Wiederaufnahme der 3. Liga DFB droht den Vereinen

Im Streit um die Fortsetzung der 3. Liga bleibt der DFB bei seiner kompromisslosen Linie. Der Verband will einen Abbruch mit allen Mitteln vermeiden - nun sollen die Vereine für Schadensersatzforderungen haften.
DFB-Vizepräsident Rainer Koch

DFB-Vizepräsident Rainer Koch

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Fabian Fruehwirth/www.faf-presse/ imago images/FAF

Anders als in der von der DFL organisierten Fußball-Bundesliga bleibt die Fortsetzung der 3. Liga ein großes Streitthema. Die Vereine sind sich uneins darüber, ob die Saison fortgesetzt oder abgebrochen werden soll. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) spricht sich für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs am 26. Mai aus und will nun im Falle eines Abbruchs womöglich entstehende Schadenersatzforderungen durch Sponsoren oder TV-Rechteinhaber auf die Vereine umlegen.

Das teilte der DFB nach der Konferenz der Präsidenten der Regional- und Landesverbände mit. "In diesem Zuge erwartet die Konferenz der Präsidenten, dass etwaige, mit einem selbst gewählten Abbruch der Saison verbundene Zahlungsverpflichtungen des DFB in Bezug auf Schadensersatz und Regress von den Vereinen der 3. Liga getragen würden", hieß es in der Mitteilung .

DFB-Vizepräsident Koch: "Unwürdiges Schauspiel"

Mit dieser Drohgebärde will der DFB Klubs wie den 1. FC Magdeburg oder den Halleschen FC dazu bringen, von ihren Forderungen Abstand zu nehmen. Allerdings gab der Verband nicht an, in welcher Höhe ein Schadensersatz zu erwarten sei.

Zudem wurden die Befürworter eines Abbruchs aufgefordert, Lösungen für zentrale Fragen zu präsentieren.  "Ein Teil der Vereine der 3. Liga", ließ sich DFB-Vizepräsident Rainer Koch in der DFB-Mitteilung zitieren, "spielt seit Wochen ein für den Fußball in Deutschland unwürdiges Schauspiel, bei dem die Landes- und Regionalverbände, die den DFB gemeinsam mit der DFL bilden, nur Zuschauer sind. Dies ist unerträglich und nicht länger hinzunehmen.

Zu den ungeklärten Fragen zählen die Auf- und Abstiegsregelungen sowie Vorschläge, wie die kommende Saison durchzuführen wäre. Klarheit soll darüber hergestellt werden, ob die 3. Liga bereit ist, in diesem Fall Absteiger zu stellen, ab wann sie den Spielbetrieb in der neuen Saison wieder aufnehmen möchte und insbesondere, ob sie auch ohne Zuschauer zu spielen bereit ist. Für den Fall eines Abbruchs hätte die Liga in der Saison 2020/21 voraussichtlich 24 Vereine. Ein Konzept solle bis zum Außerordentlichen DFB-Bundestag am 25. Mai vorliegen.

Die kritischen Vereine argumentieren mit mangelnder Wirtschaftlichkeit bei Spielen unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Im weiteren geht es um Wettbewerbsverzerrung durch die ungleichen Trainingsbedingungen in der Coronakrise. Die Liga ist seit Wochen zerstritten, zuletzt stimmte eine Mehrheit von zehn zu acht Vereinen für eine Fortführung. 

DFB weist Kritik aus der Politik zurück

Zuvor hatte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Rainer Haseloff kritisiert, der DFB übe einen "unerträglichen Druck auf Politik und Vereine" aus und drohe mit Lizenzentzug, den es in der 3. Liga gar nicht geben kann. Dort werden Vereine ohne Lizenzen zugelassen. Den Vorwurf wies der DFB noch vor der Konferenz von sich. Für DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius müsse im Zuge der Blockadehaltung einiger Klubs "auch die Frage erlaubt sein: Kann man nicht oder will man nicht?"

"Wir lassen uns nicht in eine Ecke drängen", sagte Sportchef Maik Franz vom 1. FC Magdeburg der "Volksstimme". Der ehemalige Bundesligaprofi betonte, man würde sich lediglich "an die behördlichen Verfügungen" halten. Seiner Meinung nach erfahre der Profifußball gerade eine gefährliche Sonderrolle: "Es ist ein ganz schmaler Grat, auf dem sich der gesamte Fußball befindet. Wir müssen aufpassen, dass wir am Ende nicht alle als Verlierer dastehen."

krä/dpa/sid
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