DFB-Gegner Österreich Grüß Gott, Tristesse

Österreichs Fußball ist seit Jahrzehnten graues Mittelmaß. Zwar gibt es beim nächsten DFB-Gegner in der EM-Quali talentierte Spieler, die im Ausland ihr Geld verdienen. Zu einer stabilen Einheit reicht es aber einfach nicht. Coach Constantini muss sich wohl bald einen neuen Job suchen.

AFP

Von , Gelsenkirchen


Den österreichischen Linksverteidiger Christian Fuchs plagte dieser Tage ein schwerwiegendes Problem. Er sorgte sich öffentlich darum, dass er im Eifer des Gefechts am Freitagabend beim EM-Qualifikationsspiel Deutschland gegen Österreich in Gelsenkirchen (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) die falsche Kabinentür erwischen könnte. Schließlich verdient der 25-Jährige sein Geld beim FC Schalke 04, und da ist er normalerweise in der Gastgeberkabine daheim. Zu behaupten, dass dies die größten Sorgen der österreichischen Auswahl vor dem Duell mit dem DFB-Team sind, wäre gelogen.

"Es ist ganz klar: Wir sind hier nur krasser Außenseiter", gibt sich Verteidigerkollege Florian Klein von Austria Wien keinen großen Illusionen hin, was die Perspektiven auf Schalke angeht. Nun liegt es ein wenig in der Wiener Mentalität begründet, die Dinge allzu gerne tiefschwarz zu sehen. Wer das Hinspiel im Juni im Praterstadion Revue passieren lässt, hat eine mindestens gleichwertige österreichische Auswahl in Erinnerung, die äußerst unglücklich in der letzten Minute durch den Treffer von Mario Gomez 1:2 unterlag.

Auf deutscher Seite scheint das allerdings mehr Eindruck gemacht zu haben als bei den Österreichern selbst. Während Bastian Schweinsteiger noch am Donnerstag davor warnte, dass "diese Partie überhaupt nicht einfach wird", grassiert bei den Gästen der Pessimismus. Trainer Dietmar Constantini, ohnehin seit Monaten umstritten in seiner Amtsführung, strotzte bei der Abschluss-Pressekonferenz jedenfalls nicht vor Zuversicht. Wenn das Team von Bundestrainer Joachim Löw ins Spiel komme, habe man wohl keinerlei Chancen, "dann machen sie keinen Fehler".

Mal lustvoll, mal haarsträubend

Constantini hat es in den vergangenen zweieinhalb Jahren als ÖFB-Teamchef trotz einiger starker Individualisten im Team nicht geschafft, eine Mannschaft zu formen, die konstant gute Ergebnisse vorweisen kann. Launisch, mal lustvoll, dann wieder haarsträubend schlecht - die Elf spielte unter ihrem Trainer, als wollte sie alle Klischees über den österreichischen Fußball bestätigen.

Der 56-jährige Coach ist ein eigenwilliger, sperriger Typ. Constantini hat routinierte Spieler wie den Mönchengladbacher Martin Stranzl aus der Nationalmannschaft vergrault, er lässt den wohl renommiertesten Stürmer des Landes, Marc Janko, regelmäßig auf der Ersatzbank versauern, obwohl der 28-Jährige beim niederländischen Spitzenclub Twente Enschede Tor auf Tor erzielt. Den Bremer Marko Arnautovic hat er monatelang mit Nichtachtung gestraft, um ihm gegen Deutschland plötzlich einen Platz in der Anfangself anzubieten.

Qualifikation ist so gut wie abgehakt

Im österreichischen Verband ist man mit Constantini längst nicht mehr zufrieden. Verbandschef Leo Windner verteilt über die Medien Seitenhiebe gegen den Coach. Der ehemalige Münchner Profi und österreichische Rekordnationalspieler Andreas Herzog wird bereits als Nachfolger lanciert. Über der Vorbereitung des Deutschlandspiels hing die ganze Woche eine Wolke der schlechten Laune.

Die Qualifikation für die Europameisterschaft haben sie beim ÖFB jedenfalls schon mehr oder weniger abgehakt. Österreich liegt in der Tabelle nach drei Niederlagen am Stück nur noch auf Rang vier mit derzeit vier Punkten Rückstand auf den zweiten Platz, mit dem man zumindest die Relegation erreichen könnte. Eigentlich müsste man alle vier ausstehenden Partien gewinnen, um noch dorthin zu gelangen. Doch daran dürften nicht einmal optimistische Österreicher glauben.

Dabei hat Joachim Löw über den Gegner gesagt: "Die Mannschaft der Österreicher ist so stark besetzt wie seit Jahren nicht." Tatsächlich spielen zahlreiche Akteure der ÖFB-Auswahl bei ausländischen Clubs mit gehobenen Ansprüchen: Neben Janko, Fuchs und Arnautovic verdienen unter anderem David Alaba (Bayern München), Emanuel Pogatetz (Hannover 96), Martin Harnik (VfB Stuttgart) oder Ekrem Dag (Besiktas Istanbul) ihr Gehalt außerhalb der Heimat. Mit dem jungen Daniel Royer ist in dieser Woche ein weiterer Bundesligaspieler hinzugekommen: Der 21-Jährige vom SV Ried wurde von Hannover 96 unter Vertrag genommen.

All das hat allerdings nicht zu einer stabilen Nationalmannschaft geführt. Und so wird in Österreich bald wohl der nächste glücklose Bundestrainer verabschiedet. Wie Hans Krankl 2005. Wie Josef Hickersberger 2008. Wie Karel Brückner 2009. Österreichs Fußball kommt aus dem Mittelmaß nicht heraus. Eine echte Freude für jeden Wiener Grantler.

insgesamt 17 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ogniflow 02.09.2011
1. ...immer wieder Österreich....
Auch im heutigen Spiel werden die Österreicher beweisen, daß sie eine Nation brillianter Skifahrer sind ( Franz Beckenbauer ).
dirk.kunkel.ronnenberg 02.09.2011
2. Felix Austria
Der östereichische Fußball hat in den letzten Jahren stark aufgeholt. Österreichs Fußballer spielen in den stärksten Ligen der Welt tragende Rollen und die Vereine kommen in den internationalen Wettbewerben stets recht weit. Ich sehe die Bundesliga und Österreichs Liga nahezu gleichauf. Die Top 5 in Österreich würden auch in Deutschland locker oben mitspielen. Das wird heute Abend ein heißer Tanz für die deutschen Kicker.
gladiator66 02.09.2011
3. Österreich hat ca. 7 Millionen Einwohner = 7 Millionen Fußballtrainer!
Zitat von sysopÖsterreichs Fußball ist seit Jahrzehnten graues Mittelmaß. Zwar gibt es beim nächsten DFB-Gegner in der EM-Quali talentierte Spieler, die im Ausland ihr Geld verdienen. Zu einer stabilen Einheit reicht es aber einfach nicht. Coach Constantini muss sich wohl bald einen neuen Job suchen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,783912,00.html
Wir wissen alles, auch dass Constantini nicht siegen wird!
Gani, 02.09.2011
4. Lacher!
Zitat von dirk.kunkel.ronnenbergDer östereichische Fußball hat in den letzten Jahren stark aufgeholt. Österreichs Fußballer spielen in den stärksten Ligen der Welt tragende Rollen und die Vereine kommen in den internationalen Wettbewerben stets recht weit. Ich sehe die Bundesliga und Österreichs Liga nahezu gleichauf. Die Top 5 in Österreich würden auch in Deutschland locker oben mitspielen. Das wird heute Abend ein heißer Tanz für die deutschen Kicker.
Der war gut! Richtig fieser Zynismus!
Gani, 02.09.2011
5. Konsequent
Jedes Land hat die Nationalmannschaft die es verdient. Und da Österreich keine hat, verdienen sie demzufolge auch keine. Das ist nur konsequent.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.