DFB-Test Zieler fliegt, Argentinien siegt

Zunächst gar nicht im Kader, parierte Torwart Marc-André ter Stegen im Test gegen Argentinien einen Elfmeter von Superstar Lionel Messi. Das deutsche Team unterlag in Unterzahl dennoch deutlich - auch weil Ron-Robert Zieler eine historische Rote Karte gesehen hatte.

DPA

Von Jan Reschke


Hamburg - Ein paar Sekunden im Spiel, und schon einen Elfmeter von Lionel Messi pariert. Kann es etwas Besseres für einen Torwart geben? Für Marc-André ter Stegen wohl nicht.

Gerade einmal 30 Minuten im zweiten Länderspiel absolviert, dann einen Elfmeter provoziert und eine Rote Karte kassiert. Kann es etwas Schlechteres für einen Torwart geben? Für Ron-Robert Zieler wohl nicht.

Die Geschichten der beiden Keeper bei der 1:3 (0:1)-Niederlage der deutschen Nationalmannschaft im Test-Länderspiel gegen Argentinien könnten unterschiedlicher kaum sein. Zielers Platzverweis war zudem der erste in der 104-jährigen Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für einen Keeper. Ter Stegen hingegen war zunächst noch nicht einmal für die Partie nominiert worden. Nur weil sich Manuel Neuer verletzt hatte, war er nachgerückt. In Unterzahl konnte aber auch er die Pleite nicht verhindern, bei der Sami Khedira mit einem Eigentor (45.+1 Minute), Lionel Messi (52.) und Ángel di María (73.) sowie Benedikt Höwedes (82.) die Tore erzielt hatten.

"Der Wille war heute schon vorhanden", so Löw, bemängelte aber: "Im Moment brauchen wir zu viele Chancen, um ein Tor zu erzielen." Sichtlich unzufrieden war nach der Partie ter Stegen: "Mit zehn Mann ist es schwer, gegen die Argentinier etwas zu bewirken - aber 1:3 muss man auf keinen Fall verlieren." Stürmer Miroslav Klose sagte: "Es kam alles zusammen heute."

Für eine Überraschung hatte Löw mit seiner Entscheidung gesorgt, Lars Bender im defensiven Mittelfeld aufzubieten. Auch Marco Reus stand in der Startelf, er begann in Abwesenheit von Lukas Podolski auf der linken Seite.

Fotostrecke

14  Bilder
DFB-Einzelkritik: Özil ohne Linie, agiler Reus
Die deutsche Mannschaft zeigte zu Spielbeginn ein starkes Kombinationsspiel und ließ Argentinien kaum an den Ball kommen. Einen Konter legte Reus nach innen, der Schuss von Mesut Özil wurde aber geblockt (3.). Kam Argentinien doch mal an den Ball, waren es meist Befreiungsschläge. Keine Frage: Deutschland war um eine eindeutige Reaktion nach den Diskussionen in den vergangenen Tagen bemüht.

So hatte sich Löw in einer Brandrede über die seiner Meinung nach ungerechtfertigte Kritik an der Nationalmannschaft nach dem EM-Aus gegen Italien echauffiert. Um wirklich sportliche Dinge war es dabei aber nicht gegangen.

Und da gab es auch gegen Argentinien zunächst nicht viel auszusetzen. Deutschland kontrollierte die Partie, in der zwölften Minute setzte sich Miroslav Klose im Strafraum durch und legte auf Özil ab, doch dessen Versuch war nicht platziert genug. Sieben Minuten später brachte Khedira einen Ball in den Strafraum, aber auch der Schuss von Thomas Müller wurde geblockt.

Hummels erleidet Halswirbelverletzung

Erst in der 22. Minute wurde es vor dem deutschen Tor gefährlich, Mats Hummels lenkte einen Ball knapp neben den Pfosten. Der Innenverteidiger musste nach der Aktion aber das Feld verlassen. In einem Zweikampf war er zuvor mit Gonzalo Higuaín mit dem Kopf zusammengestoßen. Der BVB-Profi erlitt eine Halswirbelverrenkung, teilte die medizinische Abteilung des DFB in der Halbzeitpause mit. Für ihn kam Höwedes (25.).

Und nur fünf Minuten später musste Löw erneut wechseln, als Zieler José Ernesto Sosa im Strafraum zu Fall gebracht hatte. Müller ging, für ihn kam ter Stegen. Der Mönchengladbacher spielte fortan aufmerksam mit, lief den gegnerischen Stürmern etliche Bälle ab. Drei Minuten vor der Pause wäre die deutsche Auswahl fast in Unterzahl zum Führungstor gekommen, Reus hatte auf Marcel Schmelzer gespielt und der in die Mitte gelegt, doch Klose verpasste knapp.

Ganz bitter der Rückstand in der ersten Minute der Nachspielzeit: Khedira schlug nach einer Ecke über den Ball und lenkte ihn von seinem Standbein ins eigene Tor - 0:1.

Kurz nach der Pause setzte Reus einen Schuss aus 18 Metern an den Pfosten, Klose staubte ab, doch der Treffer zählte wegen Abseits nicht. Auf der anderen Seite traf Messi zum 2:0 (52.). Zwar kam auch Deutschland noch zu Gelegenheiten, es war aber erst di María mit einem Schuss aus 25 Metern und schließlich Höwedes mit seinem ersten Länderspieltor, die den Endstand markierten. "Natürlich ist es schön, wenn man sein erstes Länderspieltor macht. Aber enttäuschender ist natürlich die Niederlage", sagte Höwedes.

Für Zieler wird dieses Spiel wohl in unangenehmer Erinnerung bleiben. Die meisten anderen Nationalspieler dürften sich hingegen eher an das Aufeinandertreffen mit Argentinien im Viertelfinale der WM 2010 erinnern - da gewann die DFB-Elf 4:0.

Deutschland - Argentinien 1:3 (0:1)
0:1 Khedira (45.+1, Eigentor)
0:2 Messi (52.)
0:3 di Maria (73.)
1:3 Höwedes (81.)
Deutschland: Zieler - Boateng, Hummels (ab 25. Höwedes), Badstuber, Schmelzer - Lars Bender (ab 74. Götze), Khedira (ab 68. Gündogan) - Müller (ab 32. ter Stegen), Özil (ab 68. Kroos), Reus - Klose (ab 62. Schürrle)
Argentinien: Romero - Zabaleta (ab 65. Campagnaro), Fernandez, Garay, Rojo - Mascherano (ab 79. Brana), Gago - Sosa (ab 46. Agüero), di María (ab 73. Guinazu) - Messi, Higuain
Schiedsrichter: Jonas Eriksson (Schweden)
Zuschauer: 48.808 (ausverkauft)
Rote Karte: Zieler nach einer Notbremse (30.)
Gelbe Karte: - Zabaleta
Besonderes Vorkommnis: ter Stegen hält Foulelfmeter von Messi (32.)

insgesamt 58 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
divStar 15.08.2012
1. Sehr schade - aber nicht schlimm...
.. immerhin darf man nicht unter den Tisch fallen gegen wen die Deutschen spielen. Es war klar, dass eine Mannschaft nie immer gut spielen wird - oder eben (im Falle von Argentinien) nicht immer schlecht. Jetzt haben sie mal gezeigt, was sie können. Interessant wäre es zu sehen wie das Ganze ausgegangen wäre, wenn das mit Zieler nicht passiert wäre - aber da kann man eben nichts machen. Vernichtende Kritik von vermeintlichen "Blättern" sollten sich weder Spieler noch Trainer zu Herzen nehmen - die Blätter tun eben alles, um ihre Auflage zu erfüllen. Sachlichkeit lassen die besagten Zeitungen sowieso schon sehr lange vermissen. Das Spiel war okay - aber da geht definitiv noch was.
glasmost 15.08.2012
2. Experten
Zitat von sysopDPAZunächst gar nicht im Kader, parierte Torwart Marc-André ter Stegen im Test gegen Argentinien einen Elfmeter von Superstar Lionel Messi. Das deutsche Team unterlag in Unterzahl dennoch deutlich - weil Ron-Robert Zieler eine historische Rote Karte gesehen hatte. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,850299,00.html
Die deutsch Mannschaft war nicht so schlecht wie der EX-Torwart und seine unsägliche Analyse im ZDF. Was für Experten haben wir im öffentlich rechtlichen Fernsehen?
mundi 15.08.2012
3. Gomez oder Klose
Es lag nicht an der Roten Karte. Die Verteidigung ist nach wie vor der schwache Punkt der deutschen Mannschaft. Die Diskussion über die Stürmer Gomez oder Klose ist ein Nebenschauplatz.
Kurt300 15.08.2012
4. :d
Da sieht man, was herauskommt, wenn die deutsche Mannschaft mal gegen bessere Mannschaften als Schweden spielt......;P
maynard9791 15.08.2012
5.
Ich war und werde nie ein Fürsprecher für Oliver Kahn werden. Aber seine Analyse, sein Ärger, den kann ich nur zu gut nachvollziehen. Er spricht genau das an, woran es bei der deutschen Nationalmannschaft hapert. Und ein bisschen bedenklich fand ich Löws Reaktion darauf. Der Bundestrainer wirkt auf mich etwas beratungsresistent, und das schmeckt mir nicht. Auch wenn mein Geschmack wohl das letzte ist, worauf sich Fußballexperten verlassen brauchen. ^^
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.