DFB-Gerichtsbarkeit Freiheit für Asamoah, Strafe für Naki

Eine Geste, zwei Reaktionen: St.Pauli-Profi Naki deutete gegenüber Rostocker Fans das Halsabschneiden an - und bekam drei Spiele Sperre. Gleiches tat Schalke-Akteur Asamoah vor zwei Jahren gegen den BVB - er blieb unbehelligt. Der DFB spricht von fehlenden Beweismitteln.

dpa

Von und Frieder Schilling


Auf den ersten Blick haben Deniz Naki und Gerald Asamoah wenig gemeinsam. Der eine 20 Jahre jung, am Anfang seiner Karriere, gerade mal ein paar Zweitligaspiele absolviert, der andere 31, zweifacher WM-Teilnehmer, fast 300 Bundesliga-Spiele. Naki steht im Kader der U21, Asamoah war der offizielle DJ der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2006.

Am vergangenen Montag jedoch hat der Stürmer des FC St. Pauli einen Schritt Richtung des Bekanntheitsgrades des Schalkers gemacht - mittels einer unschönen Geste. Nach seinem Treffer zum 2:0 hatte er in Richtung der Rostocker Fans das Abschneiden des Halses angedeutet. Die "Bild"-Zeitung sprach vom "Killer-Jubel". Das Resultat für Naki: drei Spiele Sperre.

Und wie passt Asamoah in diese Geschichte? Ziemlich gut. Denn der Schalke-Profi ist vor rund zwei Jahren ähnlich aufgefallen. Im Derby gegen Borussia Dortmund am 18. August 2007 traf er zum zwischenzeitlichen 3:0. Anschließend lief er an der Grundlinie lang, direkt vor den Ersatzspielern des BVB und deutete das Abschneiden des Halses an. Mehrfach. Das Gesicht voller Aggression. Zwei Tage danach wurde Asamoah im "Tagesspiegel" zitiert: "Das sollte heißen: Sie sind erledigt."

Die Reaktion des DFB damals? Keine Sperre.

SPIEGEL ONLINE bat beim DFB um eine Stellungnahme zu dieser offensichtlichen Diskrepanz, wies auf das YouTube-Video hin, das die Aktion des Schalkers deutlich zeigt. Die Antwort aus Frankfurt: "Es lagen seinerzeit bei Herrn Asamoah keine ausreichenden Beweismittel wie etwa Fernsehaufzeichnungen vor, die ein Ermittlungsverfahren gerechtfertigt hätten." Schwer nachzuvollziehen; die Aufnahmen sind eindeutig dem TV-Sender Premiere, heute Sky, zuzuordnen, das "live" am oberen Bildrand unverkennbar.

Die Diskrepanz in der Handhabe beider Szenen wird durch ein Zitat des DFB-Präsidenten Theo Zwanziger noch verstärkt: "Dieses Verhalten eines jungen Spielers, der auch Nationalspieler ist, ist inakzeptabel", sagte er zum Fall Naki. "Man darf sich freuen, aber man freut sich nicht, indem man andere demütigt." Vor zwei Jahren war Zwanziger auch schon Präsident, eine Verurteilung der Aktion Asamoahs von ihm sucht man in den Archiven vergebens.

"Die haben mich als Kanaken beschimpft"

In beiden Fällen sollen rassistische Beleidigungen den Ausschlag für den jeweiligen Ausraster gegeben haben. Asamoah war im Laufe der Begegnung zwei Mal mit BVB-Torhüter Roman Weidenfeller aneinandergeraten. Nach der Partie hatte Asamoah Weidenfeller beschuldigt, ihn rassistisch beleidigt zu haben. Der Dortmunder wurde wegen einer "herabwürdigenden und verunglimpfenden" Äußerung drei Spiele gesperrt. Freigesprochen wurde er von dem Vorwurf einer rassistischen Beleidigung.

Den erhob auch Naki gegenüber den Rostock-Fans. "Die haben mich als Kanaken beschimpft", hatte Naki am Dienstag der "Hamburger Morgenpost" gesagt. Vom Verein bekam der Stürmer eine Geldstrafe in unbekannter Höhe, die er an eine gemeinnützige Organisation spendete. "Was ich getan habe, war dumm", hatte der Stürmer nach dem Spiel in Rostock gesagt. "Es war unsportlich, respektlos und unangemessen."

Der FC St. Pauli möchte sich nicht weiter äußern

St. Paulis Trainer Holger Stanislawski hatte nicht zuletzt aufgrund Nakis Einsicht vor dem DFB-Urteil gesagt, dass er eine Sperre für unangemessen hielte. Obwohl mittlerweile auch die Verantwortlichen des FC St. Pauli Kenntnis von den unterschiedlichen Behandlungen der beiden "Halsabschneider" haben, möchte man sich auf Nachfragen von SPIEGEL ONLINE nicht weiter dazu äußern, da man befürchtet, weitere Nachteile durch kritische Töne zu provozieren.

Auf der einen Seite mag dies aus taktischen Gründen verständlich sein, auf der anderen wird der Club damit seinem eigenen Image nicht gerecht. Immer wieder vermarktete sich der FC in den vergangenen Jahren als rebellischer Verein, dessen Spieler für Werbeaufnahmen in Che-Guevara-Manier posierten. Nach Nakis Aussetzer will man am Millerntor derzeit ganz offensichtlich nicht an dieses Image erinnert werden.



insgesamt 23 Beiträge
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matula, 05.11.2009
1. Nicht gleich!
für die Beurteilung muss man auch die Rahmenbedingungen mit einbeziehen. Die Geste insgesamt finde ich eigentlich nachvollziehbar. Ich jedenfalls würde das nicht Woche für Woche mitmachen mich immer wieder aufs mieseste beschimpfen lassen zu müssen ==> Ich kann völlig verstehen, dass das ab und zu in hitzigen Situationen nach einer Gegenreaktion führen muss! Von den Vereinen und vom Verband erwarte ich Unterstützung für die Spieler und nicht die lächerlichen immer mehr um sich greifenden Geldstrafen... Aber: Bei Rostok - Pauli war die Bude bereits kurz vorm Platzen, es war völlig klar, dass eine derartige Geste einige "Fans" zum völligen austicken vernanlasst - wie man es sonst aus Südamerikanischen Stadien kennt. Hier ist ein Anstacheln -und sei die Reaktion noch so verständlich - eben nicht mehr hinnehmbar, weil auch dadurch tausende Fans und Polizisten in Lebensgefahr gebracht wurden... Das war bei Schalke/Do damals eine andere Qualität - da war auch Stimmung, aber Angst um Leib und Leben musste niemand haben.... Deshalb sind die Situationen völlig richtig auch unterschiedlich beurteilt worden!
optaeck 05.11.2009
2. Frechheit
Zitat von sysopEine Geste, zwei Reaktionen: St.Pauli-Profi Naki deutete gegenüber Rostocker Fans das Halsabschneiden an - und bekam drei Spiele Sperre. Gleiches tat Schalke-Akteur Asamoah vor zwei Jahren gegen den BVB - er blieb unbehelligt. Der DFB spricht von fehlenden Beweismitteln. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,659558,00.html
Das geht mir schon seit Tagen auf den Sack! Mir sind sowohl St. Pauli als auch Rostock völlig egal. Aber 3 Spiel Sperre für so eine Lappalie, das ist einfach nur lächerlich! Typisch für diese debile Vereinigung, die sich DFB schimpft. Armselig von St. Pauli, dass sie das so akzeptiert haben!
pauliborn, 05.11.2009
3. ducken?
St. Pauli wartet ja auch noch auf zwei andere (Geld) Strafen. Zum einen für das Gezündel der Cottbuser im eigenen Stadion (wegen Mangehafter Kontrollen), zum anderen für das dämliche Selbstherumgezündel im Rostocker Stadion. Das wird schon schlimm genug und da man ja offensichtlich sieht wie der DFB nach Lust und Laune entscheidet, hält man den Ball flach und lässt das Thema verebben. Aufgemuckt hat man ja schon als einziger (!) bei der Abstimmung hinlänglich der Anstoßzeiten, vergeben durch die DFL... Es gibt richtige und falsche Momente um seinen Mund aufzumachen. Jetzt ersteinmal Ruhe, denke das macht schon Sinn. War eh ne schlechte Woche (imagetechnisch) und ich will hoffen das in der HSH N. Arena heute und am WE beim zweiten Spiel durch die zweite in Rostock nicht noch mehr Ärger hinzukommt... Mir reichts auf jeden Fall
efaafe 05.11.2009
4. So ist das halt beim DFB/DFL
Ich erinnere nur zu gerne an das Spiel HSV/Bochum in 2006 als Demel den Bochumer Bechmann - der Demel an der Grundline von hinten in die Beine grätscht - absichtlich in den Oberschenkel getretten haben soll. Resultat der "Gerichtsbarkeit der DFL" waren 4 Spiele Sperre - 7 wollte die DFL verhängen. Bechmann hatte seinerzeit selbst ausgesagt, die Aktion sei nicht weiter schlimm gewesen. Nun das zweite Gesicht der "Gerichtsbarkeit" - einen Spieltag vorher schlägt Marc van Bommel im Spiel HSV - Bayern Jarolim beim Aufbau eines Konters mit dem Ellenbogen ins Gesicht - bei Premiere seinerzeit in Zeitlupe klar zu erkennen. Keine Reaktion des Schiedsrichter und auch keine des DFB. Ich habe mir per Mail nach der Demelsperre erlaubt den DFB an zu schreiben und nach dem Grund der Nichtbeachtung der klaren Tätlichkeit des Herrn van Bommel zu fragen; Antwort der DFB Pressestelle. .... leider können wir Ihnen keine Auskunft geben. Wenn man sich die Mühe machen und die eine oder andere Entscheidung der DFL und seiner Schiedsrichter genauer unter die Lupe nehmen würde, es würde hunderte Beispiele geben, an der man merkt, wer und welche Vereine dem DFB/DFL besonders nahe stehen...
TerraY 05.11.2009
5. Abgeschrieben?
Heute Nacht las ich die hier jetzt auch präsentierten Fakten bereits dort: http://www.sportswire.de/?p=1269
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