsiel
Blöd halt, dass die Mannschaft nicht mit 20:0 gewonnen hat. Der Ernst der EM beginnt für die deutsche Mannschaft erst nächsten Sonntag. Wer erwartet, dass sie heute schon in Saft und Kraft steht, der hat fast keine Ahnung von modernen Trainingskonzepten.
ProbeersEinfach 04.06.2016
3.
Zitat von rambazamba1968hat man auch gewonnen. Schweinsteiger ist noch meilenweit weg von seiner alten Form. Ich bin mal gespannt auf wieviele gute Minuten er beim Turnier kommt. Meine Vermutung ist, dass es die größte Fehlentscheidung war ihn mit zunehmen. Besser einen guten Julian Brandt und Can auf der Sechs als einen unfitten Schweinsteiger.
Schweinsteiger kann die Mannschaft ordnen wie kein anderer, Khedira ist da Lichtjahre von entfernt, der wird immer mehr zum Podolski. Frühere Meriten und so. Schweinsteiger braucht nicht lange um fit zu werden, er kann sich notfalls auch ein ganzes Turnier quälen, bei der WM 2014 war es doch acuh so. Und über Brandt brauchen wir nicht reden, der hat beim BVB nur Rückschläge zu verzeichnen gehabt, ob er da gefestigt genug ist nach den Misserfolgen mit dem BVB noch eine gute EM zu spielen? Glaube eher nicht.
gibmichdiekirsche 04.06.2016
4. Schweinsteiger und Brandt :-)
Zitat von ProbeersEinfachSchweinsteiger kann die Mannschaft ordnen wie kein anderer, Khedira ist da Lichtjahre von entfernt, der wird immer mehr zum Podolski. Frühere Meriten und so. Schweinsteiger braucht nicht lange um fit zu werden, er kann sich notfalls auch ein ganzes Turnier quälen, bei der WM 2014 war es doch acuh so. Und über Brandt brauchen wir nicht reden, der hat beim BVB nur Rückschläge zu verzeichnen gehabt, ob er da gefestigt genug ist nach den Misserfolgen mit dem BVB noch eine gute EM zu spielen? Glaube eher nicht.
Und bei der EM 2012 hat Schweinsteiger die gesamte Mannschaft bis zum Halbfinale gequält. Und Brandt beim BVB? Der war gut, aber ich setzte noch einen drauf: Ist der nicht auch ein Enkel des gleichnamigen Altbundeskanzlers?
genaumeinding 04.06.2016
5. Spielen wie die Waldmeister
Beim sehen des Spiels kam bei mir der Eindruck auf, dasss es sich um eins der zahlreichen sinnfreien Testspiele handelt und nicht das letzte vor einem grossen Turnier. Als dann ausgerechnet noch Prolldolski eingewechselt wurde, dachte ich es handelt sich um eine Folge von versteckte Kamera. Leider stellte sich das als Irrtum heraus. Ich fürchte, dass es nur zu einem kurzen Gastspiel in Frankreich kommen wird. Da hat der Jogi dann auch Zeit mal ordentlich zum Friseur zu gehen.
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