DFB-Gegner Irland Angriff der Kuscheltiere

Die irischen Medien sind pessimistisch. Sie erwarten von ihrem Team beim EM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland nicht viel - und vergleichen die Mannschaft gar mit kuscheligen Haustieren. Doch Steve Staunton, Coach der Iren, setzt auf die Geschichte.


Stuttgart - Die Generalprobe ging völlig daneben. 0:4 unterlag die irische Nationalelf jüngst gegen die Niederlande in einem Testspiel. Es war die die höchste Heimschlappe - seit dem 0:4 gegen Deutschland 1966.

Ire Keane: Torschütze gegen Deutschland bei der WM 2002
AP

Ire Keane: Torschütze gegen Deutschland bei der WM 2002

Doch ausgerechnet im Spiel beim WM-Dritten in Stuttgart morgen (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) wollen die Iren die Wende zum Guten schaffen. "Was passiert ist, wird Antrieb geben, es besser zu machen", sagt Trainer Staunton vor dem Auftakt der EM-Qualifikation. "Alle waren tief enttäuscht, egal ob sie mitgespielt haben oder nicht", berichtet Staunton vom Spiel gegen die Niederländer und fügt hinzu: "Das Spiel hat uns die Augen geöffnet. Es hat uns viel gebracht, wir haben daraus gelernt."

Die heimische Presse ist dennoch pessimistisch. "Das flaue Gefühl im Magen vor dem Spiel in Stuttgart ist durchaus begründet. Irgendwo auf dem Weg haben die irischen Spieler jenen Geist verloren, der ihnen zu drei WM- und EM-Teilnahmen verhalf", schreibt der "Irish Independent" heute: "Sie sind von Tigern zu zahmen Kätzchen mutiert", so die größte Tageszeitung des Landes weiter.

Die "Irish Post" spricht von einem "torlosen Remis" als höchstes der Gefühle. Doch dürften "Spieler wie Miroslav Klose, Lukas Podolski, Michael Ballack oder Torsten Frings, die sich bei der WM mit Tempofußball in die Weltspitze spielten, Richard Dunne und die anderen Verteidiger um den Schlaf bringen", schreibt das Blatt.

Coach Staunton gibt nichtsdestotrotz die Qualifikation zur EM als klares Ziel aus. Zumal die Teilnahme an der WM in Deutschland verpasst wurde. Gegen die Niederlande fehlten ihm zuletzt acht Stammspieler. Im Spiel gegen die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw kann Staunton voraussichtlich wieder seine beste Formation aufbieten. Kapitän Robbie Keane von Tottenham Hotspur wird ebenso ins Team zurückkehren wie Torhüter Shay Given von Newcastle United und dessen Vereinskollege Damien Duff. "Mit unserem kompletten Kader haben wir gegen jeden Gegner eine Chance. Wir sind fit, das ist das Entscheidende. Ich bin sehr optimistisch", sagt der 37 Jahre alte Coach forsch.

Letzte Niederlage gegen die DFB-Elf liegt 27 Jahre zurück

Zu unterschätzen sind die Iren jedenfalls nicht. 16 Spieler aus dem 22-köpfigen Aufgebot verdienen in der englischen Premier League ihr Geld. Auch die Geschichte gibt Coach Staunton Anlass zur Hoffnung. Die Bilanz gegen die deutsche Nationalelf ist mit fünf Siegen, drei Unentschieden und sechs Niederlagen beinahe ausgeglichen.

Beim letzten Aufeinandertreffen mit der DFB-Auswahl in der Vorrunde der WM 2002 in Südkorea und Japan trotzten die Iren dem Favoriten und späteren Vize-Weltmeister ein 1:1 dank eines Treffers von Stürmer Keane in der Nachspielzeit ab. Damals wirkte Staunton noch als Kapitän mit. 1994 kamen die Iren in Hannover gar zu einem 2:0-Sieg, die letzte Niederlage gegen die Deutschen (1:3 in Dublin) liegt bereits 27 Jahre zurück. Noch ein gutes Omen aus Sicht der Iren: Bei der EM 1988 feierten sie bei ihrem ersten Auftritt einen 1:0-Erfolg über den Erzrivalen England - im Stuttgarter Gottlieb-Daimler-Stadion.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:
Deutschland: Lehmann - Lahm, Arne Friedrich, Manuel Friedrich, Jansen - Schneider, Frings, Ballack, Schweinsteiger - Klose, Podolski
Irland: Given - Carr, Dunne, Andy O'Brien, Kilbane - Finnan, Reid, O'Shea, Duff - Keane, Doyle
Schiedsrichter: Medina Cantalejo (Spanien)

pav/sid



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