DFB-Erfolg gegen Türkei Schnörkellos-Sieg mit Schönheitsfehlern

Neunter Erfolg im neunten EM-Qualifikationsspiel: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist nach dem Sieg in der Türkei weiter auf Rekordkurs. Die DFB-Elf agierte effizient, zeigte jedoch auch einige spielerische Schwächen.

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Hamburg - Die Torjubel fielen verhalten aus, die Freude nach dem Spiel hielt sich ebenfalls in Grenzen. Für Deutschland war die Partie in der Türkei ein besserer Test. Das Team konnte lange nicht überzeugen, trotzdem war die DFB-Elf auch im neunten EM-Qualifikationsspiel siegreich. Die Tore beim 3:1 (1:0) in Istanbul schossen Mario Gomez (35. Minute), Thomas Müller (66.) und Bastian Schweinsteiger (85./Foulelfmeter). Für die Gastgeber traf Hakan Balta zum zwischenzeitlichen 1:2 (79.).

"Vor 50.000 Türken zu gewinnen gegen eine Mannschaft, die mit großer Motivation spielt, das ist schon in Ordnung", sagte Bundestrainer Joachim Löw, der seinen 50. Sieg im 71. Länderspiel feierte. Torschütze Gomez ergänzte: "Wir hatten sogar noch ein paar Chancen mehr. Insgesamt können wir aber zufrieden sein. Das Spiel war nicht einfach", so der 26-Jährige.

Löw musste auf Mesut Özil (Achillessehnenprobleme) und Miroslav Klose (Knieprellung) verzichten, dafür liefen Mario Götze im offensiven Mittelfeld und Gomez im Sturm von Beginn an auf. Für Deutschland, das bereits seit dem 6:2 über Österreich als Gruppensieger feststeht, ging es um nichts mehr. Und so agierte die Mannschaft über weite Strecken der Partie auch: ohne Präzision, ohne den letzten Einsatz und unkonzentriert. In der Offensive unterliefen dem DFB-Team zu viele ungenaue Pässe, es mangelte an konsequent vorgetragenen Aktionen.

Die besseren Möglichkeiten hatte der Gegner: Zunächst war es Manuel Neuer, der die türkische Führung mit einer starken Reaktion verhinderte (5.). Die deutsche Defensive hatte es den Türken zu einfach gemacht, Hamit Altintop bekam frei vor Neuer den Ball, doch der Keeper wehrte den Schuss mit der Hand ab. Weitere Chancen hatten Selçuk Inan, der aus aussichtsreicher Position weit über das deutsche Tor schoss (29.), und erneut Altintop, der wieder Neuer traf (35.).

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Im direkten Gegenzug war Gomez erfolgreich - mit der ersten Gelegenheit. Der Stürmer nahm einen Pass von Müller sehenswert an, dribbelte Verteidiger Servet Çetin aus und ließ Torhüter Volkan Demirel keine Chance (35.).

Zu Beginn der zweiten Halbzeit wurde Deutschland gefährlicher, Gomez (55.) und Müller (58.) hätten auf 2:0 erhöhen können. Auf der anderen Seite konnte Jérôme Boateng erst in letzter Sekunde gegen Burak Yilmaz zur Ecke klären (59.). Löws Mannschaft wurde jedoch immer stärker, der eingewechselte André Schürrle brachte Demirel in Verlegenheit (64.). Zwei Minuten später schoss Neuer den Ball weit nach vorne, Götze verarbeitete den Pass und spielte quer auf Müller, der zum 2:0 traf.

Das war es dann vorerst aber auch von den Gästen. Zwar kontrollierte Deutschland das Geschehen, schien mit dem Ergebnis aber mehr als zufrieden. Etwas schmeichelhaft fiel dann der Anschlusstreffer der Türken aus, denen es zuvor schwer gefallen war, wieder Torgefahr zu entwickeln. Nach einer Flanke von der rechten Seite stand Hakan Balta im Strafraum völlig frei - Müller hatten ihn aus den Augen verloren - und ließ sich die Chance nicht entgehen (79.).

Schweinsteiger sorgt per Elfmeter für die Vorentscheidung

Doch die Hoffnung auf einen Punkt währte nur knapp fünf Minuten. Das DFB-Team tat wieder etwas mehr in der Offensive. Schürrle vergab zunächst die Vorentscheidung (83.), zwei Minuten später verwandelte Schweinsteiger nach einem Foul an Müller einen Elfmeter (85.).

Am Dienstag trifft Deutschland in Düsseldorf (19 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) im letzten EM-Qualifikationsspiel auf Belgien. Mit einem weiteren Erfolg würde die DFB-Elf zum ersten Mal in ihrer Geschichte die Maximalpunktzahl holen.

In den weiteren Spielen der Gruppe A am Freitag gewann Österreich in Aserbaidschan 4:1 (1:0), Belgien bezwang Kasachstan ebenfalls 4:1 (2:0). Dank des Erfolges rückten die Belgier (15 Punkte) auf den zweiten Tabellenplatz vor, die Türkei ist nun mit Dritter (14). Der zweite Rang berechtigt zur Teilnahme an den Playoffs.

Türkei - Deutschland 1:3 (0:1)
0:1 Gomez (35.)
0:2 Müller (66.)
1:2 Hakan Balta (79.)
1:3 Schweinsteiger (85./Foulelfmeter)
Türkei: Volkan Demirel - Gökhan Gönül, Servet Çetin, Egemen Korkmaz, Hakan Balta - Aurelio (86. Umut Bulut), Selçuk Inan (46. Gökhan Töre) - Hamit Altintop, Arda Turan (70. Kazim Kazim), Sabri Sarioglu - Burak Yilmaz
Deutschland: Neuer - Boateng (73. Höwedes), Mertesacker, Badstuber, Lahm - Schweinsteiger, Khedira - Müller, Götze (90. Reus), Podolski (62. Schürrle) - Gomez
Schiedsrichter: Atkinson (England)
Zuschauer: 50.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Hamit Altintop - Badstuber

Mit Material von sid

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Silver_Future 07.10.2011
1. out of space
Respekt für den Live-Ticker-Kommentar. War sehr spassig. Vor allem wenn man eben nicht am TV sitzt, aber den ständigen Verweis darauf bekommt: "Falls Sie noch nicht auf der Couch vorm Fernseher weggedöst sind..." Well - -ich lese den Live-Ticker, weil ich gerade nicht da bin...;-) aber scheee war´s trotzdem. und Kaffee schmeckt auch kalt. Aber nur schwarz
RichardT, 07.10.2011
2.
Zitat von sysopDie deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat auch das neunte EM-Qualifikationsspiel gewonnen. In der Türkei war die DFB-Elf effizient, zeigte*spielerisch*allerdings eine mäßig Leistung. Mit einem Rekord könnte es klappen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,790641,00.html
Super, in Istanbul, trotzdem manche nicht so recht ins Spiel kamen - an diesen Deutschen kommt zz keiner so wirklich vorbei, der wohin will ..... Und eben in Springer-Weltonline ... Kommentare - ekelhaft. Da freut sich keiner wirklich über den Fussballsieg, sondern darüber Türken eins reingewürgt zu haben. Wie soll man da je stolz sein daher zu kommen, woher man halt kommt, das wollen die ja scheint's sein, es ist nur peinlich ....
KnoKo 07.10.2011
3. ...
Bin ich eigentlich der Einzige, den es nervt, wenn die Buli wegen irgendwelcher NM-Spiele ausfällt?
Gani, 07.10.2011
4. Habsch doch gesagt
war zwar nicht der "zweite Anzug", aber im Grunde haben unsere Jungs die Türken doch noch weggelutscht, nachdem sie sich mal zusammengerissen haben. Der Löw hat schon recht wenn er sagt, wenn man die Türken spielen lässt, dann spielen sie toll und gefährlich, gibt man ihnen wenig Raum, dann ist das Strohfeuer schnell aus, da ihnen keine Lösungen einfallen.
stanislaus2 08.10.2011
5. Das deutsche Team spielt nicht schön,
sondern effizient. Bei Wettbewerben geht es weniger darum, Mätzchen und Kunststückchen zu zeigen, sondern darum Tore zu schiessen und zu verhindern. Die Mannschaft mit einem Tor mehr gewinnt, nicht die, die schöner Fußball spielen kann. Und dafür braucht man wirklich nicht zu rennen, bis einem die Zunge aus dem Hals hängt. Neuer, Müller, Gomez haben es heute vorgeführt, wie das geht. Wie früher Beckenbauer und Müller. Das ganze Getobe von Barcelona ist immer sehr schön anzuschauen und sie spielen die Gegenspieler und die Zuschauer schwindelig. Aber sehr effektiv ist es nie. Löw hat es wohl endlich begriffen, man gewinnt nicht durch Ballbesitz, sondern durch konzentrierte Konter mit Torerfolg.
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