DFB-Gegner San Marino "Ich will das Ballack-Trikot"

Amateure, Außenseiter, Schießbude - vor dem Spiel der DFB-Elf am Abend wurde die fehlende Klasse des Gegners San Marino hinreichend beschrieben. Alles andere als eine hohe Niederlage gegen Deutschland wäre eine Sensation. Das sehen die Kicker des Zwergstaates genauso.


Serravalle - Am Abend ist es wieder soweit: Eine Auswahl San Marinos wird erneut versuchen, den ersten Punkt in einer EM-Qualifikation zu holen. Vielleicht gelingt es sogar, den zweiten Sieg in der Länderspielhistorie zu erringen, der bisher einzige war ein 1:0-Erfolg gegen Liechtenstein 2004 - und das war nicht mal ein Pflichtspiel. Von denen hat San Marino bisher 70 bestritten und keins gewonnen, bei einer erschütternden Tordifferenz von 11:301. Leider heißt der Gegner am Abend Deutschland.

DFB-Kapitän Ballack (l.), Bundestrainer Löw: Planungen für den Catenaccio des Gegners?
AFP

DFB-Kapitän Ballack (l.), Bundestrainer Löw: Planungen für den Catenaccio des Gegners?

"Es ist völlig klar, dass wir gegen Deutschland verlieren", sagt Giampalo Mazza. Der Trainer weiß, dass die Partie gegen die DFB-Elf im Stadio Olimpico von Serravalle (ab 20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) zu einem Scheibenschießen geraten wird. Doch zumindest taktisch will er sich nicht nach dem Favoriten richten, "wir spielen gegen jedes Team ein 5-3-2-System, formal gesehen", sagt er. "In Wahrheit verteidigen aber alle."

Die Hoffnung des Zwergstaates ist es, per Catenaccio eine torlose Sensation zu schaffen. Diese Kollektiv-Verteidigung spiele man aber, so betont Mazza, aus purer Notwendigkeit. Schließlich laufe seine Elf "immer Gefahr, eine lächerliche Figur abzugeben". Außerdem könne man gegen Deutschland "jederzeit 0:10 verlieren".

Neben der Null hinten soll vorn ein eigener Treffer stehen, "ein Tor zu erzielen wäre für uns schon ein großer Erfolg", erklärt Abwehrspieler Alessandro Della Valle. Torhüter Aldo Junior Simoncini, von einer Boulevardzeitung schon zur mediterranen Ausgabe Oliver Kahns ("Titan von San Marino") hochgejazzt, formuliert seine Ziele bescheidener. Er hätte gern das Trikot von DFB-Keeper Jens Lehmann. Überhaupt scheint die Lust der Freizeitkicker auf Devotionalien der Deutschen ausgeprägter als der Siegeswille - immerhin will sich Alessandro Della Valle das Shirt von Michael Ballack sichern.

Die Aussichten auf einen eigenen Torerfolg geschweige denn einen Sieg sind nicht nur aufgrund der Stärke des Gegners verschwindend gering. Vom aktuellen Kader des Weltranglisten-191. (von 205) spielt der Großteil auf Amateurebene, nur drei Kicker sind Profis. Einer davon ist Stürmer Andy Selva (Sassuolo Calcio), der bisher sechs Länderspieltreffer erzielt hat. Er war es auch, der sich mit dem Siegtor gegen Liechtenstein zum Nationalhelden machte. "Ein Tor wäre ein Traum", sagt er. Trainer Mazza hat andere Pläne. Irgendwann wolle man auch mal "ein offizielles Match gewinnen", sagt er. Vorerst wird aber auch das ein Traum bleiben.

goe/sid



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