DFB-Krise Keller trifft sich nach Nazivergleich mit Knobloch

DFB-Boss Fritz Keller scheint trotz seines Nazivergleichs nach wie vor entschlossen, sein Amt zu behalten. Ein Gespräch mit der früheren Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, soll ihm dabei helfen.
DFB-Boss Fritz Keller

DFB-Boss Fritz Keller

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Patrick Seeger/DPA

Der schwer in der Kritik stehende und zum Rücktritt aufgeforderte Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Fritz Keller, hat sich am Donnerstagvormittag in München mit Charlotte Knobloch, der früheren Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, zu einem Meinungsaustausch getroffen. Eine entsprechende Meldung der »Bild«-Zeitung trifft nach Informationen des Sport-Informationsdienstes zu.

Bei dem Gespräch ging es um Kellers heftig kritisierten Nazivergleich. Der Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hatte seinen Stellvertreter Rainer Koch in einer Sitzung mit dem berüchtigten Nazirichter Roland Freisler verglichen. Damit spitzte Keller die Führungskrise des Verbandes dramatisch zu. Der 64-Jährige wurde von den Chefs der Landes- und Regionalverbänden mit großer Mehrheit zum Rücktritt aufgefordert.

»Ich habe in einem Konflikt aus der Emotion heraus etwas gesagt, das ich zutiefst bedauere. Das hat mit mir und meiner Haltung nichts zu tun«, sagte Keller, »ich spreche deshalb derzeit mit verschiedenen Personen, um das wieder geradezurücken und bedanke mich sehr bei Charlotte Knobloch, der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, für ihren Rat und ein sehr offenes Gespräch.«

Die 88-jährige Knobloch teilte in einem offiziellen Statement mit: »Dass er mit seiner unbedachten Aussage einen Fehler gemacht hat, steht außer Frage: Er selbst hat dafür bereits um Entschuldigung gebeten. Ein einziger verbaler Fehlgriff macht aber Kellers langjähriges Engagement nicht ungeschehen, und er ändert auch nichts an der Person Fritz Keller, die ich kenne und unverändert schätze.«

Das Gespräch hatte wohl aber auch noch einen anderen Hintergrund. Am Montag hatte die DFB-Ethikkommission den Fall Keller vor das Sportgericht gebracht. Es ist das erste Mal, dass sich ein DFB-Präsident vor dem verbandsinternen Gericht verantworten muss. Leiter der Ethikkommission ist Bernd Knobloch, der Sohn von Charlotte Knobloch.

Keller hatte sich nach dem für ihn desaströsen Votum der Regional- und Landesvorsitzenden vom Wochenende Bedenkzeit ausgebeten. Auf der Konferenz von Potsdam hatten die DFB-Funktionäre nicht nur ihm, sondern auch Generalsekretär Friedrich Curtius das Vertrauen entzogen. Keller und Curtius blockieren sich seit Monaten gegenseitig in einem Machtkampf im Verband.

aha/sid
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