DFB-Einzelkritik Lahm der Beste, Ballack unkonzentriert

In einem Team, das meist stürmte, war ein Verteidiger auffälligster Akteur: Philipp Lahm. Von Kapitän Michael Ballack waren dagegen nur selten gute Aktionen zu sehen. Zwei Angreifer glänzten auch nicht gerade, dafür heimste das Mittelfeld Lob ein.

Von , Mönchengladbach


Tor

René Adler (Bayer Leverkusen): Flog in der ersten Hälfte einem Ball hinterher, obwohl klar war, dass er ins Aus gehen würde. Nichts war verständlicher: Adler hatte nichts, aber auch gar nicht zu tun. In der 54. Minute die erste Parade bei einer Mini-Chance von Craig Bellamy, eine Viertelstunde später mit kleiner Unsicherheit.

Abwehr

Arne Friedrich (Hertha BSC): Zu seiner Entschuldigung kann man nur ständig wiederholen, dass die rechte Außenbahn nicht seine Position ist. Für die Orientierungslosigkeit im Offensivspiel gibt es also mildernde Umstände. Für die Abspielfehler nicht.

Clemens Fritz (Werder Bremen/ab 65.): Weil er an guten Tagen offensiv das kann, was Friedrich nicht mehr lernt, durfte er eine knappe halbe Stunde mitspielen. Obwohl seine guten Tage nicht in der Gegenwart und nicht in der jüngeren Vergangenheit liegen.

Heiko Westermann (Schalke 04): Eine undankbare Partie für die beiden Innenverteidiger, die defensiv nicht gefordert waren. Westermann nutzte die Beschäftigungslosigkeit für einige gute Offensivaktionen, die die Ungenauigkeiten in der ersten Hälfte vergessen ließen.

Per Mertesacker (Werder Bremen): Siehe Westermann. Allerdings weder mit Ungenauigkeiten noch mit offensiven Aktionen.

Philipp Lahm (Bayern München): Bester Deutscher, der selbst in der ersten Hälfte überzeugte. Dynamisch und präzise, wie man das von ihm kennt. Nutzte seine offensiven Freiheiten. Wäre aber kurz vor Ende fast wieder an einem Gegentor schuld gewesen.

Mittelfeld

Bastian Schweinsteiger (Bayern München): In beiden Halbzeiten mit guten Distanzschüssen. Unermüdlich und einsatzfreudig.

Michael Ballack (Chelsea): Zunächst mit beängstigend vielen Unkonzentriertheiten. Später tauchte er ab. Wenn Torchancen ausschließlich aus Distanzschüssen resultieren, muss sich auch die Schaltzentrale im Mittelfeld kritische Fragen gefallen lassen. Immerhin setzte der Captain einen Freistoß an den Pfosten – sonst war kaum etwas Positives zu vermelden.

Thomas Hitzlsperger (VfB Stuttgart): Erneut eine ordentliche Partie des Stuttgarters. Eroberte viele Bälle, im Passspiel hob er sich wohltuend von seinen Kollegen ab: Seine Bälle kamen beim Mitspieler an.

Piotr Trochowski (Hamburger SV): Auch die Aktionen des Hamburgers wurden in der zweiten Hälfte zwingender. Hätte in der 58. Minute die Führung erzielen müssen, als Schweinsteiger prima in den Rücken der Waliser Abwehr passte. Das Tor holte er in der 72. Minute spektakulär nach.

Angriff

Lukas Podolski (Bayern München): Zuweilen etwas umständlich. Es gibt Stürmer, die sich mehr bewegen als der Münchner. An diesem Abend fiel das besonders auf.

Mario Gomez (VfB Stuttgart/ab 82.): Bekam auch noch seinen Einsatz.

Miroslav Klose (Bayern München): Verletzte sich und wurde zur Halbzeit ausgewechselt. Bis dahin schwach.

Patrick Helmes (Bayer Leverkusen/ab 46.): Lauerte auf seine Chance. Und lauerte. Und lauerte...Wenn man nur 45 Minuten spielt, gibt es keinen Grund, sich nicht auch mal einen Ball aus dem Mittelfeld zu holen. Irgendwann kamen dann ein paar Bälle. Und dennoch: Ein unverständlich unengagierter Auftritt des Mannes, der so lange auf eine Bewährungschance warten musste.



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