DFB-Elf gegen Ungarn in der Einzelkritik Werner wieder glücklos, Goretzka fehlt diesmal das Herz

Das neue Dortmunder Innenverteidigerpärchen Niklas Süle und Nico Schlotterbeck harmoniert beim Remis in Budapest noch nicht. In der Mitte blieb Leon Goretzka blass, vorn muss sich Hansi Flick was einfallen lassen.
Aus Budapest berichtet Jan Göbel
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Manuel Neuer (Tor): Kurz vor der Pause konnte sich die deutsche Nummer eins erstmals auszeichnen, mit starker Beinabwehr verhinderte Neuer den erneuten Rückstand der DFB-Elf. Er ließ sich vom lauten Publikum nicht beeindrucken, war auch als Anspielstation stets zuverlässig. Neuer blieb in seinem 112. Länderspiel auf Ruhepuls-Niveau, was umso beeindruckender ist, da ihn seine Vorderleute einige Nerven gekostet haben dürften.

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David Raum (Abwehr): Der Hoffenheimer konnte den starken England-Eindruck nicht fortführen. Er kam schlecht in die Partie und ließ sich beim 0:1 von Attila Fiola überlaufen. Auch danach passierte viel in seinem Rücken. Dass der Lautstärke-Pegel im Puskás-Stadion immer wieder mal hochging, lag auch an seiner Unsicherheit, die in der zweiten Hälfte weniger auffiel. Seine große Stärke ist die Offensivarbeit, in der 40. Minute hätte er beinahe die Führung erzielt.

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Nico Schlotterbeck (Abwehr): Er verlor vor der ungarischen Führung seinen Freiburger Ex-Teamkollegen Roland Sallai aus den Augen. Doch Fehler kann man ihm oft schnell verzeihen, dafür sorgt er selbst. Sein Traumpass über das halbe Spielfeld zum 1:1 zeigte, welch beeindruckende Übersicht der 22-Jährige besitzt. Schlotterbecks Aufgabe in den kommenden Monaten wird sein, sich Konstanz über 90 Minuten zu erarbeiten. Das Potenzial hat er.

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Niklas Süle (Abwehr): Erstmals durfte das künftige Dortmunder Innenverteidiger-Duo gemeinsam in der DFB-Auswahl auflaufen, und an ihrer Abstimmung müssen Süle und Schlotterbeck noch arbeiten. Beim 0:1 hatten sie sich gemeinsam überraschen lassen. Süle gelang es nicht, die Chefrolle einzunehmen, die der diesmal geschonte Antonio Rüdiger zuletzt so stark ausgefüllt hatte. Wenn dieses Spiel ein Casting um den WM-Platz neben Rüdiger war, dann hat es Süle gegen Schlotterbeck verloren.

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Thilo Kehrer (Abwehr): Lukas Klostermann hatte gegen England Eindruck hinterlassen, nun durfte sich der PSG-Spieler beweisen. Und das gelang ihm nicht. Kehrer kam wie die gesamte Abwehrkette beim 0:1 durch Zsolt Nagy zu spät. Mitte der ersten Hälfte leitete Kehrer mit einem verunglückten Kopfball einen gefährlichen Konter ein. Er wirkte unsicher, war in der Abwehr kein Stabilisator und im Spiel nach vorne auch kaum Unterstützung.

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Joshua Kimmich (Mittelfeld): Der Bayern-Star hat sich in den vergangenen Wochen in aufsteigender Form befunden, gegen Ungarn bekam diese Kurve einen kleinen Knick. Der Mann mit dem defensiven Part im deutschen Mittelfeld hatte nach einem Tor gegen Italien und einer Torvorlage gegen England erneut die Offensive im Blick – auf Kosten seiner Hintermannschaft. In der zweiten Hälfte zog sich Kimmich etwas zurück, das brachte dem Team mehr Sicherheit, aber ihm weniger Möglichkeiten, zu glänzen.

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Leon Goretzka (Mittelfeld, bis 68. Minute): Vor einem Jahr hatte der Münchner die DFB-Auswahl gegen Ungarn ins EM-Achtelfinale gerettet; sein Herz-Jubel beim Treffer zum 2:2 in Richtung ungarischer Fans erregte große Aufmerksamkeit, nahm er doch direkt Bezug auf ein Gesetz in Ungarn, das Informationsbeschränkung für Homosexualität vorsieht. Nun musste er sich ins Spiel reinarbeiten, er hat in den vergangenen Monaten ein wenig von seiner Präsenz aus dem ersten Coronajahr 2020 verloren. Ein feiner Pass auf Werner kurz vor der Pause war seine aufregendste Szene.

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İlkay Gündoğan (Mittelfeld, ab 68. Minute): Der 31-Jährige von Manchester City konnte keine größeren Akzente mehr setzen. Es war eher so, dass ab seiner Hereinnahme die deutsche Mannschaft wieder etwas unsicherer in der Defensive wurde.

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Jonas Hofmann (Mittelfeld, bis 85. Minute): Er ist der überraschende Gewinner dieser Nations-League-Wochen. Stand jetzt. Traf nach dem Tor gegen England erneut. Der Gladbacher war viel unterwegs, mal half er als vorgezogener Rechtsverteidiger hinten mit, dann tauchte er wieder im Sturmzentrum auf. In der 73. Minute war er frei vor dem Tor und hätte in seiner Form selbst schießen sollen. Sein Querpass zu Werner wurde zu einem Eckball geklärt.

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Lukas Nmecha (Angriff, ab 85. Minute): Mit ihm und Adeyemi warf Flick alle Offensivkräfte ins Spiel, die ihm zur Verfügung standen. Nmecha war sofort in Laufduellen unterwegs, aber viel mehr konnte er in den wenigen Minuten nicht mehr zeigen.

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Kai Havertz (Mittelfeld, bis 85. Minute): Der Chelsea-Star musste einige Sonderrollen erfüllen, zum Beispiel Kehrer auf der rechten Seite unterstützen. Bei Angriffen versuchte er, Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und Werner Räume zu eröffnen. Der 23-Jährige war aktiv, auch wenn man ihn kaum am Ball gesehen hat. Sein feines Zuspiel auf Hofmann hätte für die Führung sorgen können.

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Karim Adeyemi (Angriff, ab 85. Minute): Den Noch-Salzburger und künftigen Dortmunder würde man gern einmal über 90 Minuten sehen, als vorderste Spitze. Gegen Ungarn blieben ihm fünf Minuten, das war selbst für den schnellen Adeyemi zu wenig.

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Jamal Musiala (Mittelfeld, bis 78. Minute): Es war das 14. Länderspiel für den 19 Jahre alten Musiala, mehr DFB-Einsätze hat in der Geschichte der deutschen Nationalmannschaft noch kein Spieler unter 20 Jahren aufweisen können. Es werden mit großer Wahrscheinlichkeit noch sehr viele Spiele dazukommen, auch wenn der Abend in Budapest nicht sein stärkster Auftritt gewesen ist. Immer wieder mal ließ der Bayern-Spieler seine Klasse aufblitzen, doch das letzte Detail fehlte. Die große Aktion war nicht dabei.

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Julian Brandt (Mittelfeld, ab 78. Minute): Er holte kurz vor Abpfiff einen Freistoß in guter Position heraus, mehr war vom Dortmunder nicht zu sehen.

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Timo Werner (Angriff, bis 78. Minute): In der 44. Minute traf Werner, allerdings einen ungarischen Fan ins Gesicht, als er ein Goretzka-Zuspiel klar am Tor vorbei und den Ball auf die Tribüne schoss. Er lief viel und brach kaum durch, wirkte glücklos – das hat man schon oft über den Chelsea-Stürmer gesagt. Man wird den Eindruck nicht los, dass da etwas dran ist. In den vergangenen vier Länderspielen gegen die Niederlande, Italien, England (Kurzeinsatz) und nun gegen Ungarn gelang ihm jedenfalls kein Treffer.

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Thomas Müller (Angriff, ab 78. Minute): Müller hat nun auch ein 115. Länderspiel bestritten. Es dürfte ihm nicht in großer Erinnerung bleiben.

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Hansi Flick: Dem Bundestrainer und der deutschen Auswahl bleiben bis zur Herbst-WM in Katar nur noch wenig Zeit. Deswegen sind Flicks viele Experimente und Umstellungen in diesen Wochen nachvollziehbar. Er muss sichten, Lösungen finden – auf einigen seiner Baustellen ist Flick davon noch weit entfernt. Vor allem die Frage nach der Idealbesetzung im Angriff ist weiter unbeantwortet. Immerhin: Flick ist auch im zwölften Spiel ohne Niederlage geblieben. Allerdings war das 1:1 auch das vierte Spiel in Folge ohne Sieg.

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