DFB-Einzelkritik Lehmann desaströs, Ballack in Zeitlupe

3:0 gewonnen, aber die deutsche Nationalmannschaft hat beim Test in Österreich alles andere als überzeugt. Torhüter Jens Lehmann wackelte, Michael Ballack machte das Spiel oft langsam. Bester Akteur in einer schwachen Elf war Thomas Hitzlsperger.

Jens Lehmann (FC Arsenal)
Die personifizierte Ambivalenz. Mit einigen katastrophalen Szenen (beim Herauslaufen gegen Harnik, beim Herausfausten nach einer Ecke, einen Schuss von Harnik ließ der Torwart von der Brust abprallen), aber auch mit zwei guten Paraden. Dennoch war der Auftritt für den bisher unumstrittenen Lehmann ein Desaster - auch wenn das Spiel zu Null ausging.

Heiko Westermann (FC Schalke 04)
Hatte nach eigener Aussage nie mit einer Nominierung für den Test gegen Österreich gerechnet. Im Spiel zeigte sich, warum. Der Rechtsverteidiger entblößte seine Seite oft ohne Not, zweimal kam der Gegner allein in der ersten Hälfte bis zur Grundlinie durch. Es gab schon bessere DFB-Debütanten. Per Mertesacker (Werder Bremen)
Verlor ein Kopfballduell, ansonsten souverän. Gutes Stellungsspiel, gegen Stürmer Linz in der ersten Hälfte aber zwischenzeitlich mit Problemen.

Manuel Friedrich (Bayer Leverkusen, bis 74. Minute)
Zwei Tests bis zur Kadernominierung, vier Tests bis zum EM-Start - aber Friedrich spielte so, als habe er noch drei Jahre Zeit, sich zu empfehlen. In der ersten Hälfte ließ der Innenverteidiger Harnik davonlaufen, in der zweiten umwanderte ihn Ivanschitz im Strafraum. Sah Gelb, nachdem er Linz am Strafraum zu Fall brachte.

Philipp Lahm (FC Bayern München)
Wenige Vorstöße auf links, und wenn, dann wurden sie mit Ballverlusten beendet. Über die Seite des Münchners waren die Österreicher am gefährlichsten, weil die defensive Abstimmung zwischen Lahm und Schweinsteiger nicht stimmte.

Bastian Schweinsteiger (FC Bayern München)
Zeigte in der ersten Halbzeit eine ausgeglichene Partie - ob auf links oder rechts, Schweinsteiger war auf beiden Seiten gleich schlecht. Ließ sich von Aufhauser tunneln, verlor vorn die Bälle und hinten die Zweikämpfe. Auch in der zweiten Halbzeit mit vielen Ballannahmefehlern. Ihm fehlen Spielpraxis und Selbstvertrauen.

Michael Ballack (FC Chelsea)
Trug zwar keinen Turban, dafür aber zunächst einen Tarnanzug. Meckerte viel mit den Kollegen, produzierte selbst wenig Sinnvolles. Ein Kopfball übers Tor, ein paar Sicherheitspässe, das war's vom Kapitän in Hälfte eins. Besonders auffällig: Seine Spielverlagerungen in Zeitlupe. Bereitete später das 2:0 durch Klose vor. Immerhin.

Thomas Hitzlsperger (VfB Stuttgart, bis 82. Minute)
Der beste Deutsche - er machte die wenigsten Fehler. Gewann den Großteil seiner Zweikämpfe, schoss in der ersten Hälfte einmal aus 25 Meter aufs Tor, in der zweiten aus 20 Metern hinein.

Bernd Schneider (Bayer Leverkusen, bis 59. Minute)
Trat ein paar Freistöße, die aber nicht besonders präzise. Ihm war seine lange Verletzungspause anzumerken.

Kevin Kuranyi (FC Schalke 04, bis 59. Minute)
Stand auf dem Spielberichtsbogen und sonst oft herum. Keine einzige gelungene Aktion, auch, weil ihm Prödl keinen Raum ließ.

Miroslav Klose (FC Bayern München)
In der ersten Hälfte körperlich anwesend. Ließ sich oft ins Mittelfeld fallen, weil der Münchner vorn vergeblich auf Anspiele wartete. Schoss das 2:0 nach Vorarbeit von Ballack - und Stürmer, die treffen, haben selten etwas falsch gemacht. Aber die zweite brauchbare Hereingabe Ballacks hätte er auch verwandeln müssen.

Lukas Podolski (FC Bayern München, ab 59. Minute)
Eingewechselt für Schneider, bereitete das 3:0 durch Gomez mit einer Flanke vor. Für einen Mittelfeldspieler eine gute Bilanz.

Mario Gomez (VfB Stuttgart, ab 59. Minute)
Kaum im Spiel, machte der Stürmer das 3:0 per Kopf, sprang dabei eine Etage höher als Torhüter Manninger.

Roberto Hilbert (VfB Stuttgart, ab 74. Minute)
Fehlerfreie Viertelstunde.

Jermaine Jones (Schalke 04, ab 82. Minute)
Kaum im Spiel, gleich gefoult. Aber auch ein schmerzhaftes Debüt ist ein Debüt.

Liebe Leser. In der ursprünglichen Fassung stand "Arne Friedrich" statt "Manuel Friedrich". Wir haben den Fehler, den nicht unser Reporter vor Ort zu verantworten hat, korrigiert. Und natürlich weiß auch Christian Gödecke, für welchen Club Miroslav Klose spielt. Die Redaktion.