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DFB-Trainingslager in Südtirol: Unnahbar und abgeschottet

Foto: Andreas Gebert/ dpa

DFB-Team in Südtirol Nicht anfassen!

In Südtirol war die Freude auf die deutsche Nationalmannschaft groß, befriedigt hat das Trainingslager aber nur wenige Fans. Das Team zeigte sich meistens unnahbar. Der DFB begründet, die Mannschaft habe sich allein auf die WM-Mission zu konzentrieren.

Zwischen dem Luxushotel, in dem der DFB in den vergangenen zehn Tagen der WM-Vorbereitung in Südtirol residierte, und der kleinen Gemeinde Sankt Martin verläuft die Passer. Wer auf die schmalen Zufahrtsstraßen zu den DFB-Räumlichkeiten gelangen will, muss mindestens eine der Brücken über das Flüsschen passieren. Polizisten und Ordner kontrollieren den Zugang. Jürgen Alfons hat hier das Warten gelernt.

Bis hoch zum DFB-Hotel, das an einem Berg mit herrlichem Blick über den dazugehörigen Golfplatz liegt, muss er an drei Checkpoints vorbei, wenn er die Nationalelf sehen will. Ordner entscheiden, ob er das darf oder nicht. Welcher Logik ihre Entscheidungen folgen, ist dabei nicht immer nachvollziehbar. Begründungen, warum sich Fans der Nationalmannschaft dem DFB-Hotel manchmal bis auf 500 Meter, manchmal aber lediglich bis auf einen Kilometer nähern dürfen, gibt es nicht. Ein strenger Blick und Schweigen müssen häufig als Antwort genügen.

Schweinsteiger immer offen für Autogramme

Im Frühstücksraum einer Pension nahe dem DFB-Trainingsgelände sitzt Jürgen Alfons und schimpft. Der Mann ist der Nationalmannschaft aus Deutschland nachgereist und ärgert sich über die "eingebildeten Fußballer". "Wer glauben die eigentlich, wer sie sind?" Seine beiden Söhne, beide im Trikot von Borussia Dortmund, hören dem Papa zu. Die füllige Wirtin nickt, sagt: "Alle meine Gäste sind bisher enttäuscht. Wir haben uns das auch anders vorgestellt. Wir dachten, die Fußballer sind offener." Jürgen Alfons winkt ab.

Das DFB-Team zeigt sich seinen Fans tatsächlich nur selten. Meist werden die Spieler in Minivans mit verspiegelten Scheiben vom Hotel zum Trainingsgelände und zurück gefahren. Am ersten Checkpoint unmittelbar an der Passer steigen manchmal ein paar Spieler nach dem Training aus und geben den wartenden Fans Autogramme. Bastian Schweinsteiger ist einer der wenigen Stars, deren Wagen fast täglich anhält.

Das ist allerdings beinahe die einzige Möglichkeit für die DFB-Fans, die Spieler wenigstens kurz zu sehen. Öffentliche Trainingseinheiten fanden nahezu nicht statt. Lediglich am fünften und vorletzten Trainingstag ließ die Nationalmannschaft einige ausgewählte Fans und Schulklassen zuschauen. Ansonsten verklebte der DFB sein Trainingszentrum mit meterhohem, blickdichtem Stoff, der vor neugierigen Blicken schützen soll. Autogrammstunden gab es ebenfalls nicht. "Und niemand gibt uns eine Auskunft, ob das noch irgendwie passiert oder mit wem man mal darüber sprechen könnte", sagt Jürgen Alfons.

Alfons fährt häufiger mit seinen Söhnen ins Trainingslager von Borussia Dortmund nach Bad Ragaz in die Schweiz. "Der Kloppo", sagt Alfons über BVB-Coach Jürgen Klopp, "der kommt nach jedem Training und schreibt noch etliche Autogramme. Da kann man auch alle Spieler mal sehen." Das, so heißt es beim DFB, sei in diesem Trainingslager schon allein aus Sicherheitsgründen nicht machbar.

Sami Khedira kann die Aufregung nicht verstehen. Von Real Madrid, sagt der Nationalspieler, kenne er ausschließlich Training ohne Öffentlichkeit. Das sei auch notwendig, weil man sich so besser abstimmen könne, man habe hier die letzte Möglichkeit vor der Weltmeisterschaft, um Details einzuüben. "Im Büro bei Ihnen sitzen ja auch nicht 150 Leute um Ihren Schreibtisch, um Ihnen auf den Laptop zu starren", sagt Khedira.

Der Fokus liegt auf Brasilien, alles andere ist zweitrangig. So lautet die Botschaft, mit der Khedira am Mittwoch bei der DFB-Pressekonferenz um Verständnis für das Abtauchen der Mannschaft warb.

"Ich bin als Privatperson hier"

Ungeachtet dessen werden wenige Stunden später Checkpoint eins und zwei einmal doch völlig unerwartet und ohne Ankündigung geöffnet. Kinder, Jugendliche und auch einige ältere Fans rennen den Berghang bis zum Mannschaftshotel hoch. Auf der Golfanlage stehen Mats Hummels, Kevin Volland und Matthias Ginter. Die Sonne strahlt, die Nationalspieler haben einen freien Nachmittag.

Hummels fährt mit seinem Buggy über den getrimmten Golfrasen. Eine Gruppe kleiner Jungs läuft ihm hinterher, sie brüllen "Hummels, Hummels!". Der Abwehrspieler des BVB hält an. Er dreht sich um zu den sechs Kindern, alle zwischen sieben und neun Jahre alt, und sagt: "Sorry, ich bin als Privatperson hier." Die Kinder gucken, als hätte ihnen jemand gesagt, die WM habe schon vor einem Monat stattgefunden.

Hummels fährt weiter. Die Jungs laufen ihm hinterher, immer wieder rufend: "Der Hummels ist als Privatperson hier." Irgendwann baut sich der Abwehrspieler genervt auf dem Hügel auf und ruft: "Hast du's jetzt? Hast du's?" Die Jungs rennen weg. Hummels schüttelt den Kopf.

Auf der anderen Seite des Hotels spielen Jérôme Boateng, Marco Reus, Miroslav Klose und Mario Götze auf einem hauseigenen Feld Beachvolleyball. Die kleinen Jungs drängen sich an den Außengittern, versuchen etwas vom Spiel der Stars zu sehen. Sie rufen immer wieder die Namen der Fußballer, ohne dass diese darauf reagieren.

Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff, der gerade mit Torwarttrainer Andreas Köpke ein Golfspiel beginnt, schaut dem Treiben kurz zu. Dann puttet er weiter.

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