DFB-Konflikt Löw und Ballack vereinbaren Gespräch in Deutschland

Termin noch offen: Das Treffen zwischen Bundestrainer Joachim Löw und Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack wird in Deutschland stattfinden - sobald der Gesundheitszustand Ballacks dies zulässt. Darauf einigten sich beide in einem Telefonat.


Hamburg - Bei dem Telefongespräch am Samstag wurde vereinbart, dass Ballack nach seiner öffentlichen Kritik zum klärenden Vieraugengespräch anreist, wenn er nach Operationen an beiden Füßen reisefähig ist. Das teilte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) auf seiner Homepage mit. Löw und Ballack hatten sich bereits am Donnerstag auf ein klärendes Gesprächverständigt, Ballacks Club FC Chelsea verweigerte aber aus gesundheitlichen Gründen die Reise nach Deutschland.

Moderator Löw: Erwartet Kapitän Ballack zum Gespräch
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Moderator Löw: Erwartet Kapitän Ballack zum Gespräch

Um den Genesungsprozess bei Ballack nach dessen Fußoperation nicht zu gefährden, werde nun abgewartet, bis im Laufe der Woche die Fäden an den Operationsnarben gezogen werden. "Ein genauer Termin steht deshalb noch nicht fest, das Gespräch soll aber baldmöglichst stattfinden", sagte DFB-Mediendirektor Harald Stenger.

Zuvor hatte Uli Hoeneß beide Seiten dazu aufgerufen, ihren Konflikt schnellstmöglich zu beenden. "Man hätte das längst schon aus der Welt schaffen sollen", sagte der 56 Jahre alte Manager des FC Bayern München am Samstag in München. Das Verhältnis zwischen Löw und dem Nationalmannschaftskapitän sieht Hoeneß trotz Ballacks Kritik am Kurs und den Personalentscheidungen des Bundestrainers nicht als völlig zerrüttet an. "Das muss zu kitten sein", erklärte Hoeneß.

Der Weltmeister von 1974 erwartet von dem Mittelfeldakteur des FC Chelsea, dessen Club nach Ballacks Operation sein Veto für eine sofortige Reise eingelegt hatte, auch keine Entschuldigung bei Löw und den Auswahl-Kollegen. Ballack sei zudem sportlich nicht zu ersetzen. "Ich denke, zwei Männer können auch mal etwas Kritisches übereinander sagen, ohne dass man so ein Theater daraus macht. Ich bin für eine Aussprache und dann muss die Sache erledigt sein. Denn eines ist klar: Ballack ist für die Nationalmannschaft unabdingbar. Ohne ihn wird die Nationalmannschaft wohl schlecht zur WM 2010 fahren können."

Derweil hat DFB-Präsident Theo Zwanziger eine Vertrauensbasis als Voraussetzung für eine Fortsetzung von Ballacks Nationalelf-Karriere nach dem Streit mit Löw gefordert. "Ich hoffe darauf, dass (...) es zusammen weitergehen kann, aber nur, wenn eine klare Vertrauensbasis zwischen Trainer, Spielführer und der gesamten Mannschaft gegeben ist", sagte Zwanziger dem Deutschen Sportfernsehen (DSF).

Bei der Entscheidung über Ballacks Zukunft im DFB-Team will der DFB-Chef dem Bundestrainer "nicht reinreden". Zwanziger würde sich aber freuen, wenn Löw zum Ergebnis käme, dass die Mannschaft mit Ballack weiterspielen werde. "Wenn der Bundestrainer aus dem Gespräch heraus das Gefühl gewinnt, das Vertrauensverhältnis ist doch stark gestört, dann muss er die Entscheidung treffen, die er für richtig hält."

Der heutige Schweizer National- und ehemalige Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld rät Löw, eine schnelle Lösung zu suchen: "Ich hätte mich sofort ins Flugzeug gesetzt, um mit dem Spieler zu sprechen", sagte er im Pay-TV-Sender "Premiere". Bei ihm sei es nie dazu gekommen, dass ein Spieler öffentlich Kritik übte. "Wenn Probleme öffentlich werden, wird es schwierig." Und der aktuelle Bayern-Coach Jürgen Klinsmann geht davon aus, dass der Streit gütlich beigelegt wird: "Ich denke, dass Michael sich bei Trainer und Mannschaft entschuldigen wird."

wit/sid/dpa



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DerBlicker 21.10.2008
1. Tja auch Jogi ist nicht sakrosant
Zitat von sysopIst Michael Ballacks Kritik an Bundestrainer Joachim Löw gerechtfertigt? Oder ist der Kapitän mit seinem Vorstoß zu weit gegangen? Sollte das Leistungsprinzip das entscheidende Kriterium bei der Aufstellung der Nationalelf sein?
Ballack kann sich die Kritik wohl leisten, denn Jogi kann nicht auf ihn verzichten, siehe Finnlandspiel. Eine gute Abwehr ist das A und O, und dazu braucht es erfahrene Leute, das weiß Ballack. Das hat Ballack übrigens auch Klinsi vor der WM2006 klar gemacht, als er lieber weiter hinten spielte, um Klinsis Kamikaze Taktik zu durchkreuzen und die Abwehr mit zu beaufsichtigen.
Justitia 21.10.2008
2.
Zitat von sysopIst Michael Ballacks Kritik an Bundestrainer Joachim Löw gerechtfertigt? Oder ist der Kapitän mit seinem Vorstoß zu weit gegangen? Sollte das Leistungsprinzip das entscheidende Kriterium bei der Aufstellung der Nationalelf sein?
Wenn Ballack mit seiner Meinung an die Öffentlichkeit gegangen ist, ohne vorher mit Löw darüber zu sprechen, dann ist er eindeutig zu weit gegangen. Solche Dinge gehen ihn als Mannschaftsführer zwar durchaus etwas an, er sollte dies aber zuerst mit Löw diskutieren die Sache nicht in die Presse tragen.
derpolokolop 21.10.2008
3.
Der Maul der Nation meldet sich mal wieder zur wort. Das wundert mich nicht. Was mich wundert aber ist dass der Ballack sich beschwert hat dass der Löw ihm nicht angerufen hat wegen sein fuss OP. Stell euch vor was für ein haufen Geld das kosten wird nach england zu telefonieren so oft wie der Ballack sich verletzt!
pulzator, 21.10.2008
4.
Jogis Job ist es die besten der Besten zu finden, um den nächsten WM-Titel zu holen. Und auf dem Platz sind leider nur 11 Leute erlaubt. Wie soll er neuen Spielern eine Chance geben, wenn immer wieder die alten Hasen auflaufen? Die wissen wie es in der Nationalelf läuft und können sofort ihre Leistung abrufen, wenn sie aufgestellt werden. Mein Gott, Herr Ballack, Herr Frings... mal 2-3 Spiele auf der Bank ist doch kein Weltuntergang. Und der Jogi weiß schon ganz genau auf wen Verlass ist. Ein Kurani ist überflüssig, aber einen Frings oder Ballack kickt der Jogi bestimmt nicht über Nacht für immer aus dem Team.
shokaku 21.10.2008
5.
Da hat wohl Einer die Faxen dicke. Sagt einiges über den Zustand der NM aus, dass viel übereinander, aber scheinbar wenig miteinander gesprochen wird.
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