DFB-Kapitän Bierhoff dementiert Rücktrittsäußerung

Oliver Bierhoff und der Deutsche Fußball-Bund erklären den Wortlaut eines Interviews mit dem Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft für unrichtig.

Von Thomas Lötz


Oliver Bierhoff: "Kapitänsbinde eine Auszeichung"
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Oliver Bierhoff: "Kapitänsbinde eine Auszeichung"

Billerbeck - An sich hätte es ein unspektakulärer Tag im unspektakulären westfälischen Städtchen Billerbeck werden können, doch dann begann die Pressekonferenz der deutschen Fußball-Nationalmannschaft am Mittag mit einer höchst offiziellen Erklärung.

DFB-Pressesprecher Harald Stenger hatte einen Abdruck in der "Bild"-Zeitung vom Tage richtig zu stellen. In dem Beitrag unter der Überschrift "Der Rücktritt" war Oliver Bierhoffs Abschied vom Kapitänsamt der Auswahlmannschaft bekannt gegeben worden. Das Prekäre an der Angelegenheit: Es handelte sich um ein Interview Bierhoffs mit Deutschlands auflagenstärkster Tageszeitung.

Dort war der 33-Jährige mit den Worten zitiert worden: "Eigentlich war vereinbart, die Kapitänsfrage erst nach der WM-Qualifikation zu klären. Rudi Völler sollte die Entscheidung vorziehen und sie vor dem Finnland-Spiel treffen." Er habe kein Problem damit, wenn Torwart Oliver Kahn die Binde weiterhin trage, so Bierhoff, der am Samstag gegen Finnland seit langer Zeit erstmals wieder von Beginn an in der deutschen Elf stehen wird.

Bierhoff sucht das Gespräch

In einem Gespräch, das am späten Mittwochvormittag nach DFB-Angaben auf Betreiben Bierhoffs zustande gekommen sei, habe der Stürmer sowohl Teamchef Völler als auch Bundestrainer Michael Skibbe versichert, dass er diesen Satz so nicht gesagt habe. Gegenüber Journalisten erklärte Bierhoff am Donnerstag, dass er von der "Bild"-Zeitung "falsch zitiert worden" sei. Das Kapitänsamt sei ihm nach wie vor "eine Auszeichnung und eine Freude, auch wenn es keine leichte Aufgabe ist".

An den exakten Wortlaut konnte sich der Reporter, der das Interview für "Bild" geführt hatte, auch nicht mehr genau erinnern. Nach seinen Worten habe sich Bierhoff etwa wie folgt geäußert: "Ich habe kein Problem, die Binde abzugeben. Dann soll der Rudi das aber vor dem Spiel klären." Eine substanziell-inhaltliche Differenz zwischen Abgedrucktem und Erinnerung lässt sich nicht wirklich ausmachen, zumal weder Bierhoff noch irgendein Vertreter des DFB am Donnerstag in Billerbeck klären konnte, was der Stürmer dem "Bild"-Mann denn nun tatsächlich erzählt hatte.

Kapitänsamt und Völlers Führungsschwäche

Bemerkenswert ist die Episode um den exakten Wortlaut allenfalls vor dem Hintergrund, dass Bierhoff am Mittwoch noch einmal auf die Meinungsverschiedenheit zwischen Völler und ihm angesichts der 1:5-Niederlage gegen England eingegangen war. Damals hatte sich der frisch vom AS Monaco unter Vertrag genommene Stürmer in München öffentlich darüber erregt, dass der junge Miroslav Klose statt seiner eingewechselt worden war. Das wiederum hatte zur Verstimmung beim Teamchef geführt. Am Mittwoch gab Bierhoff in Billerbeck zu, dass sein damaliges Vorpreschen "irgendwo unnötig" gewesen sei. Was jetzt, wenn Bierhoff nach der gerade erst geleisteten Abbitte erneut über die Stränge geschlagen hätte?

Es gab am Donnerstag im unspektakulären Billerbeck jedenfalls nicht wenige Beobachter, die sofort in eine große moralische Diskussion über Kapitänsamtsehre sowie Führungsschwäche Völlers einstiegen, sogar die Forderung nach Rausschmiss Bierhoffs machte die Runde. Dabei hatte Völler Ende März im Umfeld der Partien gegen Albanien und in Griechenland und seither immer wieder erklärt, dass man das Thema "Bierhoff und die Kapitänsbinde" erst nach Abschluss der WM-Qualifikation klären werde. So lange Bierhoff nicht spiele, werde Torwart Kahn eben die Binde in den Nationalfarben über den Platz tragen.

Kahn war es dann auch, der am Donnerstag um Besinnung und ein Ende der seit über einem Jahr nicht abreißen wollenden Diskussion über das Kapitänsamt bat. Solche Themen hätten derzeit "hinten anzustehen", so Kahn. Der Zeitpunkt käme schon noch, "wo man sich intensiv über diese Dinge unterhalten kann". Es gebe aktuell schließlich wichtigere Themen, über die es sich zu unterhalten lohne, wie etwa das für Samstag angesetzte WM-Qualifikationsspiel gegen Finnland.



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