DFB-Elf ohne Schweinsteiger Not-OP am deutschen Herzen

Wer kann Bastian Schweinsteiger ersetzen? Keiner - was die Nationalelf vor ein Problem stellt. Die beste 1b-Lösung wäre Toni Kroos, Bundestrainer Löw spricht aber von weiteren Optionen - der wichtigste Mann ist aber ohnehin Sami Khedira.

dapd

Von Jan Reschke


Er war der Mann, der das deutsche Spiel bei der WM in Südafrika wie kein Zweiter geprägt hat. Der das Geschehen auf dem Platz zu lenken vermag, das Tempo vorgibt und Temperament vorlebt. Er ist das Herz der deutschen Mannschaft.

Bundestrainer Joachim Löw weiß, dass er Bastian Schweinsteiger nicht eins zu eins ersetzen kann. Für das Spiel gegen die Türkei, dem härtesten Gegner der EM-Qualifikation, fällt der Bayer verletzt aus, und es braucht eine Not-OP. Weil Schweinsteiger der beste deutsche Spieler auf dieser Position ist, eine 1a-Besetzung, muss sich der Bundestrainer jetzt eine 1b-Lösung suchen.

Auf der Pressekonferenz an diesem Donnerstag sagte Löw: "Toni Kroos ist ein Spieler, der auf dieser Position spielen kann." Doch der Münchner Kroos ist nicht seine einzige Option. "Ich habe mich noch nicht festgelegt, es gibt zwei, drei Varianten." Er räumte auch Stuttgarts Christian Träsch und etwas überraschend Bayern-Jungstar Thomas Müller Chancen ein, auf der Position neben Sami Khedira im defensiven Mittelfeld von Beginn an aufzulaufen.

Unwahrscheinlich, dass Löw etwas grundlegend Neues ausprobiert

"Thomas Müller spielt auch bei den Münchnern im Zentrum und kann dort viel Druck entfalten", sagte Löw. Unwahrscheinlich aber, dass Löw gegen den "stärksten Gegner in dieser Gruppe" etwas grundlegend Neues ausprobiert. Außerdem bildet Müller auf der rechten Seite mit Außenverteidiger Philipp Lahm ein exzellentes Gespann.

Träsch macht derzeit mit dem VfB Stuttgart eine schwierige Phase durch, der Club steht mit nur drei Punkten aus acht Partien auf dem letzten Tabellenplatz. Einen verunsicherten Spieler in einer zentralen Rolle in der wohl wichtigsten Begegnung der Qualifikation - das wäre riskant. Immerhin hob Löw auf der Pressekonferenz hervor, dass Träsch sich gut eignen würde, weil er mit Khedira schon in Stuttgart das Doppel vor der Abwehr gebildet hat.

Die beste Option für Löw ist sicherlich Kroos. Der Münchner hat schon im Freundschaftsspiel gegen Ungarn die Position neben Khedira im defensiven Mittelfeld eingenommen. Er hat die technischen Fertigkeiten, Bälle in schwierigen Situationen gut zu verarbeiten und mit klugen Pässen das Geschehen schnell zu verlagern. Er kommt damit Schweinsteigers Fähigkeiten am nächsten. Außerdem hat Kroos Stärken im Abschluss, besonders aus der Distanz ist er torgefährlich, was ihm bei seinen Vorstößen nutzen dürfte.

Gegen die Türkei ist "eine gute Raumaufteilung" nötig

Würde Löw Schweinsteiger nicht ersetzen, müsste er sein System umstellen. Weg vom Modell mit zwei defensiven Mittelfeldspielern hin zu einem 4-4-2 in Rautenformation. Doch das ist unwahrscheinlich. "Das System wird nicht gravierend verändert", sagte Löw. Er wird nur dessen Ausrichtung ein wenig umstellen.

Die Aufteilung zwischen Khedira und Kroos wäre nicht ganz so flexibel wie beim Duo Schweinsteiger/Khedira, wo sich mal der eine, mal der andere in die Offensive einschaltet. Wenn Kroos und Khedira gemeinsam auflaufen, kommt Letzterem eher eine defensive Rolle zu. Schon bei der WM beeindruckte Khedira mit einer unglaublichen Laufleistung, gehörte mit insgesamt 78,57 zurückgelegten Kilometern zu den vier laufstärksten Spielern aller WM-Teilnehmer - wobei die drei Spieler, die in dieser Kategorie vor ihm lagen, mehr Spielzeit hatten. Gegen die Türkei ist für Löw "eine gute Raumaufteilung" unabdingbar. Dafür ist wieder viel Laufarbeit von Khedira notwendig.

Für den Spieler selbst ist es nach eigener Aussage unerheblich, mit welchem Nebenmann er auflaufen wird: "Egal wer spielt, egal ob Träsch, Kroos oder Müller, alle haben ihre Qualitäten." Sich selbst sieht Khedira auf einem guten Weg nach seinem Wechsel nach Spanien. "Ich habe meinen Rhythmus gefunden und sehr gute Spiele absolviert." Trotz der Bedeutung der Partie gegen die Türkei gibt sich Khedira selbstsicher. "Ich werde wie immer gleich ins Spiel gehen und meine Aufgabe zu 100 Prozent erfüllen."

Zumindest eine Herzkammer funktioniert dann wie gewohnt.

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Seite 1
Kanzla87 02.09.2010
1.
Belgien: Eine Mannschaft der Unbekannten, ohne große Namen - dafür aber große Stolpergefahr für Deutschland. Türkei: Sicherlich so ziemlich der unangenehmste Gegner, den man sich wünschen kann. Kampfstark und technisch beschlagen - es werden hitzige Duelle. Aserbaidschan: "Es gibt keine Kleinen mehr" lasse ich nicht gelten. Hier muss ein klarer Sieg her! Österreich: Vielleicht der Geheimfavorit der Gruppe. Haben schon oft bewiese, große Gegner ärgern zu können. Enge Sache. Kasachstan: Hier müssen 2x3 Punkte her, wenn man sich Qualifizieren will. Könnten jedoch die eine oder andere Überraschung parat haben. Fazit: Schwere Gruppe, die ersten vier Mannschaften werden eng beieinander liegen - hoffentlich mit gutem Ende für den DFB.
LocoGrande 02.09.2010
2.
Gegen Österreich und Türkei je 4 Punkte Gegen alle anderen je 6 Punkte. Gruppensieg vor der Türkei. Das muss der Anspruch sein.
gelegenheitsposter, 02.09.2010
3. nie wieder Angsthasenfussball
Moin, jetzt brauchen wir noch keine Vizekapitän, der den Angsthasenfussball gegen Spanien vergessen macht. 2006 gab es die Achse Ballack/Frincks, die eine Mannschaft stabilisiert hat .... Frincks war leider im entscheidenden Moment gesperrt weil er einem Argentinier das Kinn poliert hat .... Aber das ist immer noch besser als der Angsthasenfussball der Nationalmannschaft gegen Spanien 2010 .... Die Euphorie nach den Siegen gegen England und Argentinien ist unbegründet, wenn auch für den Moment sehr berauschend. Argentinien hatte schon Probleme in der Qualifikation .... und Englands Swingerclub war doch durch den Wind ... Beide Mannschaften waren doch aus der Spur. Der Umgang mit Frincks und Ballack ist erst gerechtfertigt wenn die Krabbelgruppe sich gegen einen ernstzunehmenden Gegner in guter Verfassung (also nicht Argentinien und England 2010) ... durchsetzt, egal wie .... Es wäre schade wenn Völler der letzte Bundestrainer mit Finalteilnahme und ohne Bundesverdienstkreuz bliebe ....
Umberto, 02.09.2010
4.
Zitat von Kanzla87Belgien: Eine Mannschaft der Unbekannten, ohne große Namen - dafür aber große Stolpergefahr für Deutschland. Türkei: Sicherlich so ziemlich der unangenehmste Gegner, den man sich wünschen kann. Kampfstark und technisch beschlagen - es werden hitzige Duelle. Aserbaidschan: "Es gibt keine Kleinen mehr" lasse ich nicht gelten. Hier muss ein klarer Sieg her! Österreich: Vielleicht der Geheimfavorit der Gruppe. Haben schon oft bewiese, große Gegner ärgern zu können. Enge Sache. Kasachstan: Hier müssen 2x3 Punkte her, wenn man sich Qualifizieren will. Könnten jedoch die eine oder andere Überraschung parat haben. Fazit: Schwere Gruppe, die ersten vier Mannschaften werden eng beieinander liegen - hoffentlich mit gutem Ende für den DFB.
Das ist bei der Mannschaft jeden Landes so, wenn man sich dafür nicht interessiert, also auch nicht damit beschäftigt.
Küchenbulle2010 02.09.2010
5.
Zitat von gelegenheitsposterMoin, jetzt brauchen wir noch keine Vizekapitän, der den Angsthasenfussball gegen Spanien vergessen macht. 2006 gab es die Achse Ballack/Frincks, die eine Mannschaft stabilisiert hat .... Frincks war leider im entscheidenden Moment gesperrt weil er einem Argentinier das Kinn poliert hat .... Aber das ist immer noch besser als der Angsthasenfussball der Nationalmannschaft gegen Spanien 2010 .... Die Euphorie nach den Siegen gegen England und Argentinien ist unbegründet, wenn auch für den Moment sehr berauschend. Argentinien hatte schon Probleme in der Qualifikation .... und Englands Swingerclub war doch durch den Wind ... Beide Mannschaften waren doch aus der Spur. Der Umgang mit Frincks und Ballack ist erst gerechtfertigt wenn die Krabbelgruppe sich gegen einen ernstzunehmenden Gegner in guter Verfassung (also nicht Argentinien und England 2010) ... durchsetzt, egal wie .... Es wäre schade wenn Völler der letzte Bundestrainer mit Finalteilnahme und ohne Bundesverdienstkreuz bliebe ....
Wenn man schon meckert, sollte man auch die Fakten kennen. Es gibt überhaupt nur EINEN ehemaligen Bundestrainer, der kein Bundesverdienstkreuz bekommen hat. Sein Name: Erich Ribbeck.
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