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Verlängerung mit Joachim Löw Die Vertrags-Show des DFB

Der DFB verlängert den Vertrag mit Bundestrainer Joachim Löw bis 2016. Mehr als eine schnöde Absichtserklärung ist das allerdings nicht. Vieles deutet darauf hin, dass Löw im Anschluss an das WM-Turnier von Brasilien seinen Abschied nehmen wird.

Dieser Veranstaltung hängt der Hauch des Absurden an. Da hocken sie einträchtig beieinander, die Herren des DFB von Präsident Wolfgang Niersbach über Bundestrainer Joachim Löw bis hin zu Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff und verkünden mit großer Geste und großen Worten etwas, von dem alle Beteiligten wissen, dass es wahrscheinlich keine Tragfähigkeit hat. Die Vertragsverlängerung des Bundestrainers bis 2016 ist eine schöne Absichtserklärung. Dass sie den Sommer 2014 überleben wird, glaubt aber eigentlich niemand.

"Wir sind noch nicht am Ende des Weges, wir haben noch große Ziele, die wir gemeinsam erreichen wollen", verkündet Löw - und das zumindest stimmt. Das große Ziel ist der Weltmeistertitel 2014. Was danach kommt, ist jedoch völlig offen. Aber jedes Szenario, wie das Turnier in Brasilien verlaufen könnte, mündet eigentlich in dieselbe Konsequenz: Löw wird nach der WM aufhören.

Bei einem frühen Scheitern, von dem allerdings beim DFB niemand ausgeht, wäre der Fall klar - und den hat Löw im Vorfeld schon selbst deutlich angesprochen. Vor dem Länderspiel gegen Irland in der Vorwoche verwies er auf das Beispiel Niederlande bei der vergangenen Europameisterschaft. Der Vizeweltmeister war bei der EM im Vorjahr ohne Punkt sang- und klanglos in der Vorrunde ausgeschieden, Trainer Bert van Marwijk stellte anschließend sein Amt zur Verfügung. Nur logisch.

Erwartungshaltung an das Team ist extrem hoch

Wenn den Deutschen ein ähnliches Missgeschick widerfahren würde, "dann wird es ohnehin eine Veränderung geben", hat Löw gesagt. Dass ein Trainer, der mit dem Anspruch, Weltmeister zu werden, früh ausscheidet, nicht mehr haltbar ist, weiß Löw am allerbesten. Man kann sich den Aufruhr vorstellen, der in einem solchen Fall in diesem Lande herrschen würde.

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Die Erwartungshaltung an die Nationalmannschaft und in der Nationalmannschaft ist mittlerweile dermaßen hoch, dass ein Ausscheiden vor dem Halbfinale als Scheitern interpretiert werden würde. So unverblümt vom WM-Titel als Ziel haben deutsche Nationalspieler lange nicht mehr geredet. Das Selbstbewusstsein ist groß. Die Fallhöhe ist entsprechend.

Die Mannschaft ist mittlerweile so weit, dass sie selbst alles andere als die Endspielteilnahme als Enttäuschung wahrnehmen würde - von der Öffentlichkeit ganz zu schweigen. Nimmt man also den Fall an, das Team würde tatsächlich Weltmeister, wäre das große Ziel, von dem Löw spricht, erreicht. Deutschland wäre das erste europäische Team, das auf dem Kontinent Südamerika den WM-Titel erringen würde. Auch dann spricht alles dafür, dass er abtritt. Er wäre auf dem Zenit.

Niersbach will das Thema vom Tisch haben

Warum dann also diese Verlängerung? DFB-Präsident Niersbach will das Dauerthema Löw-Vertrag frühzeitig vom Tisch haben. Er erinnert sich gut, welche unnötigen Irritationen es 2010 gab, als sein Vorgänger Theo Zwanziger die geplante Vertragsverlängerung mit dem Löw-Team kurzfristig platzen ließ und auf die Zeit nach der WM verschob. Alle Beteiligten waren hochgradig verstimmt , und Niersbach, damals als DFB-Generalsekretär bereits der Macher an der Otto-Fleck-Schneise, hatte alle Hände voll zu tun, die Risse wieder zu kitten.

Löw hat am Freitag gesagt, er deute die Verlängerung "als ein Zeichen der gegenseitigen großen Wertschätzung", und so darf man diese Show-Aktion von Frankfurt wohl auch verstehen. Löw bekommt damit die Absicherung, im Falle einer vom DFB ausgehenden Trennung nach der WM finanziell gut abgefunden zu werden. Er selbst hat wohl ohnehin das Recht zu gehen, wann er will. Zum Kern der Verhandlungen mit dem Verband dürfte die Zusicherung gehört haben, dass man ihm bei einem Abgang keine Steine in den Weg legen wird.

2014 wäre Löw dann zehn Jahre beim DFB leitend tätig gewesen. Ein perfekter Zeitpunkt, um noch einmal etwas Neues zu beginnen - verbunden damit steht bereits fest, dass sein getreuer Sidekick Hans-Dieter Flick nach der WM auf die andere Seite des Schreibtisches wechseln wird und das derzeit vakante Amt des DFB-Sportdirektors antritt. Die Vierer-Combo Löw, Flick, Bierhoff und Torwarttrainer Andreas Köpke steht vor der Auflösung. Brasilien ist ihre letzte, ihre ultimative Herausforderung. Auch ihre letzte Gelegenheit, doch noch einen Titel zu erringen.

Vier vergebliche Anläufe haben Löw, Bierhoff und Köpke mittlerweile hinter sich. Der Makel der Titellosigkeit ist bislang der größte Trumpf, den die Löw-Kritiker - und von denen gibt es viele - in der Hand halten.

Der Bundestrainer hat gerne betont, es komme ihm mehr als auf Titel darauf an, das Team spielerisch weiterzuentwickeln. Man muss ihm das aber nicht unbedingt glauben. So, wie das für die gesamte Botschaft dieser Schaufenster-Veranstaltung galt.

In einer früheren Version stand im Artikel, Deutschland wäre bei einem WM-Erfolg 2014 das erste europäische Team, das den Titel auf einem fremden Kontinent holt. Das gelang allerdings Spanien bereits 2010 in Südafrika.
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