DFB-Einzelkritik Der unglaubliche Schweinsteiger

Starke Leistung der deutschen Elf: Beim Sieg gegen Portugal ragten dennoch einige Akteure aus dem Kollektiv heraus. Vor allem Matchwinner Bastian Schweinsteiger - an dem es jedoch auch etwas zu bemängeln gab. Kapitän Michael Ballack war manchmal portugiesischer als die Portugiesen.

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Tor:

Lehmann (FC Arsenal):
Hielt jeden Ball fest, der in der ersten Halbzeit auf sein Tor flog. Blendend gegen Cristiano Ronaldo vor dem Gegentreffer, den er aber trotzdem nicht verhindern konnte. Zweite Halbzeit siehe erste, nur ohne Ronaldo.

Abwehr:

Friedrich (Hertha BSC):
Hatte es doppelt schwer: Ronaldo kam über seine Seite, und Schweinsteiger half manchmal nicht aus. Friedrich beschwerte sich nicht, er rackerte einfach 90 Minuten durch. Respekt!

Metzelder (Real Madrid):
Ein sehr schöner, langer Lauf im Mittelfeld, in dessen Folge erst Metzelder gefoult wurde und dann aus dem Freistoß das 2:0 durch Klose fiel. Für den Metzelder der vergangenen Wochen eine überragende Ausbeute. An seinem eigentlichen Arbeitsplatz hinten besser als Mertesacker. Beim 2:3 sahen beide nicht gut aus, aber der eigentliche Fehler wurde an der Außenbahn gemacht.

Mertesacker (Werder Bremen):
Mit dem entscheidenden Fehler vor dem 1:2, als er gegen Ronaldo zu spät kam. Unglücklich, weil Mertesacker sich damit selbst die Sicherheit nahm. Beschwerte sich in der ersten Hälfte zu Recht über Nachlässigkeiten im Mittelfeld. Kopfschmerzen nach einem Kopfballduell mit Ronaldo. Aber der Portugiese hielt sich den Kopf etwas länger. Punktsieg.

Lahm (Bayern München):
Wunderbar, wie er gleich zu Beginn Ronaldo abgrätschte und immer wieder Angriffe einleitete. Linksverteidiger ist nicht seine Lieblingsposition, aber es scheint seine Bestimmung zu sein. Bitte weiter leiden für die Sache!

Schweinsteiger (Bayern München):
Nach vorn nicht zu stoppen, ein unglaublicher Auftritt. Das 1:0 selbst erzielt, das zweite und dritte mit Freistößen vorbereitet. Ungläubig musste man aber auch mitansehen, dass der Münchner es mit dem Zurücklaufen nicht immer so genau nahm. Aber wer will ihn nach diesem Spiel kritisieren?

Jansen (Bayern München, ab 88. für Klose):
Flankte kurz nach seiner Einwechslung gefährlich auf Borowski. Grätschte danach erfolgreich. Super Bilanz.

Mittelfeld:

Ballack (FC Chelsea):
Man glaubte über das gesamte Spiel ein Lächeln auf Ballacks Gesicht zu erkennen, so sehr freute sich der Kapitän über seine Rolle hinter den Spitzen. Zahlte zurück: mit Einsatz, Spielfreude und dem Treffer zum 3:1. War, wenn er an der linken Seite dribbelte, mitunter der bessere Portugiese. Vor dem 2:3 verhinderte er allerdings Nanis Flanke nicht.

Podolski (Bayern München):
Siehe Schweinsteiger. Nach vorn großartig, in der Defensive mit Problemen. Wenn Simao sich fallen ließ, ging Lahm mit, und Bosingwa eilte in den Rücken der deutschen Abwehr. Und Podolski lief nicht mit. So entstanden in der ersten Hälfte drei gefährliche Flanken der Portugiesen. In der zweiten Hälfte mit einem unglaublichen Linksschuss aus 30 Metern, den nur Podolski kann. Nervte Pepe zunehmend mit Dribblings, die keine Tore brachten, aber Zeit.

Rolfes (Bayer Leverkusen):
Mehr Ballgewinne als Ballverluste. Und was auch angenehm auffiel: Der Mann ist ein Freund des gepflegten Kurzpasses. Die meisten davon kamen an. Ließ Frings vergessen.

Hitzlsperger (VfB Stuttgart):
Endlich spielte er. Der Fitteste im Team. Der Beste der EM-Qualifikation. Umsichtig, konzentriert - auch wenn Deco ihm zweimal davonlief. Hatte immer das große Ganze im Auge. War ein Passweg für einen Portugiesen frei, stand dort kurze Zeit später Hitzlsperger. Hätte sich mehr aus der Entfernung zutrauen können. In der zweiten Halbzeit einige Ballverluste.

Borowski (Werder Bremen, ab 73. für Hitzlsperger):
Stand plötzlich kurz vorm 4:2, nutzte die Möglichkeit aber nicht. Beruhigte das Spiel in der Schlussphase mit Gesten, nicht mit Aktionen.

Fritz (Werder Bremen, ab 83. für Schweinsteiger):
Sein Beitrag zum Spiel war ein verunglückter Flankenball und auch bei ihm ein zu nachlässiges Eingreifen vor der Flanke zum 2:3.

Sturm:

Klose (Bayern München):
War mal Linksaußen, dann Rechtsaußen - als einzige Spitze ging Klose die weiten Wege. Sein Tor per Kopf feierte er diesmal nicht per Salto, er war vielleicht zu viel gelaufen. Nichts zu meckern.



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