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27. Mai 2008, 20:12 Uhr

DFB-Einzelkritik

Hobbykoch Lehmann, Ballack müde

Von , Kaiserslautern

Rotation mit Folgen: Bundestrainer Joachim Löw wechselte beim Unentschieden im Testspiel gegen Weißrussland munter durch. Das hatte allerdings zur Folge, dass einige Spieler ihre Rolle nicht so ausfüllten, wie man es von ihnen gewohnt ist.

Lehmann (FC Arsenal):

Spielte erst wie ein Hobbykoch, als er einen Ball von Wjatscheslaw Hleb wie eine heiße Kartoffel fallen ließ. Steigerte sich dann bis zum ersten Höhepunkt in der 44. Minute, als er einen Schuss von ebenjenem Hleb parierte. Nächster Höhepunkt: Kapitänsbinde von Frings bekommen - festgehalten. Letzter Höhepunkt: Sensationelle Parade gegen Ratzionau. Trauriger Höhepunkt: Kam beim ersten Gegentreffer zu spät aus dem Tor. Dem 38-Jährigen merkte man die fehlende Spielpraxis an.

Hitzlsperger (VfB Stuttgart):

Hitzlsperger mag nicht gern linker Verteidiger spielen. Er sagt selbst, dort kämen alle seine Schwächen zum Vorschein. Zunächst war es aber die fehlende Abstimmung, als Aljaksandr Hleb zur Grundlinie durchkam. Guter Schuss aus 35 Metern. Er konnte also auch noch seine größte Stärke zeigen.

Mertesacker (Werder Bremen):

Fiel nur mit einer Kopfballchance auf. Und das ist durchaus als Kompliment zu verstehen.

Metzelder (Real Madrid):

Er will bis zum Turnierstart fit sein und vor allem "das Gefühl für den Gegner" wiedererlangen. Muss sich in Halbzeit eins zweimal schlecht gefühlt haben, als ihn Wjatscheslaw Hleb erst umkurvte und Metzelder später noch einmal alt aussah. Auch im Verlauf der zweiten Halbzeit zeigte er selten, dass er erst 27 ist. Fehler vor dem 1:2. Und es sind nur noch knapp zwei Wochen bis zum ersten Spiel gegen Polen.

Lahm (Bayern München):

Spielt gern Rechtsverteidiger. Einige verlorene Zweikämpfe in der Offensive, hinten bis auf eine Ausnahme sicher. Und das ist ja alles, was zählt.

Schweinsteiger (Bayern München):

Spielte sehr auffällig. Machte erst durch einen 30 Meter-Schuss auf sich aufmerksam, dann durch einen schmerzhaften Tritt des Gegners. Vernachlässigte beim Verschieben nach rechts öfter das Einrücken, was Hitzsperger schlechter aussehen ließ, als er es war.

Frings (Werder Bremen):

Umsichtig, defensivstark, aber auch mit zwei Aktionen nach vorn: Frings lieferte eine gute Partie. Verwirrte allerdings in der ersten Halbzeit Hitzsperger mit einer falschen Anweisung, was diesen schlechter aussehen ließ, als er es war.

Ballack (FC Chelsea):

Man sah ihn kaum, und das ist durchaus nicht als Kompliment zu verstehen. Ballack wirkte müde, spielte aber immerhin zwei öffnende Pässe und einen direkten auf Klose. Dieser kam zu spät.

Odonkor (Betis Sevilla):

Erster Ballkontakt in der sechsten Minute, und das mit der Hand! Es ließ sich nicht gut an für Odonkor. Dann schlug er eine Flanke in die Mitte auf einen Gegner, danach wieder, bis der Gegner sich erbarmte und den Ball ins Tor beförderte. Eine Flanke auf Schweinsteiger kam an. Eine effiziente Leistung von Odonkor. Einzige Schrecksekunde: Schimpfe von Lehmann nach einer Ecke.

Klose (Bayern München):

Ein Tor, zwei weitere Chancen: Klose machte einen guten Job. Traf nach Vorlage Podolskis zwar aus Abseitsposition, aber auf dem Spielberichtsbogen steht so was ja nicht. Durfte in der zweiten Halbzeit kurz als Kapitän ran.

Podolski (Bayern München):

Vorlage auf Klose zum 1:0, sehr beweglich, immer anspielbar. Gewann einige defensive Zweikämpfe und leitete so Konter ein. Wäre Podolski ein Wackelkandidat, er müsste nicht mehr zittern. Das muss jetzt Mario Gomez: Podolski empfahl sich für die erste Elf.

Marin (M'gladbach, ab 45. Minute für Schweinsteiger):

Jeder war gespannt, was das Wunderkind so alles zeigen würde. Erstmal gab es viel Nervosität, dann die erste Eins-gegen-eins-Situation, die prompt mit einem Freistoß für Deutschland endete, den Trochowski vergab. Einen wunderschönen Pass zwölf Minuten später erreichte Neuville nicht.

Jones (FC Schalke, ab 45. Minute für Ballack):

Gab seinen Einstand mit einem 30-Meter-Schuss, der den Pfosten knapp verfehlte. Wurde dann zu Ballack und kurze Zeit später zu Frings, weil Trochowski Ballack sein sollte. Verfehlte Mitte der zweiten Halbzeit im Strafraum eine Hereingabe von Trochowski. Gewann jedes Kopfballduell (eins). Begünstigte den zweiten Gegentreffer, als er den Ball zehn Meter vor dem eigenen Strafraum vertändelte.

Trochowski (HSV, ab 67. Minute für Frings)

Ein guter Freistoß aus 18 Metern, zwei gute Schüsse aus 22 Metern: Trochowski versuchte in jeder Gelegenheit, sich mit einem Tor zu empfehlen. Einen schönen Flankenlauf gab es auch noch und eine gefährliche Hereingabe auf Neuville. Und auch wenn es mit dem Treffer nicht klappte, das Vorhaben gelang.

Neuville (M'gladbach, ab 54. Minute für Podolski):

Läuferisch stark, verstand sich sehr gut mit Helmes.

Helmes (Köln, ab 54. Minute für Klose):

Siehe Neuville. In der 63. Minute prüfte der Kölner Chomutowsky, in der 70. stocherte Helmes im Strafraum vergeblich. Bewegte sich viel, zeigte Engagement. Eigentlich war es wie in seinen vier Länderspielen zuvor: Gut gespielt, nicht getroffen.

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