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Bundestrainerin Voss-Tecklenburg: Zurück nach ganz oben

Foto: Simon Hofmann/ Bongarts/Getty Images

DFB-Bundestrainerin Voss-Tecklenburg Sie will Deutschlands Frauenfußball wieder stark machen

Das DFB-Frauennationalteam startet am Abend den Neuanfang mit Trainerin Martina Voss-Tecklenburg. Die 51-Jährige hat einen klaren Auftrag.

Ihre aktive Vereinslaufbahn beendete sie im Pokalendspiel 2000 mit einem Eigentor gegen den 1. FFC Frankfurt, die Frankfurter holten dadurch den Titel. Ihre Zeit im Nationalteam ging nach 125 Länderspielen abrupt im Streit mit dem Verband und mit ihrer damaligen Teamkollegin und Lebenspartnerin Inka Grings zu Ende. Man könnte sagen, dass Martina Voss-Tecklenburg in Sachen Karriereende keine glückliche Hand gehabt hat.

Umso größer sind die Erwartungen an sie, was ihren Neuanfang angeht: Am Abend wird die 51-Jährige erstmals als DFB-Bundestrainerin an der Seitenlinie stehen (21 Uhr, Eurosport). Testgegner für das Team ist Frankreich, WM-Gastgeber im Juni, eine der derzeit weltweit stärksten Nationen im Frauenfußball. Martina Voss-Tecklenburg will es gleich von Anfang an wissen.

Die Trainerin wird beim DFB als Hoffnungsträgerin gehandelt, sie soll den deutschen Frauenfußball wieder an die Weltspitze zurückbringen, dort, wo er jahrzehntelang war, getragen von der enormen Selbstsicherheit, sowieso zu den Besten zu gehören. Eine Selbstsicherheit, zu der sich über die Jahre eine gewisse Bequemlichkeit gesellt hat: Es lief ja, die Erfolge waren da, zuletzt noch Olympia-Gold in Rio de Janeiro, das war 2016.

Die Sicherheit und die Erfolge sind verschwunden

Diese Sicherheit ist weg, die Erfolge ebenso. Bei der EM vor zwei Jahren schied das deutsche Team bereits im Viertelfinale aus, das war in den 30 Jahren zuvor nie passiert. Andere Nationen bestimmen aktuell die Szene, Frankreich, die Niederlande, die USA.

Voss-Tecklenburg soll das wieder ändern. Dass sie motivieren kann, einen Verband umkrempeln, das hat sie bereits in der Schweiz bewiesen. Sechs Jahre lang war sie für die Auswahl des Nachbarlandes verantwortlich, nie waren die Schweizer Fußballerinnen besser, nie zuvor hatten sie sich für eine WM qualifiziert. Unter Voss-Tecklenburg gelang das 2015. Spätestens da waren sie auch beim DFB wieder auf ihre langjährige Rekordspielerin aufmerksam geworden.

Der DFB hatte mittlerweile erheblichen Handlungsbedarf, das Experiment mit der im Verband zwar bestens vernetzten, als Trainerin aber zu unerfahrenen Steffi Jones war letztlich missglückt, der alte Fahrensmann Horst Hrubesch, der wahrscheinlich sogar die Autoren-Nationalmannschaft zu Erfolgen führen würde, musste es als Zwischenlösung richten. Mit ihm gelang die Qualifikation zur WM, aber Hrubesch ist mittlerweile 67 Jahre alt. Selbst beim DFB hatten sie irgendwann das Einsehen, dass sie ihn nicht auf Ewigkeit für alle Notfälle einspannen können.

Lob findet ihre Ansprache

Voss-Tecklenburg hat einiges von dem, was auch Hrubeschs Qualität ausmachte. Weggefährtinnen loben ihren Umgang mit den Spielerinnen, ihre Ansprache, den richtigen Tonfall, genau jene Aspekte, mit denen Jones ihre Schwierigkeiten hatte. Die "Berliner Zeitung" feiert Voss-Tecklenburg bereits als künftiges "Gesicht des deutschen Frauenfußballs", kaum ein Text über sie kommt ohne Vergleiche mit Liverpool-Coach Jürgen Klopp und seiner Art der Mannschaftsführung aus. Ohne diese Vergleiche mit dem Männerfußball scheint es schwerlich zu gehen.

Als eine der ersten Maßnahmen hat die neue Bundestrainerin Birgit Prinz an ihre Seite geholt. Prinz, Weltfußballerin und eine, die noch öfter für den DFB gespielt hat (214 Einsätze) als Voss-Tecklenburg (125), steht dem Team als Psychologin zur Verfügung. Prinz hat im Nationalteam erfahren, wie sehr ein großes Turnier Kopfsache sein kann: 2011 bei der WM im eigenen Land hat jeder den Titel für die DFB-Auswahl erwartet. Das Team hat den Druck nicht ausgehalten, auch für Prinz selbst war er zu groß. Erfahrungen, die sie jetzt einbringen kann. Im Sommer wartet wieder eine Weltmeisterschaft, und schon jetzt werden die Erwartungen wieder hochgefahren.

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Voss-Tecklenburg selbst hat die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 als "Minimalziel" ausgerufen, dafür muss das Team bei der WM unter die besten drei europäischen Mannschaften kommen. Stürmerin Alexandra Popp, die am Abend wegen einer Verletzung nicht mitwirken kann, soll das Team als neue Kapitänin anführen. Popp hat als ganz junge Spielerin die Heim-WM mitgemacht. Ansonsten haben sich die alten Leistungsträgerinnen nach und nach verabschiedet, heute bilden Svenja Huth, Leonie Maier, Melanie Leupholz, Dzsenifer Marozsán und Sara Däbritz die Hierarchie im Team. Sie alle haben Turniererfahrung, aber die wenigsten wissen, wie es ist, einen großen internationalen Titel zu gewinnen.

Es ist die Aufgabe von Voss-Tecklenburg, sie daran wieder zu gewöhnen. Das muss noch nicht 2019 passieren. Aber es wäre auch keine Sensation, wenn es früh gelänge. Der neuen Bundestrainerin wird viel zugetraut.