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Fotostrecke: Den Finger am Hals

Foto: A2902 Achim Scheidemann/ dpa

DFB-Gerichtsbarkeit Freiheit für Asamoah, Strafe für Naki

Eine Geste, zwei Reaktionen: St.Pauli-Profi Naki deutete gegenüber Rostocker Fans das Halsabschneiden an - und bekam drei Spiele Sperre. Gleiches tat Schalke-Akteur Asamoah vor zwei Jahren gegen den BVB - er blieb unbehelligt. Der DFB spricht von fehlenden Beweismitteln.
Von Mike Glindmeier und Frieder Schilling

Auf den ersten Blick haben Deniz Naki und Gerald Asamoah wenig gemeinsam. Der eine 20 Jahre jung, am Anfang seiner Karriere, gerade mal ein paar Zweitligaspiele absolviert, der andere 31, zweifacher WM-Teilnehmer, fast 300 Bundesliga-Spiele. Naki steht im Kader der U21, Asamoah war der offizielle DJ der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2006.

Am vergangenen Montag jedoch hat der Stürmer des FC St. Pauli einen Schritt Richtung des Bekanntheitsgrades des Schalkers gemacht - mittels einer unschönen Geste. Nach seinem Treffer zum 2:0 hatte er in Richtung der Rostocker Fans das Abschneiden des Halses angedeutet. Die "Bild"-Zeitung sprach vom "Killer-Jubel". Das Resultat für Naki: drei Spiele Sperre.

Und wie passt Asamoah in diese Geschichte? Ziemlich gut. Denn der Schalke-Profi ist vor rund zwei Jahren ähnlich aufgefallen. Im Derby gegen Borussia Dortmund am 18. August 2007 traf er zum zwischenzeitlichen 3:0. Anschließend lief er an der Grundlinie lang, direkt vor den Ersatzspielern des BVB und deutete das Abschneiden des Halses an. Mehrfach. Das Gesicht voller Aggression. Zwei Tage danach wurde Asamoah im "Tagesspiegel" zitiert: "Das sollte heißen: Sie sind erledigt."

Die Reaktion des DFB damals? Keine Sperre.

SPIEGEL ONLINE bat beim DFB um eine Stellungnahme zu dieser offensichtlichen Diskrepanz, wies auf das YouTube-Video  hin, das die Aktion des Schalkers deutlich zeigt. Die Antwort aus Frankfurt: "Es lagen seinerzeit bei Herrn Asamoah keine ausreichenden Beweismittel wie etwa Fernsehaufzeichnungen vor, die ein Ermittlungsverfahren gerechtfertigt hätten." Schwer nachzuvollziehen; die Aufnahmen sind eindeutig dem TV-Sender Premiere, heute Sky, zuzuordnen, das "live" am oberen Bildrand unverkennbar.

Die Diskrepanz in der Handhabe beider Szenen wird durch ein Zitat des DFB-Präsidenten Theo Zwanziger noch verstärkt: "Dieses Verhalten eines jungen Spielers, der auch Nationalspieler ist, ist inakzeptabel", sagte er zum Fall Naki. "Man darf sich freuen, aber man freut sich nicht, indem man andere demütigt." Vor zwei Jahren war Zwanziger auch schon Präsident, eine Verurteilung der Aktion Asamoahs von ihm sucht man in den Archiven vergebens.

"Die haben mich als Kanaken beschimpft"

In beiden Fällen sollen rassistische Beleidigungen den Ausschlag für den jeweiligen Ausraster gegeben haben. Asamoah war im Laufe der Begegnung zwei Mal mit BVB-Torhüter Roman Weidenfeller aneinandergeraten. Nach der Partie hatte Asamoah Weidenfeller beschuldigt, ihn rassistisch beleidigt zu haben. Der Dortmunder wurde wegen einer "herabwürdigenden und verunglimpfenden" Äußerung drei Spiele gesperrt. Freigesprochen wurde er von dem Vorwurf einer rassistischen Beleidigung.

Den erhob auch Naki gegenüber den Rostock-Fans. "Die haben mich als Kanaken beschimpft", hatte Naki am Dienstag der "Hamburger Morgenpost" gesagt. Vom Verein bekam der Stürmer eine Geldstrafe in unbekannter Höhe, die er an eine gemeinnützige Organisation spendete. "Was ich getan habe, war dumm", hatte der Stürmer nach dem Spiel in Rostock gesagt. "Es war unsportlich, respektlos und unangemessen."

Der FC St. Pauli möchte sich nicht weiter äußern

St. Paulis Trainer Holger Stanislawski hatte nicht zuletzt aufgrund Nakis Einsicht vor dem DFB-Urteil gesagt, dass er eine Sperre für unangemessen hielte. Obwohl mittlerweile auch die Verantwortlichen des FC St. Pauli Kenntnis von den unterschiedlichen Behandlungen der beiden "Halsabschneider" haben, möchte man sich auf Nachfragen von SPIEGEL ONLINE nicht weiter dazu äußern, da man befürchtet, weitere Nachteile durch kritische Töne zu provozieren.

Auf der einen Seite mag dies aus taktischen Gründen verständlich sein, auf der anderen wird der Club damit seinem eigenen Image nicht gerecht. Immer wieder vermarktete sich der FC in den vergangenen Jahren als rebellischer Verein, dessen Spieler für Werbeaufnahmen in Che-Guevara-Manier posierten. Nach Nakis Aussetzer will man am Millerntor derzeit ganz offensichtlich nicht an dieses Image erinnert werden.

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