DFB-Außenverteidiger Problem gelöst. Oder?

Die Außenverteidigung galt lange als Schwachpunkt der Nationalmannschaft. Jetzt sind die Positionen fest an Jonas Hector und Joshua Kimmich vergeben. Dabei sind die beiden längst noch nicht komplett.

AFP

Aus Hannover berichtet


In der Startelf, die Joachim Löw am Samstag gegen die Tschechen aufs Feld führte, gab es nur zwei Spieler, die nicht in Rio Weltmeister geworden sind: Jonas Hector und Joshua Kimmich. Man könnte denken, dass der Bundetrainer diesen beiden daher vielleicht nicht so intensiv vertraut wie seinen routinierten Titelgewinnern von 2014. Aber wenn man sich anschaut, welche Akteure zuletzt die deutlich meisten Einsatzzeiten in der DFB-Elf bekommen haben, dann stößt man auf zwei Namen: Hector und Kimmich.

Der Kölner Hector, 26, ist der einzige Nationalspieler, der sämtliche Partien seit 2015 mitgemacht hat. Und Kimmich, 21, hat als einziger im Kader alle Spiele von der ersten bis zur letzten Minute bestritten, seit er bei der EM im Sommer gegen die Nordiren sein erstes Pflichtspiel absolviert hat.

Am Abend geht es wieder gegen Nordirland (20.45 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: RTL), und in der kurzen Zeitspanne von Ende Juni bis Mitte Oktober ist der Jungspund vom FC Bayern plötzlich zum scheinbar Unverzichtbaren in der Nationalelf geworden. Die Rechtsverteidigerposition, auf der in den Vorjahren so viel herumprobiert wurde wie nirgends sonst auf dem Platz, scheint wieder fest vergeben. Der zuverlässigste Rechtsverteidiger seit Philipp Lahm.

Keiner schlägt mehr Flanken als Hector

Und auf der anderen Seite ackert Hector, fünf Jahre älter als Kimmich, die Seitenlinie auf und ab. Laut Datensammler Opta gab es bei der gesamten Europameisterschaft keinen anderen Spieler, der mehr Flanken schlug als der Kölner. Der zuverlässigste Linksverteidiger seit Philipp Lahm.

Die Position des Außenverteidigers - was wurde in den vergangenen Jahren, speziell nach dem Rücktritt Lahms 2014, über sie diskutiert und lamentiert? Der böse Satz von Löw, er könne sich halt keinen Linksverteidiger schnitzen, traf vor allem den wackeren Dortmunder Marcel Schmelzer, er galt aber im Grunde für die gesamte Branche. Wer wurde nicht alles auf dieser anspruchsvollen und laufintensiven Position getestet - von Jérôme Boateng über Lars Bender und Emre Can bis Benedikt Höwedes und Sebastian Rudy. Das war meistens solide, manchmal haarsträubend, aber selten durchschlagskräftig erfolgreich.

Jetzt ist die Zeit des Herumprobierens vorbei, aber ob das Problem tatsächlich gelöst ist, das ist immer noch ein bisschen fraglich. Hector und Kimmich haben ihre unbestreitbaren Qualitäten, zu kompletten Spielern, wie sie auf den Außen gebraucht werden, sind sie dadurch noch nicht geworden. Hector schlägt tatsächlich viele Flanken, aber bei der EM fanden die wenigsten davon den gewünschten Adressaten.

Kimmich ist offensiv ein Juwel und bekommt dies derzeit auch ständig zu hören, er ist tatsächlich ungeheuer vielseitig und für seine jungen Jahre schon sehr weit im Spielverständnis, aber er hat noch regelmäßig Abwehrwackler im Programm. Selbst gegen die harmlosen Tschechen stand er in der Anfangsphase bei einer Flanke in den Strafraum einmal orientierungslos in der Abwehrzentrale, die Gäste konnten dies allerdings nicht ausnutzen.

Kimmich ist kein Spezialist

Ihm allein die rechte Abwehrseite anzuvertrauen, das hat auch Löw im Sommer noch nicht gewagt und ihm im EM-Viertelfinale gegen die Italiener den Abwehraufpasser Höwedes zur Seite gestellt. Kimmich ist ein hochmoderner Defensivspieler, man kann ihn überall hinstellen, in die Innenverteidigung, auf die Sechs ins Mittelfeld, auf die rechte Abwehrseite, er kann das alles, aber er ist dadurch kein Spezialist auf dem Flügel. Und damit auch einer, der nicht jede Finte schlitzohriger Außenstürmer erahnt. Man kann angesichts von Kimmichs Lernfähigkeit sagen: noch nicht.

Hector ist da weiter, er ist ja auch schon ein paar Jahre länger dabei. Ein verlässlicher Profi, bodenständig dazu. Dass so einer mit 26 Jahren noch beim 1. FC Köln spielt statt bei den Bayern oder in England, ist fast logisch. Hector ist allerdings auch kein Mann für die Funkelperlenaktionen auf dem Platz, keiner für die eine ganz besondere Situation im Spiel, die das Publikum zum Ah und Oh hinreißt. Hector ist ein Arbeiter im DFB-Dress. Er ist weitaus näher bei Höwedes als bei Mesut Özil. Und als bei Kimmich.

Ein Arbeiter und ein Stürmer und Dränger - Lahm vereinte beides, und es ist möglicherweise nicht die schlechteste Lösung, dessen Fähigkeiten jetzt einfach auf zwei Schultern zu verteilen.



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basecape-man 11.10.2016
1. ziehmlich belangloser artikel sorry
hätte mir etwas mehr tiefe gewünscht .sicher sielen die beiden ihre rolle sehr solideund sicher ist kimmich die bessere lösung als höwedes.was mich ein bischen wurmt ist der umgang von löw mit schmelzer das ist wie so vieles im bereich der nati wenig menschlichund die wirklich entscheidene frage ist was will ich mit 2 so hoch stehenden ausssenverteidigern?gegen die tschechen war das super .durch die sensationellen langen bälle von boateng und hummels hatte das sinn.auch wie hector sie technisch verarbeitet hat war klasse.aber das war vorher lange zeit in der nati nicht so.und noch ein wort zu lahm .ich kann die bewunderung für diesen spieler nicht nachvollziehen.aber ich gebe zu das ist wie so vieles im fussball geschmackssache.
mariomeyer 11.10.2016
2.
Zitat SpOn: "Hector schlägt tatsächlich viele Flanken, aber bei der EM fanden die wenigsten davon den gewünschten Adressaten." Ich schlage Herrn Ahrens vor, dass er bei einem beliebigen Nationalmannschaftsspiel bei jeder von Jonas Hector geschlagenen Flanke, die ihren gewünschten Adressaten nicht finden, einen Schluck von einem alkoholischen Getränk seiner Wahl nimmt, so Herr Ahrens denn überhaupt Alkohol trinkt. Mal sehen, ob er dann immer noch geneigt ist, euphemistisch von den"wenigsten" Flanken zu sprechen, die ihren gewünschten Adressaten finden, oder ob er dann von "fast keinen" wird sprechen müssen... Zitat SpOn: "Ein Arbeiter und ein Stürmer und Dränger - Lahm vereinte beides, und es ist möglicherweise nicht die schlechteste Lösung, dessen Fähigkeiten jetzt einfach auf zwei Schultern zu verteilen." Dumm nur, dass Herr Lahm nur eine Person ist und somit auch nur eine Position besetzt hielt, als er in der Nationalmannschaft spielte. Hector und Kimmich sind zwei Leute. Die beste Lösung wäre für mich, wenn zwei Spieler so spielten wie Lahm einst.
nummer50 11.10.2016
3. nati?
Zitat von basecape-manhätte mir etwas mehr tiefe gewünscht .sicher sielen die beiden ihre rolle sehr solideund sicher ist kimmich die bessere lösung als höwedes.was mich ein bischen wurmt ist der umgang von löw mit schmelzer das ist wie so vieles im bereich der nati wenig menschlichund die wirklich entscheidene frage ist was will ich mit 2 so hoch stehenden ausssenverteidigern?gegen die tschechen war das super .durch die sensationellen langen bälle von boateng und hummels hatte das sinn.auch wie hector sie technisch verarbeitet hat war klasse.aber das war vorher lange zeit in der nati nicht so.und noch ein wort zu lahm .ich kann die bewunderung für diesen spieler nicht nachvollziehen.aber ich gebe zu das ist wie so vieles im fussball geschmackssache.
Nati, sind wir hier in der Schweiz? Lahm wird weltweit fast als das Optimum für einen modernen Aussenverteidiger angesehen und das schon jahrelang.
Freifrau von Hase 11.10.2016
4.
"lahm .ich kann die bewunderung für diesen spieler nicht nachvollziehen." Lahm macht(e) relativ wenige Fehler und war in jüngeren Jahren (und vor allem auf Links) jemand, der das Spiel mit antreiben konnte. Er ist vielleicht jetzt nicht mehr ganz so gut wie früher, aber eben immer noch extrem solide und ohne große Aussetzer.
cava63 11.10.2016
5. Macht nichts...
Zitat von basecape-manhätte mir etwas mehr tiefe gewünscht .sicher sielen die beiden ihre rolle sehr solideund sicher ist kimmich die bessere lösung als höwedes.was mich ein bischen wurmt ist der umgang von löw mit schmelzer das ist wie so vieles im bereich der nati wenig menschlichund die wirklich entscheidene frage ist was will ich mit 2 so hoch stehenden ausssenverteidigern?gegen die tschechen war das super .durch die sensationellen langen bälle von boateng und hummels hatte das sinn.auch wie hector sie technisch verarbeitet hat war klasse.aber das war vorher lange zeit in der nati nicht so.und noch ein wort zu lahm .ich kann die bewunderung für diesen spieler nicht nachvollziehen.aber ich gebe zu das ist wie so vieles im fussball geschmackssache.
das geht vielen anderen Fußball-Laien genauso. Allerdings hat das mit Geschmack nichts zu tun, nur mit Sachverstand.
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