DFB-Manager Bierhoff Mister Selbstbewusstsein

Nationalelf-Manager Oliver Bierhoff scheint endlich beim DFB angekommen zu sein. Auch weil der Verband seine Verdienste zu würdigen beginnt. Selbst mit seinem alten Rivalen Sammer will Bierhoff weiterarbeiten.
Nationalmannschafts-Manager Bierhoff: "Tolles, loyales Team"

Nationalmannschafts-Manager Bierhoff: "Tolles, loyales Team"

Foto: Fredrik Von Erichsen/ dpa

Mesut Özil ist wirklich kein Typ für große Sprüche. Der Nationalspieler ist mit 22 Jahren schon eine feste Größe beim Königlichen Club in Madrid, die spanische Presse überbietet sich seit Monaten mit Lobeshymnen auf den jungen Deutschen, aus der DFB-Elf ist er ohnehin nicht wegzudenken. Doch Özil ist auch vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Kasachstan (Samstag 20 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) seiner Art treu geblieben. Artig preist er seine Real-Mitspieler Cristiano Ronaldo und Karim Benzema, wohlerzogen bescheinigt er den deutschen Offensivkräften Mario Gomez und Miroslav Klose, dass "sie beide Weltklasse sind", und selbst für die höchstens zweitklassigen Kasachen hat er ein braves Kompliment übrig.

Selbstlob - so etwas kommt Özil nicht über die Lippen. Wie ihm ohnehin nicht viel über die Lippen kommt. Das Reden überlässt er bei der DFB-Pressekonferenz in Mainz lieber dem Nationalelf-Manager Oliver Bierhoff. Der kann das besser als der Mittelfeldstar des Teams und tut dies auch deutlich lieber. Bierhoff nutzte die Gelegenheit weidlich aus zu einer Rundreise durch alle derzeitigen Reizthemen im Fußball.

"Mesut Özil hat den Verein gefunden, der zu ihm passt", übernimmt Bierhoff zunächst einmal den Part, die Leistung des jungen deutschen Spielgestalters zu würdigen. Özil sei der lebende Beweis gegen das "Vorurteil, dass junge Spieler nicht zu früh ins Ausland wechseln sollten". Schließlich sei es für die Talente aus Brasilien, aus Argentinien oder aus Afrika das Normalste der Welt, schon in jungen Jahren nach Europa zu gehen, um sich dort fußballerisch zu vervollkommnen.

Trainermarkt "wird sich wieder beruhigen"

Dass Özil anders als andere WM-Fahrer, die nach dem Turnier einen Durchhänger hatten, zuletzt so aufgetrumpft habe, liege sicher auch an der Klasse des Madrider Kaders, so der 42-Jährige: "Da hat jeder Spieler auch mal die Möglichkeit, durchzuschnaufen."

Durchschnaufen - das war in der Bundesliga zuletzt nicht wirklich möglich. Die Aufgeregtheiten auf dem Trainermarkt hat Bierhoff interessiert beobachtet, einen echten Trend will er dabei aber nicht abgelesen haben. So gab er sich überzeugt, dass sich das Thema in der kommenden Saison wieder beruhigen werde: "Die Trainer, die jetzt gewechselt sind, verfolgen ja auch jeweils eine gewisse Philosophie und werden den Verein dabei mitnehmen". Schließlich sei zuletzt auch manche Beziehung zwischen Trainer und Verein nicht am Sportlichen, sondern "an atmosphärischen Störungen" zerbrochen.

Beim Deutschen Fußball-Bund dagegen versteht man sich derzeit offenbar so gut wie lange nicht - so deutet zumindest Bierhoff seine ebenso frühzeitige wie geräuschlose Vertragsverlängerung bis 2014. Der Manager hatte ebenso wie Bundestrainer Joachim Löw und dessen Assistenten Hans-Dieter Flick und Andreas Köpke in der Vorwoche bis nach der WM in Brasilien in drei Jahren unterschrieben und die Öffentlichkeit damit komplett überrascht.

Verlängerung mit Sammer nennt Bierhoff "sinnvoll"

Auch für den Manager selbst sei das unerwartet gekommen, Löw und er seien mit dem Vertrag bis 2012 eigentlich zufrieden gewesen. Als der DFB wegen 2014 anfragte, habe er jedoch relativ schnell umgedacht: "Im Moment spricht alles für den Job: Wir haben ein loyales tolles Team, die Unstimmigkeiten mit dem Verband sind verschwunden, wir haben noch große Ziele."

Derart generös gestimmt kann sich Bierhoff sogar vorstellen, auch mit seinem alten DFB-Rivalen, Sportdirektor Matthias Sammer, noch ein paar Jahre zusammenzuarbeiten. Die Überlegungen beim DFB, mit Sammer bis 2016 zu verlängern, nannte er "sinnvoll". Man habe das gegenseitige Verhältnis, das in den vergangenen Jahren von Kompetenzstreitigkeiten geprägt war, geklärt: "Wir sind ja häufig aneinander gerasselt, aber das war auch zu Profizeiten schon nicht anders."

Da spricht einer, der mit sich und seinem Job im reinen scheint wie lange nicht. Bierhoff und der DFB - das war lange Zeit eine Beziehung voller Missverständnisse, voller Fremdheiten. Der Verband und der Manager, das wollte emotional nicht zusammengehen. Aber seit den Erfolgen bei der WM in Südafrika, seit die Verantwortlichen die Zuständigkeiten der Nationalmannschaft innerhalb und außerhalb des Verbandes klar definiert haben, hat sich das geändert. Beim DFB hat man lange genug gebraucht, um die Verdienste des Managers anzuerkennen.

Bierhoff ist derjenige, der sich bei der Nationalmannschaft mit seinen Äußerungen am weitesten vorwagen darf. So ist es auch der Manager, der die kommende Aufgabe gegen die wackeren Kasachen ins rechte Licht rückt. Während Özil sagt, "unser Gegner hat nichts zu verlieren, das wird ein sehr wichtiges Spiel für uns", setzt sich Bierhoff hin und eröffnet sein Statement mit dem Satz: "Kasachstan ist natürlich nicht gerade die große Hausnummer." Man rechne "selbstverständlich am Samstag mit drei Punkten" und werde sich im Vorfeld "nicht übertrieben viel mit dem Gegner beschäftigen". Bierhoff ist der Mann für die "Mia san mia"-Mentalität der Nationalmannschaft.

Man kann diese Haltung arrogant nennen. Vielleicht ist der Mann aber einfach nur selbstbewusst. Im Moment kann er es sich erlauben.

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