Fußball in Australien Randsportart am Rand der Welt

Fußball hat in Australien einen schweren Stand: Der Sport steht im Schatten von Australian Rules Football und Rugby. Ein Erfolg im Testspiel gegen Weltmeister Deutschland wäre eine Sensation.

Getty Images

Von , Sydney


Wenn Australier von "Football" oder "Footy" sprechen, meinen sie nicht das, was wir in Deutschland unter Fußball verstehen. Football - das ist auf dem Fünften Kontinent noch immer Australian Rules Football, eine für Außenstehende schwer zu verstehende Mischung aus Rugby und Fußball. Footy ist in Australien unumstrittene Sportart Nummer eins, die Fans fiebern seit Wochen dem Saisonstart am 2. April entgegen.

Im vergangenen Jahr besuchten durchschnittlich fast 34.000 Menschen die Spiele der Australian Football League. Nur NFL, Fußballbundesliga und Premier League haben einen höheren Zuschauerschnitt. Zum großen Finale kommen jedes Jahr knapp 100.000 Menschen ins Stadion nach Melbourne - mehr als zu den meisten Superbowls.

Dagegen führt die A-League, die höchste australische Spielklasse in dem, was wir Fußball nennen, ein Schattendasein. In der laufenden Saison kommen im Schnitt etwa mehr als 13.000 Fans pro Spiel ins Stadion. Die Zahlen stagnieren: In der aktuellen, zehnten Spielzeit liegt die Zuschauerzahl nur unwesentlich höher als zum Auftakt der A-League 2005.

Viele Stadien sind nur halbvoll

Trotz der Erfolge der Socceroos, dem Nationalteam, das sich seit 2006 dreimal in Folge für Weltmeisterschaften qualifizieren konnte, bleibt Fußball in Australien eine Randsportart, die besonders bei Einwanderern der ersten Generation aus Europa und Asien beliebt ist.

Sydney FC ist das Team mit dem zweithöchsten Zuschauerschnitt der Liga. Doch der Klub füllt sein Stadion mit 45.000 Plätzen nicht einmal zur Hälfte. Noch nie war ein Spiel ausverkauft.

Zur Partie gegen Vorjahresmeister Brisbane Roar kommen bei strömendem Regen 13.000 Zuschauer. Auf den Tribünen sitzen auffallend viele Familien mit kleinen Kindern. Die meisten tragen noch das hellblaue Trikot mit der Nummer 10 und dem Namen Del Piero. Die Juve-Legende spielte von 2012 bis 2014 für den Sydney FC.

Wie in den meisten europäischen Ligen haben sich hinter einem Tor die Ultras versammelt, ihre Liedtexte dürfen sie im offiziellen Stadionheft abdrucken. Eine Handvoll Auswärtsfans hat die fast tausend Kilometer aus Brisbane nach Sydney auf sich genommen und steht etwas verloren hinter dem anderen Tor.

Die A-League ist eine geschlossene Liga ohne sportlichen Auf- und Abstieg. Nur wirtschaftliche Probleme können zum Ausschluss führen. Trotzdem wirkt die Liga weniger durchkommerzialisiert als etwa die Bundesliga. Stadionsprecher, die sich aufführen wie Marktschreier, unlustige Spiele in der Halbzeitpause, Sponsoren, die auf der Anzeigetafel das Eckenverhältnis präsentieren - all das sucht man in Sydney vergebens.

Frank Lowy, Chef des australischen Fußballverbandes, sagt voraus, dass sich die Popularität der Liga in den nächsten zehn Jahren "verdoppeln oder verdreifachen werde". Fußball sei nicht mehr nur ein Sport der weißen Mittelschicht, sondern habe überall Anhänger. Das Niveau der A-League sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, dieser Trend werde sich fortsetzen, prophezeit Lowy.

Der Asienmeister kommt aus Australien

Die Zahlen geben ihm recht: Die Western Sydney Wanderers haben im vergangenen Jahr als erstes australisches Team die asiatische Champions League gewonnen. Die Nationalmannschaft entschied im Januar den Asia Cup für sich.

Doch im Kader des Nationalteams, das am Mittwoch in Kaiserslautern (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gegen die DFB-Elf antritt, sind nur acht Spieler aus der einheimischen Liga. Die Leistungsträger der Socceroos wie Mittelfeldspieler Massimo Luongo und Stürmer Matthew Leckie spielen bei Swindon Town, Drittligist in England, oder dem FC Ingolstadt, dem Tabellenführer der 2. Bundeliga, europäischen Teams jenseits der Erstklassigkeit.

Die Stars der A-League sind Europäer, denen in den heimischen Ligen die ganz große Karriere verwehrt geblieben ist. Thomas Broich spielt seit 2010 für Brisbane Roar und führte das Team seither dreimal zur Meisterschaft. In dieser Saison sorgt der Österreicher Marc Janko für Furore. Der Stürmer von Sydney FC führt mit 16 Treffern die Torschützenliste der A-League an.

Auf Platz zwei der Torjägertabelle steht derzeit Nathan Burns, der derzeit beste australische Stürmer. Er hofft auf einen Einsatz im Testspiel gegen Deutschland. Doch er spielt ausgerechnet beim einzigen neuseeländischen Verein in der A-League: Wellington Phoenix.



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RugbyLeaguer 25.03.2015
1.
Frage mich ob der Verfasser dieses Artikels sich die Mühe einer Recherche gemacht hat. Wenn ich den Arikel so lese eher nicht. Zum einen Australien Football ist keine Mischung aus Rugby und Assocication Football(Fußball). AFL hat nämlich keine großen Elemente der beiden Sportarten. Sieht man von der ovalen Form des Balles ab. Als die Sportart entwickelt wurde, Ende 1850er Jahre waren Rugby Football und Assocication Football noch ziemlich eins. Erst danach wurden die "Sheffield Regeln" notiert. Der "Mark" ist sogar ein Element aus einer Sportart der Ureinwohner. AFL wurde im übrigen für Cricketspieler entwickelt, um die im Winter, der spielfreien Zeit, fit zu halten. Dann Rugby. Neben AFL ist RUGBY LEAGUE die populärste Sportart. In NSW und Queensland die Nummer 1. Rugby League ist eine eigenständige Sportart die mit dem herkömmlichen Rugby Union fast nichts gemein hat. Rugby Union kommt eher auf Platz 3 (vielleicht sogar hinter Cricket auf 4) Die AFL (Australien Football League) und die NRL (National Rugby League) konkurrieren um die Gunst der 22 Mio Einwohner. Während im Stadion die AFL die Nase vorn hat liegt die NRL im TV vorne. Wieso wird eigentlich in jedem deutschen Bericht Rugby League mit Rugby Union gleichgesetzt? Sind die deutschen Journalisten zu Faul oder nicht im Stande richtig zu recherieren? In der heutigen Zeit dürfte das ja kein Problem sein......
Trainspotter 25.03.2015
2. Melbourne Victory
Warum Melbourne Victory, als absoluter Spitzenreiter im Zuschauer Schnitt und bei der Menge an Mitgliedern, nicht genannt wird, ist mir unverständlich. Zu den Victory Spielen sind fast immer mehr als 20.000 im Stadion, im Derby gegen Melbourne City waren es über 43.000. Und zum Showmatch gegen den FC Liverpool kamen sogar 95.000 Zuschauer. Wenn man von Teams wie den Newcastle Jets oder Central Coast Mariners absieht, stehen auch alle Teams im Management gut da. Das spielerische Niveau hat sich in den letzten Jahren ebenfalls enorm gesteigert. Das zeigt sich schon alleine daran, dass man als australischer Nationalspieler nicht mehr ins Ausland wechseln, bzw. im Ausland spielen muss, um seinen Platz im Team sicher zu haben, siehe z.B. Mark Milligan und Matt McKay.
tobo5824-09 25.03.2015
3. Erfolg wäre Sensation?
Die "Sensation" gelang den Australiern vor 4 Jahren, als sie die deutsche NM in Mönchengladbach 2:1 schlugen. Auch gegen die Holländer machten sie in Brasilien ein sehr starkes Spiel und verloren etwas unglücklich 2:3. Man sollte die Jungs nicht unterschätzen, zumal sie mit breiter Brust von der Asienmeisterschaft kommen, eingespielt sind und ihnen keine eingespielte deutsche Mannschaft gegenübersteht.
manfredkraemer 25.03.2015
4. Nathan Burns - Wellington Phoenix
Ich als Wellington Phoenix und Burns fan bin sehr gespannt wie er gegen die Deutschen spielt. Ich hoffe er schiesst ein tor. Das tolle an der A-League ist das man die Spieler hier hautnah erleben kann. Die touren auch regelmaessig durch schulen und reden mit den kids. Wie erwaehnt Stadion besuche sind total familienfreundlich und sicher. Noch zu erwaehnenswert ist das die Phoenix auch auf dem ersten Tabellen platz stehen, was die Aussies natuerlich besonders aergert.
gustavsche 25.03.2015
5.
Zitat von RugbyLeaguerFrage mich ob der Verfasser dieses Artikels sich die Mühe einer Recherche gemacht hat. Wenn ich den Arikel so lese eher nicht. Zum einen Australien Football ist keine Mischung aus Rugby und Assocication Football(Fußball). AFL hat nämlich keine großen Elemente der beiden Sportarten. Sieht man von der ovalen Form des Balles ab. Als die Sportart entwickelt wurde, Ende 1850er Jahre waren Rugby Football und Assocication Football noch ziemlich eins. Erst danach wurden die "Sheffield Regeln" notiert. Der "Mark" ist sogar ein Element aus einer Sportart der Ureinwohner. AFL wurde im übrigen für Cricketspieler entwickelt, um die im Winter, der spielfreien Zeit, fit zu halten. Dann Rugby. Neben AFL ist RUGBY LEAGUE die populärste Sportart. In NSW und Queensland die Nummer 1. Rugby League ist eine eigenständige Sportart die mit dem herkömmlichen Rugby Union fast nichts gemein hat. Rugby Union kommt eher auf Platz 3 (vielleicht sogar hinter Cricket auf 4) Die AFL (Australien Football League) und die NRL (National Rugby League) konkurrieren um die Gunst der 22 Mio Einwohner. Während im Stadion die AFL die Nase vorn hat liegt die NRL im TV vorne. Wieso wird eigentlich in jedem deutschen Bericht Rugby League mit Rugby Union gleichgesetzt? Sind die deutschen Journalisten zu Faul oder nicht im Stande richtig zu recherieren? In der heutigen Zeit dürfte das ja kein Problem sein......
Recherchieren Sie erstmal. Rugby ist eine Familie von Rugby-Varianten und nicht "Rugby Union", die wohl im weltweiten Maßstab am populärsten ist. Australian Football ist am meisten verwandt mit Gaelic Football. Von Gaelic Football weiß ich, dass es Elemente von Rugby, von Fußball und von Handball/Basketball (man muss den Ball regelmäßig dribbeln). Nur verstehe ich nicht, warum Sie sich darüber aufregen, dass man auf die Verwandtschaft zu Rugby Übrigens "Rugby League" ist auch keine eigene Sportart. Das steckt doch schon im Namen: "League". Es geht um spezifische Liga, aber das Wesen der Sportart ist Rugby. Oder leugnen Sie auch, dass es keinen Basketballsport gibt, sondern u.a. "NBA Basketball", "NCAA Basketball" und "FIBA Basketball". Die verschiedenen Varianten sind aber nicht groß genug, als dass man von verschiedenen Sportarten reden würde.
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