DFB-Elf gegen Polen Messer zwischen den Zähnen

Mit einem Sieg gegen Polen wäre dem DFB-Team der Einzug ins Achtelfinale sicher, doch für den Gegner geht es um alles. Stürmerstar Klose warnt vor der gefährlichen Konstellation – aber Bundestrainer Klinsmann hat ein Rezept gegen die angeschlagenen Nachbarn.

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Miroslav Klose ist mittlerweile so wichtig für den deutschen Fußball, dass man nicht mehr mit ihm sprechen darf. Jedenfalls nicht allein. Einzelinterviews mit dem Stürmer sind eine Rarität, es gibt zu viele Anfragen. Und weil jeder etwas von ihm wissen will, muss Klose, 28, immer wieder bei der Pressekonferenz erscheinen, das war im Genfer Trainingslager schon so, und auch in Berlin hat sich daran nichts geändert. Er antwortet dann ruhig und zurückhaltend auf Fragen, die eigentlich immer die gleichen sind. Klose will nicht im Mittelpunkt stehen.

Stürmer Klose: "Schnell hinter den Ball kommen"
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Stürmer Klose: "Schnell hinter den Ball kommen"

Einen Tag vor dem zweiten WM-Gruppenspiel der deutschen Mannschaft (21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) in Dortmund steht er dort zwangsläufig. Der nächste Gegner ist Polen, Kloses alte Heimat - mit acht Jahren kam er nach Deutschland. "Ein besonderes Spiel" nennt er es, "ich fahre immer noch in dieses Land, ich mag diese Menschen. Meine Tante und mein Onkel leben ja noch dort."

Sportlich ist Polen für Klose ein Gegner, der Deutschland auf dem Weg ins Achtelfinale im Weg steht - und gegen den man kein leichtes Spiel haben wird. "Ein angeschlagener Boxer ist immer am gefährlichsten", sagt Klose. "In diesem Fall ist das Polen." Der Favorit hatte sein erstes Gruppenspiel gegen Ecuador 0:2 verloren, in der Heimat hat man sich seither eingeschossen auf die Versager, mit einer Niederlage wäre das Minimalziel Achtelfinale wohl schon verpasst. Deshalb, so Klose, würden die Polen in Dortmund "mit Messern zwischen den Zähnen auflaufen".

Kloses martialische Wortwahl zeigt, dass man beim DFB den Nachbarn nicht unterschätzt. "Eine ganz, ganz heiße Kiste und ein enges Ergebnis" erwartet Jürgen Klinsmann, der von seinen Spielern "vollstes Engagement und Konzentration" verlangt. Auch dem Bundestrainer ist das "aggressive Umfeld", in dem sich die polnische Mannschaft nach der Auftaktpleite befindet, nicht entgangen. "Das wird zur Sache gehen, für die ist es fünf vor zwölf", sagt Klinsmann. "Die werden alles geben, um im Turnier zu bleiben."

Wie spielt man gegen einen Gegner, der "mit dem Rücken zur Wand steht" (Klinsmann)? Der mit allen Mitteln versuchen wird, das Ausscheiden zu vermeiden, vielleicht auch mit Härte, die über das Erlaubte hinaus geht? "Wir müssen positiv aggressiv auftreten", sagt der Bundestrainer und meint wohl nichts Anderes, als mit den gleichen Mitteln zu reagieren. Der 41-Jährige hat seine Spieler mit Gesprächen und einer Videoanalyse auf den Gegner eingestellt. Auch Arne Friedrich wird dabei sein gegen Polen. "Kein Problem" sei es, so Klinsmann, wenn einer mal eine schlechte Partie abliefere wie der Rechtsverteidiger gegen Costa Rica.

Klose will seinen Teil zum Erfolg beitragen, vor allem mit verstärkter Defensivarbeit der Angreifer, "da haben wir uns absolut etwas vorzuwerfen". Er und sein ebenfalls in Polen geborener Sturmpartner Lukas Podolski müssten versuchen, "schneller hinter den Ball zu kommen", also bei Ballverlusten zurück zu eilen und die Räume verengen. "Umschalten von Angriff auf Verteidigung" heißt dieses taktische Verhalten, das beim Auftakt noch zu wünschen übrig ließ.

Da ist sie wieder, diese Zurückhaltung, wichtiger als das Toreschießen ist für Klose, an den Schwächen zu arbeiten. Mitunter treibt diese Selbstverleugnung der eigenen Stärke auch lustige Blüten wie in Genf, als er nach den Favoriten auf die Torjägerkrone dieser WM gefragt wurde. "Ronaldo und alle anderen", sagte er, und alle lachten außer Klose. Er sieht sich als einer von vielen. Dass er die Rangliste nach dem Eröffnungsspiel mit zwei Treffern anführt, dürfte an dieser Sichtweise nichts geändert haben.



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